„Das Ticken der Uhr ist die Sprache der Zeit.“ sagt Julian Nasiri, deutscher Immobilienfachmann und Aphoristiker. Und tatsächlich: im durchgetakteten Beratertag ist die Zeit Dein ständiger Begleiter. Apropos Zeit: besitzt Du eine Armbanduhr? Und falls ja, warum genau dieses Modell? Viele Unternehmensberater tragen eine Uhr. Und so liegt es nah in dieser Woche einmal auf das kleine aber feine Technik-Accessoire am linken oder rechten Handgelenk einzugehen. Nicht allein, sondern gemeinsam im Gespräch mit dem VintageCaliber Geschäftsführer und Uhren-Experten Simon Stern.

Consulting-Life.de: Herr Simon Stern – welche Uhr tragen Sie, während Sie meine Interviewfragen beantworten?

Simon SternSimon Stern: Aktuell trage ich einen Tissot Chronographen aus den 40er Jahren. Ich liebe das klassische Design dieser Epoche. Zusätzlich hat dieser Chrono ein geschichtsträchtiges Uhrwerk, das damals die Grundlagen für weitere legendäre Uhrwerke legte.

Laut dem Zahlen- & Fakten-Portal statista besitzen 57 Millionen Deutsche ein Smartphone und damit eine Uhr. Ist die Zeit für klassische Armbanduhren abgelaufen?

Auf keinen Fall! Obwohl die Schweizer Uhrenindustrie in den letzten Jahren kämpfen musste, erfreuen sich gerade die Vintage Uhren einer immer größeren Beliebtheit. Der Markt für Vintage wächst stetig und findet immer neue Anhänger.

Der reine funktionale Nutzen ist es nicht mehr, der einen Kunden eine Armbanduhr kaufen lässt. Was ist es dann? Sammlerleidenschaft, Statusstreben oder Spekulationslust?

Alle Ihre genannten Punkte sind korrekt.  Oftmals geht es bei eine Armbanduhr nicht mehr nur um das reine Ablesen der Zeit. Diese sehen Sie auf Ihrem Smartphone, der U-Bahnanzeige oder der Kirchturmuhr. Viel zentraler sind die Wertschätzung für die Handwerkskunst und der Reiz des Sammelns.

Gerade die Uhren-Sammler Community eines Landes ist ein Indikator für seine aktuelle soziale Situation. Hier in Deutschland gibt es beispielsweise viele Menschen, die sich dieser Leidenschaft widmen können. In anderen Ländern ist das Sammeln dagegen weniger ausgeprägt.

Viele unserer Kunden treibt ebenfalls die Leidenschaft für Design und Ästhetik. Dies gilt sowohl für die Optik als auch die Technik einer Uhr.

Auch Statusstreben kann natürlich ein Grund sein. Mit einer Vintage-Uhr demonstrieren Sie Ihre Individualität und Ihren Status sehr diskret. Dieser Typ von Uhr schreit nicht „Ich war teuer!“. Im Gegenteil. Die wahren Statussymbole der Vintage Uhrensammler sind für außenstehende oft gar nicht ersichtlich. Sie müssen sich schon auskennen, um zu wissen, wie besonders und wertvoll die Uhr ist. Das – so bin ich mir sicher – genießen viele unserer Kunden.

Schließlich werden Vintage-Uhren gerne aus Spekulationslust oder zur Diversifikation der Kapitalanlagen gekauft. In den vergangenen Jahrzehnten konnten Sie mit diesem Uhrentyp hohe Renditen erzielen. Zudem hat der gesamte Markt ein sehr stabiles Wachstum gezeigt.

Simon Stern
Rolex Osterdate aus dem Jahr 1975

Seit 2013 kauft ihr Unternehmen VintageCaliber Vintage-Uhren an und veräußert diese an Sammler und Liebhaber? In Zeiten von Apple Watch & Co: was macht den ungebrochenen Reiz von Vintage-Uhren aus?

Kunden mit Vintage-Uhren laufen dem aktuellsten Designtrends nicht hinterher. Stattdessen schätzen Sie den klassischen Stil der 1940er und 50er Jahre, als Armbanduhren im Kommen waren. Klare scharfe Kanten, ein schlichtes maskulines Design und alles nicht zu dick aufgetragen. Zwar sind viele aktuelle Designs heute noch daran angelehnt, aber was kann schon das Original ersetzen?

Die Liebe zu Vintage-Uhren kann fast auch als Widerstand gegen die Konsumorientierung und Wegwerfgesellschaft gedeutet werden. Uhren wurden damals gebaut um zu halten – „built to last“. Und das taten sie mit viel Liebe zum Detail und in aufwändiger Handarbeit.

Bei einer Investition von 5.000 Euro und mehr in eine Uhr möchte ich sichergehen, dass diese auch echt ist. Mit welchen Maßnahmen und Techniken prüfen und zertifizieren Sie die Echtheit einer Vintage-Uhr?

Zunächst bedienen wir uns der konventionellen Prüfmethoden. Neben der optischen Inspektion, bedeutet dies den Abgleich der verbauten Teile mit Archivdokumentation, Checks unter UV-Licht sowie eine Inspektionen mit dem Geigerzähler.

Als etwas unkonventionellere Methoden prüfen wir beispielsweise eine Uhr mittels mikroskopischer Untersuchung auf Spuren von Bearbeitung und Fakes. Teilweise ist es auch sinnvoll, den Chrono komplett zu zerlegen und die Einzelteile gesondert noch eingehender zu untersuchen. In manchen Fällen kann es auch zu einer Materialtypprüfung  anhand einer nicht destruktiven Spektralanalyse kommen.

Auch die Erfahrungswerte spielen in die Prüfung rein. Nachdem Sie hunderte Uhren ähnlichen Typs in der Hand gehalten haben, bekommen Sie über die Zeit einen ’sechsten Sinn‘ für mögliche Schwachstellen und Ungereimtheiten. Allerdings lernen Sie auch hier nie aus. Täglich bieten sich Ihnen Chancen, die Erfahrungen und das Wissen zu erweitern.

Ein kurzer Schwenk zu den digitalen Möglichkeiten: wie weit entfernt ist der Luxusuhrenmarkt von einem auf der Blockchain basierenden Echtheits-Service bei dem jede Transaktion in einer verteilten Datenbank sicher abgespeichert wird?

In verschiedenen Formen sind solche Datenbanken bereits heute im Einsatz. Meist jedoch nur für die interne Verwendung im Rahmen der Wertschöpfung. Eine Lösung für Kunden wird aus meiner Sicht in naher Zukunft nicht kommen. Das liegt auch aktuell gar nicht im Interesse der Hersteller.

Dies wiederum wäre eine Gelegenheit für neue Start-Ups. Die Umsetzung des Geschäftsmodells sehe ich als eine große Baustelle mit vielen Herausforderungen.  Persönlich bin ich gespannt, welche Finanzierungsmodelle neben Kickstarter & Co von innovativen Start-Ups in der Uhrenbranche ausgetüftelt werden.

Simon Stern
Drei Beispiele für klassiche Uhren passend zu einem Anzug von der Firma International Watch Co. (IWC)

Schicker Dienstwagen, adretter Anzug, wertiges Notebook – muss ich als Berater jetzt ebenfalls eine teure Uhr tragen?

Natürlich sollte das Gesamtbild stimmen; und natürlich ist eine Armbanduhr auch ein klasse Accessoire und eine tolle Möglichkeit seinen Stil zu beweisen. Und trotzdem: es gibt kein ‚Muss‘.

Auch gilt: eine tolle Uhr, also historisch wertvoll mit tollem Design, kostet nicht zwangsläufig ein Vermögen. Ab ca. 1.000 Euro können Sie bereits eine qualitativ hochwertige und solide Vintage Uhr erstehen. Jenseits dieser Grenze löst sich oft die Verbindung von Preis und Qualität. Der Sammler zahlt oft auch einen erhöhten Preis wegen der Rarität des Objekts. Die Summe hat aber keine direkten Bezug zur Handwerkskunst bzw. der technischen Qualität.

Angenommen ich plane eine Vintage-Uhr zu erwerben die zu mir, meinem Stil und in mein Beratungsumfeld passt. Welche drei Tipps sollte ich beachten?

Nehmen Sie sich Zeit um Herauszufinden welcher Uhrentyp Sie am meisten anspricht. Sobald Sie ein Gefühlt entwickelt haben, sehen Sie sich die Modelle genauer an. Finden Sie heraus, in welchen Zeiträumen diese Uhren produziert wurden, welche Typ-Varianten gibt es, welche möglichen Schwachstellen die Uhren haben und welche Technik darin steckt (stoßgesichert, automatisch usw.). Und natürlich sollten Sie die Uhr im Laden in Ihren eigenen Händen halten.

Insbesondere als Uhren-Einsteiger sollte Sie sich beim Verkäufer in gute Hände begeben. Natürlich liegt der Preis eines professionellen Händlers manchmal höher als der eines schnellen Ebay-Deals. Aber im Gegenzug erhalten Sie eben auch Expertise, Sicherheit und – ganz wichtig – Seelenfrieden. Am besten suchen Sie sich einen Händler mit einem physischen Ladengeschäft und verbindlichen Kontaktdaten, um im Notfall immer eine Anlaufstelle zu haben. Erkundigen Sie sich vorher über die Rückgabepolitik und Geschäftsbedinungen der Firma. Oft erkennt man gute Händler auch schon an der Qualität der Produktbeschreibung. Die Produktfotos sollten detailliert und möglichst unbearbeitet sein, der Zustandsbericht sollte ausführlich und für Sie nachvollziehbar ausfallen. Natürlich ist eine Uhr im Originalzustand immer am meisten begehrt. Sollte in der Produktbeschreibung also kein Hinweis zur Originalität der Uhr zu finden sein, sollten Sie unbedingt ein Statement vom Händler einfordern.

Heutzutage erlaubt der Dresscode sehr viel Freiheit. Auch die Uhr gibt Ihnen die Gelegenheit, sich im Office-Kontext auszudrücken. Beispielsweise empfehlen wir zu einem klassischen Anzug eine schlichte ‚Dresswatch‘, in Stahl oder Gold, nicht zu groß, also zwischen 30 – 38mm, ein schlichtes Zifferblatt beispielsweise eine klassische IWC Cal. 89. Alternativ, etwas mehr gewagt und trotzdem historisch wertvoll und respektiert, die Omega Speedmaster Moonwatch. Am Ende des Tages ist es das wichtigste, dass Sie sich mit der Armbanduhr wohlfühlen und Spaß damit haben.

Consultants sprechen gerne über Alleinstellungsmerkmale bzw. Unique Selling Points von Geschäftsmodellen. Was sind die USPs von VintageCaliber?

Wir sehen uns als ‚Goody guys‘ in einem Markt der manchmal dubios anmutet. Das versuchen wir mit 100 Prozent Präzision, Ehrlichkeit, Transparenz und Fairness in unseren Zustandsberichten der Uhren zu untermauern.

Wir gehen individuell auf die Bedürfnisse jedes Kunden ein, was eine personalisierte Rückmeldung für alle Anfragen, einen absoluten Fokus auf Sicherheit und natürlich eine guten After-Sales Unterstützung bedeutet. Und was uns in diesem Zusammenhang besonders Stolz macht ist, dass wir das sowohl für unsere lokalen offline Kunden, als auch für unsere online Kunden in der ganzen Welt anbieten können.

Letzte Frage: was war der kurioseste Kunde bzw. Verkäufer dem Ihr Unternehmen in den vergangenen 5 Jahren ein Angebot für eine Vintage-Uhr unterbreiten durfte?

In den Vergangenen Jahren hatten wir viele kuriose Begegnungen mit Kunden und Verkäufern. Kunden wurden zu Freunden, wir haben Uhren an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verkauft ohne es vorher zu wissen und wir haben viel über Murphy´s Law gelernt.

Ich selbst habe vor einiger Zeit eine ganz besondere Uhr an einen langjährigen Kunden im Ausland angeboten. Eine sehr seltene Edelstahl Patek Philippe. Aus Versehen habe ich ein Angebot abgeben, welches tausende Euro niedriger lag als unser eigener Einkaufspreis. Natürlich nahm der Kunde das Angebot sofort an. Erst nachdem die Zahlung eingegangen war, ist mir mein Fehler aufgefallen.

Mir war sofort klar was zutun war – nichts! Deal ist Deal! Wir haben die Uhr wie vereinbart ausgeliefert. Der Kunde weiß nach wie vor nichts von diesem Vorfall – nur, dass er einen sehr, sehr guten Deal bekommen hat. Sollte er jemals verkaufen wollen, würden wir ihm die Uhr natürlich immer wieder gerne abkaufen.

Herzlichen Dank Herr Simon Stern für die vielen Details zur Armbanduhr.

Das Gespräch führte Christopher Schulz, 07.06.2018.
Herzlichen Dank an Herrn Neville Paschall für die Koordination.

Simon Stern
Simon Stern ist seit 2013 Geschäftsführer von VintageCaliber, ein internationaler Uhrenhändler, der sich auf Vintage-Uhren spezialisiert hat. Stern studierte Rechtswissenschaften und Linguistik und arbeitete anschließend in einer Boutique-Anwaltskanzlei. Seit seiner Kindheit hegt er ein großes Interesse für Armbanduhren.

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