Die meisten Berater*innen starten ihre Selbständigkeit freiberuflich oder als Einzelunternehmen. Doch wie lange ist das sinnvoll? Welche Vorteile bietet die GmbH und ab wann lohnt sie sich?


Der Start in der Freiberuflichkeit oder als Einzelunternehmen ist denkbar einfach: Nach steuerlicher Anmeldung beim Finanzamt kannst du loslegen und Rechnungen stellen. Das Finanzamt stuft dann ein, ob es sich um eine freiberufliche oder eine gewerbliche Tätigkeit handelt, für die du ein Gewerbe anmelden musst.

Egal ob du deine Beratung freiberuflich oder als Einzelunternehmen betreibst, deinen Gewinn versteuerst du vollumfänglich als persönliches Einkommen. Es braucht nicht viele Tagessätze und du hast den Spitzensteuersatz erreicht – ab 57.919 Euro zahlst du auf jeden weiteren Euro 42 % Einkommensteuer. 


Es braucht nicht viele Tagessätze und du hast den Spitzensteuersatz erreicht – ab 57.919 Euro zahlst du auf jeden weiteren Euro 42 % Einkommensteuer. 


In einer GmbH werden auf die Gewinne jedoch nur rund 30 % Steuern fällig: ca. 14 % Gewerbesteuer (abhängig vom örtlichen Gewerbesteuerhebesatz) und rund 16 % Körperschaftsteuer inklusive Solidaritätszuschlag.

Der Unterschied zwischen der Besteuerung im persönlichen Einkommen und der Besteuerung in der GmbH sind also 12 Prozentpunkte. Ich nehme an, du jonglierst gern mit Zahlen (schließlich bist du Berater*in). Dann lass uns diese 12 Prozentpunkte mal in den Kontext setzen: Die GmbH zahlt 29 % weniger Steuern (30 % statt 42 %); nach Steuern bleibt in der GmbH 20 % mehr Vermögen (70 % nach Steuern in der GmbH statt 58 % nach Steuern im Einkommen). Wenn du das gesamte Einkommen nach Steuern investierst und eine Kapitalrendite von 4 % erzielst, brauchst du fünf Jahre um den Steuernachteil zur GmbH aufzuholen! Wenn du 4 % Kapitalrendite zu ambitioniert findest, bei einer geringeren Rendite dauert es natürlich entsprechend länger, den Steuernachteil aufzuholen.

Dabei haben wir den Solidaritätszuschlag noch außen vor gelassen. Du hast vermutlich mitbekommen, dass der Solidaritätszuschlag seit diesem Jahr für 90 % Einkommen wegfällt. Doch als Berater*in gehörst du wahrscheinlich zu den anderen 10 %. Auf Einkommen bis 61.717 Euro wird ab 2021 kein Solidaritätszuschlag mehr erhoben. Bei höheren Einkommen gibt es einen Übergangskorridor und ab einem Einkommen von über 96.409 Euro, wird weiterhin der volle Solidaritätszuschlag fällig – auf das gesamte Einkommen. Das sind dann noch einmal 5,5 % Solidaritätszuschlag auf 42 % Einkommensteuer, also insgesamt 2,3 % auf dein Einkommen. Als dein Einkommen zählt hierbei dein Gewinn, also dein Umsatz abzüglich aller Werbungskosten.


Wenn du das gesamte Einkommen nach Steuern investierst und eine Kapitalrendite von 4 % erzielst, brauchst du fünf Jahre um den Steuernachteil zur GmbH aufzuholen!


Die GmbH zahlt zwar auch weiterhin Solidaritätszuschlag, aber nur auf die Körperschaftsteuer und das ist in den oben genannten 16 % schon drin.

Angenommen, du benötigst 60.000 Euro deines Gewinns vor Steuern zur Finanzierung deiner Lebenshaltungskosten – das entspricht knapp 43.000 Euro nach Steuern. Diesen Gewinnanteil zahlst du dir in der GmbH als Gehalt aus und musst ihn persönlich im Einkommen versteuern. Der Vorteil der GmbH greift erst auf den Anteil des Gewinns, den du nicht für deinen privaten Konsum benötigst, sondern sparst und zur Vermögensmehrung investierst. Diesen Gewinnanteil schüttest du nicht aus, sondern belässt ihn in der GmbH für Vermögensinvestitionen aus der GmbH heraus (gleich dazu mehr).

Lass mich dir den Vorteil der GmbH an ein paar konkreten Zahlenbeispielen aufzeigen. Wenn du durch deine Beratungstätigkeit einen Gewinn von 100.000 Euro pro Jahr erwirtschaftest und davon 60.000 Euro zur Finanzierung deines Lebensunterhalts benötigst, bleibt ein Gewinn zur freien Verfügung vor Steuern von 40.000 Euro. Auf diesen zahlst du freiberuflich oder im Einzelunternehmen 42 % Einkommensteuer; das sind 16.800 Euro. Plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer. Das sind 924 Euro. In der GmbH hingegen werden nur 30 % Steuern fällt, also 12.000 Euro. Das ist ein Steuervorteil der GmbH in Höhe von 5.724 Euro jährlich. 

Bei einem Gesamtgewinn von 160.000 Euro, abzüglich der 60.000 Euro für den Lebensunterhalt, bleibt ein Gewinn zur freien Verfügung von 100.000 Euro. Darauf betragen Einkommensteuer 42.000 Euro und Solidaritätszuschlag 2.310 Euro – 14.310 Euro mehr als die 30.000 Euro Steuern in der GmbH.

Die GmbH bringt aber auch Kosten mit sich. Für Buchhaltung und Bilanzierung solltest du zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro Kosten pro Jahr einplanen. Die genauen Kosten hängen von der Anzahl deiner jährlichen Belege und deinem Verhandlungsgeschick mit deiner Steuerberatung ab.


Die GmbH bringt aber auch Kosten mit sich. Für Buchhaltung und Bilanzierung solltest du zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro Kosten pro Jahr einplanen.


Ab wann lohnt sich dann die GmbH? Sie lohnt sich, sobald der Steuervorteil die zusätzlichen Kosten übersteigt. Bei einem Steuervorteil von 12 Prozentpunkten und Kosten zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro braucht es demnach einen freien Gewinnanteil zwischen 8.000 Euro und 16.000 Euro.

Mit ein wenig Puffer kommen wir auf 20.000 Euro. Wenn du also im aktuellen Geschäftsjahr denkst, wenigstens 20.000 Euro mehr zu verdienen als du für deinen privaten Konsum benötigst, solltest du auf eine GmbH umsatteln.

Die Gründung einer GmbH kostet ca. 1.000 Euro für Notar und Anmeldung beim Handelsregister. Die Stammeinlage beträgt mindestens 25.000 Euro, wovon wenigstens die Hälfte sofort einzuzahlen ist. Du kannst also schon mit 12.500 Euro bar eine GmbH gründen. Das eingezahlte Stammkapital ist keineswegs geblockt, sondern steht der GmbH zur freien Verfügung – beispielsweise kann sie davon die Kosten ihrer eigenen Gründung tragen. Falls die Mindesteinzahlung von 12.500 Euro nicht machbar ist, alle hier beschriebenen Steuerprinzipien gelten auch für die kleine GmbH, die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), auch UG genannt. Diese kannst du schon mit ca. 500 Euro gründen.


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Du fragst dich, wie du dein angespartes Vermögen nutzen kannst, wenn es in der GmbH verbleibt? Hier liegt der Dreh- und Angelpunkt: Du zahlst dir als Gehalt immer nur so viel aus, wie du auch konsumierst. Wenn du im Jahr 60.000 Euro verbrauchst, dann setzt du dein Gehalt in der GmbH auf 5.000 Euro fest. Alles, was du nicht verbrauchst, sondern sparst und investierst (z.B. für deine Altersvorsorge), bleibt in der GmbH!

Falls die GmbH du nicht 100 % der GmbH-Anteile gehören (beispielsweise weil du das Beratungsgeschäft nicht allein betreibst) oder wenn es in deinem Beratungsgeschäft Haftungsrisiken gibt, solltest du zwischen dir und der Beratungs-GmbH eine Holding-GmbH zwischenschalten. An der Holding-GmbH solltest du dann 100 % der Anteile halten. Die Beratungs-GmbH schüttet die Gewinne dann an die Holding-GmbH aus. Da die Gewinne schon auf Ebene der Beratungs-GmbH versteuert wurden, kann die Ausschüttung an die Holding fast steuerfrei erfolgen (der effektive Steuersatz beträgt 1,5 %).

Die GmbH bietet dir zusätzlich zum Steuervorteil auf den Gewinn noch weitere Vorteile:

  • Durch die Haftungsbeschränkung der GmbH ist das Verlustrisiko in der GmbH auf ihr Vermögen beschränkt – freiberuflich oder im Einzelunternehmen haftest du mit deinem gesamten Vermögen (und darüber hinaus).
  • Die GmbH hat auch Steuervorteile bei Investitionen in Aktien, Fonds und ETFs.
  • Über eine Pensionszusage der GmbH kannst du steuerfrei in deine Altersvorsorge investieren.
  • Die GmbH bedeutet einen großen Schritt weg von der Selbständigkeit hin zum Unternehmertum. 
  • Die GmbH hat ein hohes Ansehen und erscheint Geschäftskunden stabiler, vertrauenswürdiger und schlagkräftiger.

Wenn die GmbH für dich interessant klingt, dann wende dich an (d)eine Steuerberatung. Weiterführende Erläuterungen bezüglich GmbH und Holding findest du auch in meinem Buch: “Weniger Steuern & mehr Vermögen: Wie du als Unternehmer*in mehr aus deinem Geld machst”. Das erste Kapitel zur GmbH kannst du kostenlos herunterladen.


Über den Autor Alexander Keck

Alexander KeckAlexander Keck ist erfolgreicher Unternehmer. Wie viele Unternehmer*innen hatte er lange eine mentale Barriere gegenüber dem Thema Steuern. Bis er erkannt hat, wie groß der Steuerhebel sein kann. 

Da er auf seiner eigenen Steuerreise keinen passenden Leitfaden für Unternehmer*innen finden konnte, hat er das Buch geschrieben, das er gern gehabt hätte: “Weniger Steuern & mehr Vermögen: Wie du als Unternehmer*in mehr aus deinem Geld machst – Rechtsform, Holding, Gehalt, Investitionen und Altersvorsorge”.

Weitere Informationen zum Buch mit dem Download des ersten Kapitels zur GmbH findest du hier.

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