Die Befragung ist abgeschlossen nun liegen die Ergebnisdaten vor Dir. Eine stattliche Tabelle mit über 150 Einzelwerten ist das zusammengekommen. Zuviel für den Projektsteuerkreis, zu unübersichtlich für den Kunden. Doch was jetzt tun? Ganze Spalten bzw. Zeilen ausblenden? Mehrere Werte zu einem zusammenfassen? Gut geeignet eine Menge vergleichender Daten darzustellen ist die Heatmap.


Überblick

Ergebnis: farbige Visualisierung einer großen Datenmenge 

Teilnehmer: 1 Person (Ersteller)

Dauer: ab 30 Minuten (je nach Menge und Qualität der Daten)

Utensilien: Notebook und Microsoft Office, alternativ: spezielle Visualisierungs-Software

Zweck

Immer wieder hast Du in Beratungsprojekten die Aufgabe, eine große Menge vergleichender Daten aufzubereiten und anschaulich zu visualisieren. Hilfreich dabei ist die Heatmap, im Englischen auch Heat Map – in zwei Worten – geschrieben. Das ‚Heat‘ steht dabei für ‚Wärme‘ bzw. ‚Hitze‘, ‚Map‘ übersetzt Du als ‚Karte‘ oder auch ‚Bild‘. Wo einige Branchen die Begriffe Wärmebild oder Hitzekarte nutzen, hat sich im Consulting Heatmap durchgesetzt.


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Eine Heatmap ist eine graphische Aufbereitung von in Zusammenhang stehender Daten. Sie bezieht sich im Regelfall auf den Ist-Stand, also dem Status Quo. Der Leser einer Heatmap soll schnell einen klaren Überblick über das aktuelle Gesamtbild erhalten. Zudem werden besonders markante Werte für ihn hervorgehoben. Fast immer findest Du in Heatmaps die Farbe rot in unterschiedlichen Abstufungen. Rot steht dabei für Hitze und Wärme, übersetzt auf den Geschäftskontext also Priorität, Bedeutung und Stellenwert.

Übrigens ist die Heatmap älter als ihr Name vermuten lässt. Bereits im 19. Jahrhundert fand das Konzept seine Anwender. So soll der Franzosse Toussaint Loua 1873 statistische Daten der Arrondissements von Paris als Tabelle mit schattierten Feldern dargestellt haben, erst schwarz-weiß, anschließend farbig.


Aufbau

Eine gute Heatmap besitzt einen aussagekräftigen Titel. Dieser fasst die Essenz der Darstellung in einem Satz zusammen. Ohne einen Blick auf die Abbildung zu werfen, erfährt der Leser die zentrale Botschaft.

Im Hauptteil bildet die Heatmap eine zweidimensionale Definitionsmenge, beispielsweise…

  • Uhrzeiten (Y-Achse) entlang der Wochentage (X-Achse)
  • IT-Systeme (Y-Achse) für die unterschiedlichen Organisationseinheiten (X-Achse)
  • Interessensgebiet (Y-Achse) für die verschiedenen Stakeholder-Gruppen (X-Achse)

auf einen Zahlenstrahl ab, beispielsweise

  • 0 = gering ausgelastet bis 100 = vollständig ausgelastet
  • -1 = veraltete Technologie, 0 = aktuelle Technologie, 1 = moderne Technologie
  • 0 = kein aktives Stakeholdermanagement bis 1 = intensives Stakeholdermanagement.

und verleiht den Werten eine Farbe.

In der Regel steht rot für heiß, bzw. viel, hoch intensiv, wichtig, wertvoll, etc.. Dann erfolgen die Abstufungen nach unten über die Farben Orange (mittelheiß), Gelb (warm), Grün (kühl) und Blau (kalt). Abstufungen zwischen den einzelnen Farben bilden die Übergänge. Ein roter Wert in der Heatmap wird gerne als Hotspot – heißer Punkt – bezeichnet. Hotspots lenken den Fokus eines Lesers auf die wesentlichen Teile eines Datensatzes.

Beachte, dass die Verbindung von Farbe und Temperatur kulturell geprägt ist und nicht zwingend gilt. Die Wahl der Farbskala ist daher willkürlich und Dir als Ersteller der Heatmap freigestellt. Am besten Du ergänzt Deine Heatmap mit einer Legende in der Du jede verwendete Farbe mit einer eindeutigen Semantik versiehst.

Zudem reicherst Du die Heatmap mit Meta-Informationen wie den Autor samt Kontaktdaten, das Datum der letzten Aktualisierung sowie die Datenquelle an.


Anwendung

  • 1

    Ziel & Empfänger definieren

    Überlege im ersten Schritt, was Du mit der Heatmap bezwecken möchtest. Wer hat welchen Entscheidungs- bzw. Informationsbedarf? Beruht dieser Bedarf auf vielen Daten und lässt in zwei Dimensionen unterteilen? Stehen Dir aktuelle Daten zur Verfügung? Erst nach Klärung dieser Fragen, solltest Du Dich an die Entwicklung der Heatmap machen.

  • 2

    Daten aufbereiten

    Grundlage einer guten Heatmap sind qualitativ hochwertige Daten. Erhebe diese, beispielsweise mittels Fragebogen, Interview, Workshop oder Desk Research. Oft musst Du die gesammelten Infos aufbereiten bevor diese in zwei Dimensionen und eine Eigenschaft zerlegt werden können.

  • 3

    Heatmap erstellen

    Überführe die Daten in eine Tabelle. Die beiden Dimensionen bilden X und Y Achse, in den Zellen steht der jeweilige Eigenschaftswert. Färbe die Werte anschließend ein, so dass hohe Beträge rot, und niedrige blau angezeigt werden.

  • 4

    Heatmap einsetzen

    Stelle die Heatmap Kunden und Kollegen zur Verfügung. Nutzt die Visualisierung für die Analyse, Bewertung und Entscheidung. Ändern sich die zu Grunde liegenden Daten und wird die Darstellung weiterhin benötigt pflegst Du die Karte nach.


Beispiele

Beispiel 1: Heatmaps im Projektmanagement

Auch im Projektmanagement stiftet die Heatmap einen Mehrwert. Nachfolgend eine Übersicht von Stakeholdern und ihre verschiedenen Interessensgebiete. Für jede Stakeholder Gruppe ist das Interesse (I) und der Einfluss (E) je Sachgebiet in der Tabelle notiert. Die Übersicht liefert bereits nützliche Informationen, jedoch müssen die Werte erst abgelesen und anschließend interpretiert werden.

Heatmap
Stakeholder und Interessensgebiete in einem Projekt

Schneller und einfacher geht das mit der Heatmap. Dazu werden die beiden Werte Interesse und Einfluss mittels einer Formel auf den Stakeholder Interest Intensity Index abgebildet. Dieser liegt zwischen 0 und 1. Anschließend die Einfärbung. Hohe Werte sind rot, niedrige Werte grau. Mit einem Blick siehst Du jetzt, welche Stakeholder in welchem Interessensgebiet eng betreut werden sollten.

Heatmap
Heatmap für den Stakeholder Interest Intensity Index

Statt Zahlen kannst Du Buchstaben in den Zellen verwenden. Beispielsweise VL für alle Werte zwischen 0 und 0.2, L für >0.2 und 0.4, N für >0.4 und 0.6, H für >0.6 und 0.0 sowie VH für >0.8 und 1. ‚V‘ steht dabei für das englische ‚Very‘ (sehr), ‚H‘ für ‚High‘ (Hoch) und ‚L‘ für ‚Low‘ (gering). Alternativ lässt die Werte ganz weg und lässt die Farben für sich sprechen.

Beispiel 2: Heatmaps in Wirtschaft und Forschung

Heatmaps sind sowohl in Wirtschaft als auch in der Forschung im Einsatz. Einige Anwendungsbeispiele:

  • Wetterbericht – Wie warm ist die Luft in den einzelnen Regionen des Landes?
  • Fußballspiel – Welche Zonen im Spiel wurden oft frequentiert und wo waren kaum Spieler unterwegs?
  • Energieberatung – Welche Teile eines Hauses besitzen welche Temperatur?
  • Webdesign – Welche Abschnitte einer Webseite werden häufig betrachtet, welche Buttons selten geklickt?

Beispiel 3: Heatmaps im Consulting

Auch im Consulting ist die Heatmap eine beliebte Darstellungsform von Unternehmensdaten. Dem Kunden, Entscheider oder Steuerkreis kannst Du schnell einen verständlichen Überblick über die Minimal- und Maximalwerte eines bestimmten Unternehmensbereichs geben. Typische Fragen, die mit Business Heatmaps adressiert werden:

  • IT-Landschaft – Welche IT-Systeme im Unternehmen sind technologisch auf der höhe der Zeit bzw. veraltet?
  • Projektmanagement – Welche Stakeholder sind in einem Projekt für welches Thema mit hoher Priorität zu behandeln?
  • Vertrieb – In welchen geographischen Regionen generiert das Unternehmen einen hohen bzw. niedrigen Umsatz?
  • Revenue Management – Wann über den Tag und Woche werden wie viele Produkte verkauft?

Vor- & Nachteile

Pro

  • Farben benötigen deutlich weniger Platz als Werte. Mit einer Heatmap stellst Du große zweidimensionale Datenmengen in ihrer Gesamtheit übersichtlich dar.
  • Eine Heatmap spart dem Betrachter viel Zeit. Die eingefärbten Daten dienen als Orientierungspunkt und leiten die Aufmerksamkeit.
  • Das Konzept ist im Geschäftsumfeld eine sehr verbreitete Darstellungsform. Top-Manager, Unternehmer und Entscheider kennen das Konzept und verstehen die Essenz der Graphiken in der Regel sehr schnell.

Contra

  • Menschen mit Farbenfehlsichtigkeit können die Informationen in einer Heatmap mit bunten Farben schlechter, falsch oder gar nicht wahrnehmen.
  • Eine Heatmap ist auf zwei Dimensionen und einen farbig hervorgehobenen Aspekt limitiert. Willst Du weitere Merkmale darstellen, solltest Du auf eine Portfolioanalyse ausweichen oder mehrere Heatmaps anlegen.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Für visuelle Veredelung von Ergebnissen einsetzen

    Eine Heatmap macht Ergebnisse einfach und schnell erfassbar. Nutze das Tool zur Veredelung von Ergebnissen, beispielsweise einer ABC Analyse, der Ideenbewertung oder der Stakeholderanalyse. Immer wenn zwei Dimensionen auf einen Wert abgebildet werden können, ist die Visualisierungsform interessant

  • Tooltipp

    Nutze die Funktion ‚Bedingte Formatierung‘ in Microsoft Excel um eine Heatmap für einen bestehenden Datensatz zu erstellen. Dank Vorlagen ist die Übersicht in wenigen Sekunden erstellt.


Zusammenfassung

Eine Heatmap macht aus einem komplizierten umfangreichen Datensatz eine selbsterklärende intuitive Graphik. Statt lang zu interpretieren und umfassend auszuwerten, findet der Leser mit einem Blick die relevanten Hotspots und kann daraus Aktionen ableiten. In Management Kreisen sind Heatmaps beliebt. Ihre Inhalte sind leicht erfassbar, jedoch nicht banal.


Bonusinhalte

Computergaga: Create a Heat Map using Conditional Formatting in Excel – Englischsprachige Kurzanleitung um eine Heatmap in Excel zu erstellen

TIBCO Products: Interpreting Heat Map Visualizations – Mehrere Anwendungsbeispiele für den Einsatz einer Heatmap

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