Kennst Du Axel Schröder? Falls Du wie ich, regelmäßig das Netz nach Methodenwissen abgrast, wirst Du früher oder später auf Axel-Schröders Webseite stoßen. In 10 Jahren hat der Bayreuther dort einen immensen Consulting Wissensfundus aufgebaut. Den macht der Vollblut-Berater allen zugänglich, insbesondere kleinen Mittelständlern und Handwerksbetrieben – seiner Zielgruppe. Doch wie ticken KMUs? Auf welche Weise wirkt hier die Digitalisierung? Und überhaupt: Was heißt das für gute Beratung in Corona Zeiten? Alle Antworten im Interview.


Hallo Axel Schröder: Fangen wir pragmatisch an. Was ist gute Beratung?

Hallo Christopher Schulz. Das ist zum Einstieg gleich eine spannende Frage.

Dem Ratsuchenden einen Weg zeigen, wie er möglichst geschickt sein Ziel erreicht.

Ich vergleiche das, wie in einer fremden Stadt nach dem Weg fragen. Bekommt man eine Auskunft, die einen am Ende zum gewünschten Ort bringt, war das hilfreich. Vermeidet die Auskunft unnötige Umwege und man bekommt noch eine besonders reizvolle Route empfohlen, dann war der Rat ziemlich perfekt und ich wäre von der Beratung begeistert.

Darum geht es in meinen Augen. Einen Unternehmer zu seinem Ziel bringen und das auf eine geschickte Art ohne große Umwege und mit einer angenehmen Routenführung. Das verstehe ich unter guter Beratung.

Mit Ihrer Unternehmensberatung haben Sie eine klare Zielgruppe: Handwerker & kleine Betriebe. Was zeichnet diese Kundengruppe gegenüber Mittelständlern und Konzernen aus?

In Handwerksbetrieben und kleinen Unternehmen müssen sich der Unternehmer und oft auch Familienmitglieder um alles kümmern, was in größeren Betrieben an Abteilungen delegiert wird. Da gibt es keine Controlling-Abteilungen oder Marketing-Stäbe.

Gerade der ganzheitliche Ansatz, ein Unternehmen zu organisieren, lässt sich in kleinen Unternehmen viel besser umsetzen. Da gibt auch nicht so ausgeprägtes Silo-Denken zwischen Büro und Werkstatt oder Innendienst und Außendienst wie in den größeren Firmen.


Waren vor 10 Jahren viele Handwerker skeptisch, ob ihr Unternehmen eine Internetseite braucht, ist das heute kein Thema mehr.


Seit über 10 Jahren gibt es Ihre Beratung nun bereits. Was hat sich bei den Kleinunternehmen und Beratungsthemen in dieser Zeit geändert?

Geändert hat sich eindeutig der Umgang mit Computern und Technik. Waren vor 10 Jahren viele Handwerker skeptisch, ob ihr Unternehmen eine Internetseite braucht, ist das heute kein Thema mehr. Wie selbstverständlich wird heute mit Warenwirtschaftsprogrammen oder Tabellenkalkulationen gearbeitet. Heute sind die Digitalisierung von papiergebundenen Prozessen, die Zusammenarbeit über moderne Kommunikationsmittel, die Vernetzung von einzelnen Softwarepaketen oder die Erschließung von neuen (digitalen) Geschäftsmodellen die beherrschenden Themen.

Der Online-Handel war für viele kleine Betriebe Existenzbedrohung und Chance zugleich.

Aber manche betrieblichen Herausforderungen sind und bleiben Dauerbrenner. Das Betriebsklima, der Führungsstil, die Ordnung in der Werkstatt, das Materiallager mit hohen Beständen oder das schleppende Forderungsmanagement, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Corona ist auch am Consulting nicht spurlos vorbeigegangen. Wie sollte sich eine Beratung in Pandemie Zeiten aufstellen? 

Ich denke, für die Beratungsbranche gelten dieselben Grundsätze, wie für alle anderen auch.

  • Kümmere Dich um Deine Mitarbeiter! Sorge dafür, dass Sie möglichst keine Ängste um Ihren Job in der Krise und damit um Ihre Existenz haben müssen. Wenn die Auslastung niedriger sein sollte, dann nutze die Zeit für interne Verbesserungen oder für Wartungsarbeiten, statt für Kurzarbeit. Halte zu Deinen Mitarbeitern regelmäßig Kontakt. Wenn der Kontakt persönlich nicht möglich ist, dann virtuell am Telefon oder in einer Videokonferenz. Nimm Dir die Zeit im Telefonat oder in der Videokonferenz, für Gespräche und soziale Interaktion außerhalb des reinen Business.
  • Richte einen Geschäftsbetrieb ein, der robust ist! Wenn die Mitarbeiter an Desktop-Rechnern in Deinen Geschäftsräumen sitzen müssen, wird es bei einem Lockdown natürlich schwer. Wenn Du ein Arbeitsumfeld geschaffen hast, indem schon vor der Pandemie Home-Office kein Problem war, hilft das in Krisenzeiten. Wenn Deine Prozesse sauber dokumentiert sind und eine gegenseitige Vertretung und Hilfestellung möglich ist, dann sind Krankheitsfälle oder Quarantäne unschön, aber für das Unternehmen nicht existenzbedrohend.
  • Hilf Deinen Kunden durch die Krise, indem Du die beiden erstgenannten Punkte nicht nur in Deinen eigenen Unternehmen lebst, sondern bei Deinen Kunden implementierst.

Unverständliche Bücher sind im Bereich der Betriebswirtschaftslehre genügend geschrieben worden.


Ihre Webseite Axel-Schroeder.de zählt monatlich über 30.000 Besucher. Inwieweit gehört Sichtbarkeit im Internet für eine People Branche wie Consulting heute zur Pflichtaufgabe?

Sichtbarkeit ist sicher gut für das eigene Branding und unterstützt die Neukundengewinnung. Sichtbarkeit kann man sich aber auch erkaufen, indem man Werbebanner bucht oder Fernsehspots sendet.

Aber ganz ehrlich, uns geht es nicht um die Sichtbarkeit per se, sondern darum, unternehmerisches Know-How zu verbreiten. Die Inhaber von kleinen Betrieben sollen die Chance haben, sich zu Themen der Betriebsführung zu informieren und eine eigene Meinung zu bilden. Ohne Werbung, ohne Pay-Wall und in einer verständlichen Sprache mit vielen Beispielen. Unverständliche Bücher sind im Bereich der Betriebswirtschaftslehre genügend geschrieben worden. Wenn jemand über das freie Angebot hinaus individuelle Hilfestellung bei einem betrieblichen Problem benötigt, unterstützen wir natürlich gerne.

Daher freuen wir uns über den Zuspruch und die Akzeptanz durch die Leser.

Angenommen ich gründe heute eine kleine Beratungsboutique. Auf welches Marketing-Werkzeug sollte ich unbedingt setzen?

Das ist schwer zu sagen, weil sich die Zeiten und Rahmenbedingungen, seit ich mein Unternehmen gegründet und an den Markt gebracht habe, stark verändert haben.

Aber vielleicht ist ein allgemeingültiger Ratschlag, seine Unverwechselbarkeit als Unternehmen klar herauszuarbeiten und für diese Unverwechselbarkeit den richtigen Kanal zu finden.

Bei uns war es die Verständlichkeit der Artikel über das Medium Internet, bei einem anderen könnte es z.B. Kreativität über eine Community sein. Wer sich viel mit der Maker-Szene beschäftigt, könnte bei Unternehmen der Gebäudeautomation ein sehr gefragter Berater sein. Wer sich im Bereich der Gastronomie tummelt, wird wieder andere Kanäle und Werkzeuge nutzen.

Ich denke, je klarer und unverwechselbarer das Profil eines Unternehmens ist, desto leichter fällt es den dafür passenden Marketingkanal und ein Marketing-Werkzeug zu finden. Wenn ein Unternehmen beliebig und austauschbar ist, dann sind alle Marketing-Werkzeuge beliebig richtig oder falsch.


Je klarer und unverwechselbarer das Profil eines Unternehmens ist, desto leichter fällt es den dafür passenden Marketingkanal und ein Marketing-Werkzeug zu finden.


Letzte Frage mit Blick in die nahe Zukunft: Welchen Trend erkennen Sie im Consulting?

Ich denke, es gibt gegenläufige Trends. Auf der einen Seite wird die Spezialisierung noch weiter zunehmen. Nicht nur die Spezialisierung in den Themen wie Prozessmanagement oder strategische Positionierung, sondern auch hinsichtlich der Zielgruppe, wie z.B. auf produzierende Betriebe oder dienstleistungsorientierte Betriebe einer bestimmten Größe.

Auf der anderen Seite wachsen verschiedene Disziplinen noch enger zusammen. Da denke ich an die IT-Berufe mit ihren Fähigkeiten, Systeme zu integrieren und Daten bereitzustellen, die eine Prozessoptimierung dringend braucht.

Was aber noch viel mehr im Consulting gefordert sein wird, als es bisher schon war: die Fähigkeit, sich auf die Mitarbeiter des beratenen Unternehmens wirklich einzulassen. Diese Mitarbeiter haben Sorgen und Nöte, wenn es um Veränderungsprozesse geht, aber viel mehr noch, sie haben erstklassige Ideen für Verbesserungen, die man unbedingt aufgreifen sollte.

Prima. Besten Dank für Deine Zeit und die spannenden Antworten. Grüße nach Bayreuth, Christopher

Das Gespräch führte Axel Schröder und Christopher Schulz per E-Mail am 16. September 2020.


Zur Person Axel Schröder

Axel Schröder stammt aus Bayreuth in Nordbayern. Seit seinem Studium mit Abschluss zum Diplom-Kaufmann beschäftigt er sich mit den Themen Prozessmanagement, Strategie und Lean Management für kleine Unternehmen. Seine Mission ist es, unternehmerisches Know-How aus der Industrie für kleine Unternehmen nutzbar zu machen.

Verständlichkeit, Praxisbezug und einfach Umsetzbarkeit sind dabei die Kernelemente für eine erfolgreiche Arbeit mit Handwerksbetrieben. Diese Bestrebungen wurden mit der Auszeichnung „Best of Industriepreis“ im Jahr 2013 gewürdigt.

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