Seit ein paar Wochen lassen wir uns Erfrischungsgetränke von einer bayrischen Regionalbrauerei liefern. Das Kistenschleppen entfällt. Auch sparen wir uns die Zeit für die Fahrten zum Getränkemarkt. Der Geschmack der Brause? Ist gut, aber nicht wirklich besser oder schlechter als jener der vormals selbstbeschafften Getränke. Auch optisch machen die Flaschen weniger her als ihre Pendants im Supermarkt. Aber das ist egal. Einziger Grund für den Wechsel war der Heimbring-Service, für uns ein klarer Mehrwert.

Ein fast identisches Produkt, eingebettet in ein um die Lieferung angereichertes Geschäftsmodell. Manchmal reichen kleine Variationen für den Erfolg aus. Dieser Auffassung ist ebenfalls Oliver Gassmann. Laut seinem Buch Geschäftsmodelle entwickeln* beruhen 90 Prozent aller Geschäftsmodellinnovationen auf Rekombinationen von 55 bekannten Mustern. Klingt spannend? Nachfolgend stelle ich Dir das Werk vor.


Was kann ich lernen?

In Business Model Canvas und Business Model Shutdown hatte ich die wichtige Rolle von Geschäftsmodellen für Wissensarbeiter angesprochen. Ein aus meiner Sicht sehr lesenswerte Buch zu diesem Thema ist das Werk Geschäftsmodelle entwickeln: 55 innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator*. Die drei Autoren Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger und Michaela Csik haben sich in der Wirtschaft umgesehen und 55 Geschäftsmodell-Muster aus Unternehmen extrahiert.

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Die empirischen Muster sind es auch, die das Buch aus meiner Sicht so wertvoll machen.

Beispiel gefällig? Wie wäre es mit dem Schweizer Kaffeesystem Nespresso. Für einen Kilogramm Kaffee bezahlt hier der Verbraucher rund 80 Euro. Und warum? Weil das dahinterstehende Unternehmen Nestlé das System erfolgreich in mehrere Geschäftsmodell-Konzepte eingebettet hat. Gassmann et al. zählen hier das Muster ‚Razer and Blade‚ auf. Das Basisprodukt (die Kaffeemaschine) ist günstig. Geld verdient das Unternehmen mit den Kapseln. Zudem schlägt das Konzept ‚Lock-in‚ zu. Mit einer Nespresso Maschine können nur Nespresso Kapseln zubereitet werden. Schließlich versprühen die Schweizer mit prominenten Testimonials, exklusiven Innenstadtkaffeeboutiquen und wertiger Umverpackung ein Konzept was die Autoren ‚Ultimate Luxury‚ nennen.


Wie liest sich Geschäftsmodelle entwickeln?

Die von den Autoren zu Beginn ausgerufene Zielgruppe des Buches* sind Praktiker. Und so liest sich das Buch auch. Einfach, verständlich und auf den Punkt. In Teil 1 motiviert Kapitel 1 den Leser sich mit Geschäftsmodellen zu beschäftigen. Kapitel 2 erklärt den St. Galler Business Model Navigator, ein Pyramidenmodell welches – ähnlich dem Business Model Canvas – ein Geschäftsmodell in vier Dimensionen (Was, Wer, Wie und Wert) unterteilt. Kapitel 3 erklärt, wie der Navigator angewendet werden kann. Teil 2 widmet sich den 55 Konzepten, angefangen bei A wie ‚Add-on‚ bis W wie ‚White-Label‚. Schließlich enthält der dritte und letzte Teil eine Zusammenfassung, ein Glossar, Literaturhinweise und Informationen über die Autoren.

95 Prozent meiner Lesezeit habe ich mit den 55 Geschäftsmodell-Konzepten zugebracht. Das Motto: jeden Tag ein neues Muster. Gut kombiniert sind Grundlagenfakten zum Konzept, historische Entwicklung sowie aktuelle Beispiele. Das festigt den gelesenen Inhalt.

Sicher, einige Mustern wie ‚Digitalization‚ oder ‚Open Business Model‚ bieten Raum zu Diskussionen. Sind das tatsächlich Business Model Concepts oder schlichtweg technische bzw. organisatorische Entwicklungen? Für mich nicht nachvollziehbar: Warum nutzen die Autoren statt ihres Navigators nicht das bekannte Business Model Canvas von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur? Vielleicht fehlt auch gerade deswegen das Muster ‚Das Rad nicht neu erfinden‚…


Wer steckt hinter dem Werk?


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Autoren der Sammlung aus Business Model Concepts sind die drei Wissenschaftler Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger und Michaela Csik. Prof. Dr. Oliver Gassmann hatte ich 2011 bei einer Konferenz in Zürich erleben dürfen. Ein reger Professor der von St. Gallen aus in den Gebieten Technologie und Innovationsmanagement forscht. Dr. Karolin Frankenberg arbeitet ebenfalls in St. Gallen als Professorin, tummelt sich dort gleichsam in betriebswirtschaftlichen Themen. Last but not least arbeitet Dr. Michaele Csik nach ihrer Zeit in St. Gallen als Innovation Manager in Zürich bei Holcim Technology Ltd.

Alle drei Autoren haben sowohl in der Wirtschaft als auch an Universitäten gearbeitet.


Warum sollte ich gerade dieses Buch lesen?

In Deiner Laufbahn wirst Du verschiedene Unternehmen zu unterschiedlichen Problemen beraten. Diese Firmen eint die Tatsache, dass sie alle ein mehr oder weniger tragfähiges Geschäftsmodell besitzen. Bereits im Rahmen der Akquisephase hilft es Dir, die Grundzüge des Business Models des Kunden zu kennen und Dein Angebot in dieses einzubetten. Auch bei der Projektabwicklung nützt es, die Verbindung der Beratungsarbeit zum Geschäftsmodell des Auftraggebers herzustellen. Das Buch Geschäftsmodelle entwickeln* unterstützt Dich genau dabei – dem Einordnen von Geschäftsmodellen.

Solltest Du, wie Consulting-Kollege Peter Rochel, Kunden zu Geschäftsmodellen beraten, gehört das Buch aus meiner Sicht sowieso zur Pflichtlektüre.

Das Mitte 2017 in seiner zweiten Auflage erschienene Werk umfasst über 400 Seiten und wird vom Carl Hanser Verlag verlegt. Zu meinem Bedauern existiert zum Zeitpunkt der Redaktion dieses Beitrags noch kein Hörbuchfassung. Dafür steht sowohl eine deutsche als auch englische Ausgabe zum Lesen und (noch viel wichtiger) Nachschlagen bereit.

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