Folienkrieg? Bullshitbingo? Das liest sich nach Sarkasmus, (Wett-)Kampf sowie Arbeit für die Management-Mülltonne. Unter anderem wegen dieser beiden Begriffe habe ich lange einen Bogen um das Buch Folienkrieg und Bullshitbingo* von Ewald F. Weiden gemacht. Bis mir ein Kollege den Titel in einer gemeinsamen Mittagspause empfahl. Nach einer Woche Lektüre standen für mich zwei Dinge fest. Erstens: wie Namen sind auch Buchtitel manchmal nur Schall und Rauch. Zweitens: Weidens Werk ist ein Lesetipp, speziell wenn Du ein angestellter Berater bist. Aber lass uns nicht lange drumrumreden, sondern in die Einzelheiten gehen.


Was kann ich lernen?

Ewalds F. Weidens Buch Folienkrieg und Bullshitbingo: Handbuch für Unternehmensberater, Opfer und Angehörige* ist, was es auf dem Cover angibt: in allererster Linie ein Handbuch. Und zwar eines voranging für Unternehmensberater, noch genauer angestellte Unternehmensberater bzw. solche die es demnächst werden wollen.

Auf 240 Seiten widmet sich der Autor dem Beraterleben in allen Facetten, angefangen bei der Geschichte des Consultings und dem Einstieg, über die Werte und Hierarchien bis hin zu Dienstreisen und dem Projektalltag. Weiden spart nicht mit Hintergrundinfos, Details, Praxistipps und Fachbegriffen. Hier schreibt einer Klartext, redet offen über das Leben hinter den Kulissen von Berater-Durchstartern und Consulting High Potentials.

Anders als andere Beraterliteratur geht Ewald F. Weiden dabei sehr stark auf den Consulting Alltag ein. Die Zeitschriftenvorlieben von Beratern werden ebenso diskutiert wie die Laptopmodelle oder die Bonusprogramme hiesiger Hotel- und Luftfahrtunternehmen.

Erwarte nicht, dass Du detaillierte Tipps zur Bewerbung & Einstieg, der methodischen Projektumsetzung oder der Akquise von Neukunden erhältst. Weiden beschreibt vielmehr die Rolle des abarbeitenden Beraters der möglichst schnell und effizient in der Organisationspyramide nach oben klettern möchte. Viele Themen – Management Summary, Selbstreflexion, Angebotserstellung,…. – werden touchiert, nicht jedoch vertieft.


Wie liest sich Folienkrieg und Bullshitbingo?

Keine Frage: in seinem Buch glänzt Ewald F. Weiden in mindestens zwei Disziplinen:

  1. Der Unternehmensberatung – Das 240-Seiten starke Buch enthält geballtes erste Hand Knowhow von einem Berater für Berater.
  2. Dem Schreiben – Weiden versteht es exzellent mit Worten Sätze zu formen, diese zu Absätzen zu verdichten und schließlich zu Kapitel zu veredeln.

Einen handwirklich besseren und reflektierteren Text könnte ich auch nicht produzieren. Die sechs Kapitel lesen sich absolut flüssig. Abwechslungsreich und auflockernd gestalten sich die eingestreuten Praxisbeispiele. Ein Berater berichtet von seiner Karrierestufe und seinem Blickwinkel, wie er mit der eben erklärten Situation im Consulting zurechtkommt.

Ebenfalls unterhaltsam sind die im Buch verteilten Textabschnitte „Wenn Sie Berater kennen“. Diese geben Angehörigen Hinweise, wie sie ein bestimmtes Beraterverhaltensmuster interpretieren und auf dieses reagieren können. Natürlich steckt dahinter auch ein kleinwenig Berechnung. Mit diesen Absätzen an „Opfer und Angehörige“ möchte Ewald F. Weiden sein Buch für eine Zielgruppe außerhalb der Consultant Riege öffnen.

Störend in Weidens Text sind aus meiner Sicht der leichte Zynismus gepaart mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ein kleines Beispiel: am Buchende hebt der Autor stark auf die mit Consulting verbundene Überarbeitung, dem anschließenden Herzinfarkt und dem resultierenden Burn-out ab. Vielleicht mag diese Kette für die großen Strategieberatungen gelten. Ich interagiere (bzw. interviewte hier im Blog) aber mit genügend Unternehmensberatern, die nicht permanent 16 Stunden Tage schieben, 50 Prozent ihres Jahres in Hotels leben bzw. stolz auf Ihre angesammelten Reisemeilen sind. Von der Unternehmenskultur in Top-5 Consultancies auf alle 16.000 in Deutschland ansässigen Beratungen zu schließen ist mir dann doch etwas zu pauschal.

Hier wünsche ich mir etwas Neugier von Herrn Weiden, auch andere Consultants (Change Coaches, selbstständige Berater, Trainer, etc.) nach ihrer Sicht auf die Dinge zu fragen.


Wer steckt hinter dem Werk?


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Wer steckt nun hinter Folienkrieg und Bullshitbingo*?

Auf dem hellblauen Cover des Buches prangt jedenfalls der Name Ewald F. Weiden. Laut den kurzgefassten Angaben im Buch und der Autorenbeschreibung auf Amazon handelt es sich bei Herrn Weiden um einen studierten Betriebswirt und promovierten Kommunikationswissenschaftler. Mindestens 10 Jahre Consulting gehen auf sein Konto, unter anderem bei einer weltweit führenden Strategieberatung. Weiden rühmt sich, in nur einem Jahr insgesamt 18 Hauptstädte im Name seiner Klienten bereist zu haben. Das liest sich aus meiner Sicht nur solange beeindruckend, wie Du nicht an die Klimabilanz der zahlreichen Dienstfahrten, den vielen Reisestress oder den langen Stunden auf Achse denkst.

Außerdem erfährst Du ganz hinten im Büchlein, das Ewald F. Weiden heute in Berlin lebt und sein eigenes kleines Beratungsunternehmen als Partner leitet. Der Autor führt auch einen Blog, dem ein Impressum oder eine Über-Mich-Seite fehlen.

Dann ist Schluss. Weitere Details zum Autor konnte ich auch nach längere Web-Recherche nicht zu Tage fördern. Falls Du einen Tipp zur Person Weiden hast, hinterlasse einfach eine Nachricht.


Warum sollte gerade ich das Buch lesen?

Folienkrieg und Bullshitbingo* ist für Dich ein Lesetipp, falls Du…

  1. mehr über das Leben von angestellten (Management-)Beratern wissen möchtest oder
  2. mit einer Karriere im (Top-Management) Consulting im Anschluss Deiner Hochschulausbildung liebäugelst.

Ewalds F. Weidens Feldbeschreibungen erklären das Leben an der Beraterfront unterhaltsam und informativ. Der Autor fokussiert sich auf den Einzelberater, der den Projektwahnsinn überstehen, die Mechanik einer Beratung verstehen sowie die Karriereleiter sicher und effizient emporklimmen möchte.

Das Buch ist 2011 im Piper Verlag erschienen. Die eBook Ausgabe wurde letztmalig im Juni 2014 überarbeitet. Für einen Zehner bist Du sowohl bei der gedruckten als auch der elektronischen Fassung dabei.

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Zuletzt aktualisiert:

    2 replies to "Folienkrieg und Bullshitbingo – ein Erfahrungsbericht für angestellte Unternehmensberater"

    • Ewald F. Weiden

      https://ewaldfweiden.tumblr.com/post/188881285889/oha

      Oha!
      Jemand hat rezensiert! Unter https://www.consulting-life.de/folienkrieg-und-bullshitbingo-ein-erfahrungsbericht-fuer-angestellte-unternehmensberater/…. Danke für die Blumen!

      Freut mich, wenn mein Werk Freude macht.

      Den Punkt mit “Es gibt auch andere Berater als McK und BCG, die keine 16h-Tage schieben” kann ich mittlerweile nachvollziehen. Und, ja, ich bin sogar wieder zurück im Beraterbusiness. Allerdings mittlerweile mit Themen, die mich wirklich interessieren und die ich wirklich sinnvoll finde.

      Das Greta-Shaming über die Reisebilanz hat auch eingesetzt. Seit längerem nur noch Bahn, Hybrid oder Wasserstoffauto.

      Ein Impressum ist bei Tumblr übrigens gar nicht vorgesehen, sofern der Blog vorwiegend privaten und nicht gewerblichen Zwecken dient (was mein Blog tut). Und eine “Über mich” Seite, die mehr verrät als der Klappentext, verbietet der Schutz des Pseudonyms 🙂

      Liebe Grüße,
      EFW

      • Dr. Christopher Schulz

        Hallo Ewald
        danke. Bei Interesse an einem Interview zum Buch, einfach melden. Ein Gespräch mit einem großen unbekannten Berater – spannend.

        Beste Grüße, Christopher

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