Brainstorming? Kenne ich! Wirklich? Wann lief eine Brainstorming Einheit einmal so richtig gut? Und wann winkten die Teilnehmer mit der Begründung ab, dass die Kreativtechnik bei ihnen gar nicht funktioniert? Brainstorming kann eine echte Ideenmaschine werden, wenn die Regeln klar sind und die Stolpersteine umgangen werden. Im Beitrag gehe ich auf beides ein. Zudem erhältst Du eine Checkliste für die perfekte Brainstorming Sitzung.


Überblick

Ergebnis: Lösungsansätze und Ideen für eine definierte Frage

Teilnehmer: Mind. 1 Person (Solo) oder Personen aus (möglichst verschiedenen) Bereichen

Dauer: 10-30 Minuten

Utensilien: Whiteboard/Flipchart/Metaplan-Wand, Stifte und Klebezettel

Zweck

Mit einem Brainstorming möchtest Du und Deine Kollegen möglichst viele (und teilweise auch ausgefallene) Antworten auf eine Fragestellung finden. Diese Ideen können dann in späteren Arbeitsphasen aufgegriffen werden. Darüber hinaus lässt sich die Methode auch zum Zwecke kreativer Auflockerung heranziehen, ohne dass dabei ein dauerhaftes Ergebnis entstehen muss.


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Dem US-amerikanischen Autor und Werbefachmann Alex F. Osborn wird nachgesagt, die Methode erfunden zu haben. Das war im Jahr 1939. Charles Hutchison Clark griff die Technik später auf, verpasste ihr ihren heuten noch gebräuchlichen Namen und hielt sie in seinem 1958 publizierten Standardwerk fest. Ursprünglich kommt der Begriff ‚Brainstorming‘ übrigens von „using the brain to storm a problem“. Im Deutschen kannst Du diese Wortgruppe etwa mit „das Gehirn zum Sturm auf ein Problem einsetzen“ übersetzen.


Aufbau

Brainstorming eignet sich für solche Fragestellungen, die auf rein verbaler Ebene diskutiert werden können und keine Visualisierungen, Modelle oder Diagramme benötigen.

An einer Brainstorming Runde nehmen im Optimum zwischen 5 bis 7 Personen teil. Falls möglich stammen diese Akteure aus verschiedenen Bereichen, nähern sich der Frage damit von einer verschiedenen Perspektive. Die Sitzung sollte 30 Minuten nicht übersteigen. Meist qualmen sowieso bereits nach einer Viertelstunde die Köpfe und es fällt schwer neue Ideen zu generieren.

Falls möglich gilt es die während einer Session entstehenden Ideen zu visualisieren. Dazu kannst Du ein Flipchart, Whiteboard, Pinnwände, Metaplan-Wand oder auch Klebezetteln einsetzen. Der Vorteil: Neue zu Papier gebrachte Ideen können auf bereits genannten und visualisierten Ideen aufbauen bzw. mit diesen kombiniert werden.


Anwendung

Eine klassische Brainstorming-Runde, oft einfach nur Brainstorming genannt, untergliedert sich in vier Phasen. Bist Du der Moderator, dann achtest Du auf die Einhaltung des folgenden Ablaufs.

  • 1

    Sitzung vorbereiten

    Informiere die Brainstorming Teilnehmer im Vorfeld über die zu diskutierende Frage. Achte darauf, dass dieses klar und eindeutig formuliert ist und von jedem Anwesenden identisch interpretiert wird. Gebe den Gruppenmitgliedern ebenfalls den genauen Ablauf, die Regeln sowie die Rahmenbedingungen mit.
    Als Moderator musst Du nicht unbedingt der Protokollant sein. Alternativ ernennst Du einen Kollegen als Schreiberling bzw. bittest die Teilnehmer ihre Antworten auf Karten zu fixieren. Da die Zeit während einer Brainstorming Einheit meist im Flug vergeht, solltest Du ebenfalls einen Zeitnehmer festlegen.

  • 2

    Ideen finden

    Jetzt heißt es der Kreativität freien Lauf zu lassen. Bitte die Teilnehmer ihre spontanen Ideen zu einer Fragestellung zu notieren. Alle Antworten heftest Du gut sichtbar an. Das erleichtert die Weiterentwicklung und Kombination zu neuen Ideen. Bewertungen, Kritik und Beurteilungen gehören nicht in diese Phase. Erinnere die Teilnehmer daran, falls diese Kommentare zu getroffenen Aussagen machen. Achte darauf, dass sich die Teilnehmer nicht vorschnell in ein Einzelthema verrennen. Lenke das Thema mit vorbereitenden Fragen in eine Gegenrichtung.
    Meist verlangsamt sich die Ausbringungsrate von neuen Ideen nach 15 Minuten erheblich. Revitalisiere die kollektive Denkmaschine indem Du vorbereitete Fragen stellst. Gehe auch auf die leisen und zurückhaltenden Personen ein. In jedem Fall geht Quantität vor Qualität.

  • 3

    Ideen bewerten

    Bevor es in die letzte Phase geht, legen Du und die Teilnehmer am besten eine kurze Pause ein. Anschließend trennt ihr die Spreu vom Weizen. Dazu liest Du als Moderator alle Ideen vor. Gemeinsam sortiert und bewertet diese, beispielsweise auf Basis der Ideenbewertung. Häufig werden Ideen mehrmals unter verschiedenen Namen geäußert und können konsolidiert werden. Wichtig ist hier, dass Du die Zeit nicht aus dem Blick verlierst. Zu schnell beißt man sich an einer Idee fest.

  • 4

    Folgeschritte planen

    Konkrete Erkenntnisse? Nächste Folgeaktivitäten? Verteilte Aufgaben? Fehlanzeige! Was nützen die tollsten Ideen, wenn danach nichts passiert? Fixiere daher am Ende der Brainstorming Session die Beschlüsse und Folgetätigkeiten, gerne mit Hilfe der KJ Methode, des QHAR Prinzips und einer Aufgabenliste.


Beispiele

Im Consulting ist Brainstorming für das Abstecken eines Beratungsprojektes im Vorfeld eines Projekt-Kick-Offs oder einer Problem-Ziel-Beschreibung interessant. Auch für das Andiskutieren von Lösungsansätzen eignet sich die Technik. Namens- und Zielefindung lassen sich ebenfalls sich gut mit einem Brainstorming bewerkstelligen.


Vor- & Nachteile

Pro

  • Brainstorming lebt von der kreativen Energie einer Gruppe. Die Ideen der Teilnehmer regen sich gegenseitig an, rigide und festgefahrene Situationen werden durchbrochen.
  • Bereits einigen Minuten reichen aus, um eine große Menge an frischen Impulsen und Denkangebote zu erzeugen. Diese helfen die Fragestellung aus einem anderen Blickwinkel zu beleuchten.

Contra

  • Ein Brainstorming erzeugt nur Ideen, die mit Techniken wie der KJ Methode, der Ideenbewertung, dem QHAR Prinzip oder dem Klassendiagramm in Workshops weiterverarbeitet werden müssen.
  • Nach einigen Sitzungen bei unterschiedlichen Kunden wirst Du feststellen, dass die Brainstorming Ergebnisse sehr stark von den Teilnehmern abhängen.
  • Gerade bei politisch diffizilen Organisationen oder bei einem großen Hierarchiegefälle sorgen gruppendynamische Effekte dafür, dass die kreative Ausbeute leider sehr mager ausfällt. Als verantwortlicher Moderator solltest Du hier mit kleinen Gruppen zusammenarbeiten und Dich der positiven Arbeitsatmosphäre, statt dem Generieren von Ideen, widmen
  • Zurückhaltende und introvertierte Personen kommen in einer Brainstorming Sitzung seltener zum Zug als extrovertierte Dampfplauderer.
  • Weitere Nachteile und geeignete Gegenmaßnahmen findest Du im Beitrag Typische Brainstorming-Fehler – und wie Du diese vermeiden kannst.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Von der ersten Idee Abstand nehmen

    Sei bereit, während der Bewertungsphase von Deiner (initial großartigen) Idee Abstand zu nehmen. Speziell falls die Teilnehmer stichhaltige Argumente vorbringen können. „Kill your Baby“ liest sich brachial, trifft aber den Kern.

  • Tipp 2 - Feste Zielgröße für Sitzung definieren

    Konntest Du bereits Erfahrungen mit einem spezifischen Brainstorming Thema sammeln und weißt somit wie umfangreich der Pool von Ideen etwa ausfallen wird, solltest Du für eine neue Runde eine feste Zielgröße für die Gruppenmitglieder ausrufen. Diese haben dann ein motivierendes festes Ziel vor Augen nachdem sie sich ausrichten können. Auch falls die Ideen dann nicht so großartig waren, war die Gruppe wenigstens in der Disziplin Quantität erfolgreich.

  • Tipp 3 - Vorbereitet und unvoreingenommen starten

    Vorbereitung zahlt sich aus – auch beim Brainstorming. Begehe jedoch nicht den Fehler, vor Sitzungsbeginn bereits die richtige Antwort bzw. optimale Lösung zu kennen. Offenheit und die Bereitschaft Dinge einmal ganz anders zu betrachten sind der Schlüssel zu innovativen Ideen.

  • Tipp 4 - Sitzung kurz und knapp halten

    Wie sabotiert man eine Brainstorming-Sitzung? Ganz einfach. Indem diese einfach zu lange andauert. In Brainstormings mit Überlänge beginnen die Teilnehmer die Ideen zu zerreden. Der Zauber des genialen Einfalls verliert sich in Wortgeschwafel. Als Moderator legst Du die Treffen kurz und konzentriert aus.

  • Tipp 5 - Frage bewusst invertieren

    Häufig verstellen Vielschichtigkeit und Betriebsblindheit den Blick auf gute Ideen. Formuliere einen Sachverhalt daher einmal um mit Fokus auf die Risiken, Herausforderungen und Schwierigkeiten. Also statt „Wie können wir unsere Sichtbarkeit für das Beratungsthema XY bei süddeutschen Maschinenbauern erweitern?“ diskutieren Du und Deine Kollegen das Gegenteil.

    Dieses sogenannte Brainstorming Paradox fördert eine alternative Herangehensweise und sorgt für ganz neue Perspektiven. Gerade wenn die Lösungsfindung ins Stocken gerät, sorgt die Verkehrung des Themas für frischen Wind in den Diskussionen.

  • Tipp 6 - Mit Teilfragen für mehr Ideen sorgen

    Deine Brainstorming Sitzung ist festgefahren? Der vormals breite Ideenfluss ist ausgetrocknet? Verlängere die Kreativphase, indem Du anregst, um die zentrale Frage weitere Teilfragen zu entwickeln. Dies fördert oft neue Perspektiven und überraschende Erkenntnisse. Brainstorming Profis sprechen hier von der Technik des ‚Question Burst‘ bzw. ‚Fragenschwall‘.

    Alternativ bittest Du die Teilnehmer, die notierten Ideen in Gruppen zu sortieren. Die KJ Methode sorgt ebenfalls für einen längeren Kreativatem.

  • Lesetipp

    Andrea Windolph und Alexander Blumenau befassen sich in ihrem Buch Brainstorming: Alles, was du für ein perfektes Brainstorming wissen musst* in 42 Fragen mit dem Thema Brainstorming. Auf 120 Seiten findest Du hier fast alles zur populären Kreativmethode.


Zusammenfassung

Ob ad-hoc mit dem Beraterkollegen oder organisiert mit den Kundenmitarbeitern: Ein Brainstorming sorgt für frischen Wind im Gedankengebäude. Als erfolgreicher Berater kennst Du den grundlegenden Aufbau und das Vorgehen einer Brainstorming Runde, sowohl in der Rolle des Teilnehmers als auch in der eines Moderators.


Bonusmaterial

Sprouts: Brainstorming Techniques to Create New Innovative Ideas – der englischsprachige 5-Minuten Clip fasst die Technik zusammen

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