Zunächst die gute Nachricht: Stand 2017 gibt es in Deutschland mehr als 19.000 Unternehmensberatungen mit über 118.000 sozialversicherungspflichtigen Consultants. Der Beschäftigungsmarkt ist also groß. Nun zur schlechten: Unternehmensberater zu werden ist nicht ganz einfach. Die Anforderungen an einen herausfordernden und gut bezahlten Job liegen hoch.

Falls Consulting zu Deinem Traumberuf zählt, dann ist dieser Beitrag genau das richtige für Dich. Ich erkläre Dir, welche Grundvoraussetzungen Du als angehender Consultant erfüllen solltest und auf welchen alternativen Wegen Du Unternehmensberater werden kannst.


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Unternehmensberater werden – ein herausforderndes Unterfangen

Fakt ist: In Deutschland kann sich jeder Unternehmensberater nennen. Dein Bäcker, Dein Pizza-Dienst, Dein Friseur.

Die Berufsbezeichnung des Unternehmensberaters unterliegt in der Bundesrepublik keinem öffentlichen Schutz. Es existiert auch weder ein vorgeschriebener Bildungsweg noch eine staatliche Prüfung, die Dich formal als Unternehmensberater auszeichnet.

Losgelöst dieser beiden Tatsachen ist es nicht einfach Consultant zu werden. Die Messlatte für Bewerber – insbesondere bei den bekannten Top-Beratungsfirmen – liegt hoch. Worin die Voraussetzungen an bewerbende Consultants liegen und was Du aktiv tun kannst, um ein Unternehmensberater zu werden, zeige ich Dir nachfolgend.


Die Voraussetzungen an angehende Unternehmensberater

Seit 2008 im Consulting Business, haben sich für mich mehrere Anforderungen an einen angehenden Unternehmensberater herauskristallisiert. Als Consulting-Aspirant solltest Du wichtigsten dieser Voraussetzungen kennen. Unternehmensberatungen legen diese Anforderungen häufig als sogenannte Hygienefaktoren an. Der bewerbende Kandidat muss diese zwingend erfüllen, ein Garant für den begehrten Job sind sie aber nicht.

Voraussetzung #1: Abgeschlossenes Studium

Mehr als 90 Prozent der aktuell beschäftigten Unternehmensberater haben ein Studiumsabschluss in der Tasche. Für eine Bewerbung als Consultant solltest Du daher an einer Fachhochschule bzw. Universität studiert haben.

Voraussetzung #2: Hervorragende Abschlussnoten

Exzellente Uni-Noten sind nicht alles. Jedoch zeugen sie von Deinem Fleiß, Deiner Disziplin und Deinem Fachwissen. Falls Du einen Beraterjob anstrebst, solltest Du Wert auf einen guten Abschluss legen.

Voraussetzung #3: Betriebswirtschaftliche Affinität

Ist Wirtschaft Dein Ding? Falls Du Betriebswirtschaftslehre (BWL), ökonomische Zusammenhänge und Unternehmensentwicklungen magst, ist die Consulting Branche das Richtige für Dich. Ein Abschluss in einem Wirtschaftsfach ist aber nicht zwingend. Zunehmend setzen Beratungen gerne auf Nicht-BWLer, sogenannte Exoten.

Voraussetzung #4: Fundierte Sprachkenntnisse

Die Welt ist flach* schrieb schon Thomas L. Friedmann in seinem gleichnamigen Buch. Will heißen: Unternehmen denken und handeln global. Als kandidierender Berater solltest Du über solide Deutsch- und Englischkenntnisse verfügen. In Wort und Schrift. Auslandsstudien oder -praktiken belegen Deine Sprachkenntnisse.

Voraussetzung #5: Hohe Belastbarkeit

Unternehmensberater und ein Nine-to-Five Job? Das passt zusammen wie die Krawatte zum Jogging-Anzug. Dienstreisen, lange Büroabende und Auslandseinsätze fordern Dich physisch wie auch psychisch. Diesen Lebensstil musst Du wollen.

Voraussetzung #6: Ausgeprägter Veränderungswille

Consultants werden oft auch Agenten der Veränderungen, oder Englisch – Agent of Change -, genannt. Sie treiben den Wandel im Unternehmen voran, in den Prozessen, IT-Systemen und Köpfen der Personen. Als Interessent für eine Beraterposition solltest Du Veränderungen lieben und Dinge vorantreiben wollen.

Voraussetzung #7: Nachgewiesene Hard- & Soft Skills

Problemlösung, Kommunikation und Management sind die drei Hauptaufgaben eines Beraters. In allen drei Disziplinen solltest Du belegbare soziale, methodische und fachliche Kenntnisse besitzen, wenn möglich auch über praktische Erfahrungen, verfügen.


Alle Anforderungen an angehende Consultants findest Du im Beitrag
Der makellose Consultant – Anforderungen an einen Unternehmensberater.


10 erprobte Wege zum Beraterjob

Keiner wird zum Unternehmensberater geboren. Vielmehr existieren unterschiedliche Entwicklungslaufbahnen, um diesen Beruf zu ergreifen. Nach meinen Erfahrungen gibt es ihn nicht, den einen goldenen Königspfad. Im Gegenteil. Es existieren eine Vielzahl alternative Wege zum Consulting Job. Diese verlaufen nicht parallel, sondern können miteinander kombiniert werden.

Nachfolgend zehn praxistaugliche Wege, wie Du Unternehmensberater werden kannst.

Weg #1: Fachliteratur lesen

Auch der erfolgreichste Unternehmensberater hat einmal klein angefangen. Wenn Du Glück hast, hat er seine Erkenntnisse und Erfahrungen in einem Buch festgehalten. Profitiere von diesem Wissen und bilde Dich fort. Regelmäßig stelle ich in meinem Newsletter einen Lesetipp für Consultants vor. Auch auf meinem Blog und in meinen Büchern findest Du wertvollen Input für angehende Unternehmensberater.

Weg #2: Studienfach wählen

Bereits Dein Studienfach stellt die Weichen in Richtung Unternehmensberatung. Studierst Du etwa BWL oder Wirtschaftsinformatik, erhöht das Deine Chancen auf einen Beraterposten ungemein. Im Studienfach kannst Du über Deine Schwerpunkte steuern (IT, Geschäftsprozesse, Organisation, etc.), für welchen Beratungszweig Du Dich später empfiehlst (siehe Leser.Fragen – Was kann ich bereits während meines Studiums für die Beraterkarriere tun?).

Weg #3: Praktikum absolvieren

Ob als Nebenjob oder in der vorlesungsfreien Zeit: das klassische Praktikum und werkstudentische Tätigkeiten eigenen sich prima um erste Beraterluft zu schnuppern. Ganz nebenbei vergrößerst Du Dein Netzwerk zu potentiellen Arbeitgebern. In meinem Unternehmen beschäftigen wir mehrere Werkstudenten, die uns unterstützen, lernen und später regelmäßig als Festangestellter übernommen werden.

Weg #4: Beraterqualifikation erwerben

Die Fachhochschule-Ludwighafen hat es, die Universität Oldenburg auch: einen Masterstudiengang zum Unternehmensberater. Alternativ bietet das Institut der Unternehmensberater (IdU) die Personenzertifizierung Certified Management Consultant (CMC) für Unternehmensberater (UB) und Sanierungsberater (SAN) an. Gegen eine (wiederkehrende) Ausbildungsgebühr und persönlichen Zeiteinsatz kann das Beraterhandwerk von der Pike auf erlernt und in der Praxis verprobt werden.

Weg #5: Karrieremesse besuchen

Berufs- & Absolventenmessen bieten Dir eine exzellente Möglichkeit in kurzer Zeit und auf engem Raum einen persönlichen Einblick in mehrere Beratungshäuser zu erhalten. In der Vergangenheit habe ich bei mehreren Messen meinen Arbeitgeber repräsentiert und kann Dir die Veranstaltungen als Jobsuchender sehr ans Herz legen.

Weg #6: Studentisch beraten

Gerade an Universitäten mit wirtschaftsnahen Lehrstühlen triffst Du auf sie: die studentische Beratungen. Bereits während Deiner Ausbildungsphase kannst Du Dir hier die ersten Consulting-Sporen verdienen, das methodische Handwerk erlernen und mit Wirtschaftsunternehmen Kontakte knüpfen.

Weg #7: Vitamin B nutzen

Kennst Du Unternehmensberater aus Deinem Freundes- und Bekanntenkreis? Nein? Dann solltest Du schleunigst beginnen, Dir ein Kontaktnetzwerk aufzubauen. So lernst Du, was diese Sorte Menschen treibt und wie sie ticken. Meinen Job als Münchner Berater, habe ich auf diese Weise finden können.

Weg #8: An Consulting-Events teilnehmen

Beratungsfirmen buhlen um die besten Köpfe und veranstalten dazu sogenannte Consulting Events. Das sind Workshops in welchen Kandidat und Arbeitgeber gemeinsam an Consulting-Cases arbeiten. Ich habe drei solcher Veranstaltungen absolviert und kann diese weiterempfehlen. Auch war ich 2018 Schirmherr in Ingolstadt auf dem Consulting Cup.

Weg #9: Bewerbungen einreichen

Wie jedes andere Unternehmen schreiben auch Beratungsfirmen ihre offenen Stellen aus. Ob nun auf Job-Portalen (StepStone, experteer.de, Monster.de, etc.), sozialen Netzwerken (z.B. Xing, LinkedIn) oder über Personalvermittler: besonders in wirtschaftlich rosigen Zeiten solltest Du mit der Bewerbungen Dein Ziel erreichen.

Weg #10: Unternehmensberatung gründen

Warum unbedingt als angestellter Consultant bei einer der 19.000 Beratungen Deutschlands arbeiten? Unternehmensberater werden kann man auch durch das Gründen einer eigenen Consulting Firma. Tipps wie das geht gibt’s im Web, z.B. hier.


Wie bist Du Unternehmensberater geworden?

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Fazit

Es gibt viele Wege wie Du ein Unternehmensberater werden kannst. Direkt nach dem Studium, als Quereinsteiger oder später in Form der eigenen Beratung – der Zeitpunkt und die Möglichkeiten sind vielfältig. Steht für Dich das Ziel „Unternehmensberater werden“ solltest Du überprüfen, ob Du die Basisanforderungen erfüllst. Anschließend heißt es, sich auf einen oder mehrere der vorgestellten Wege zu machen. Das kostet Zeit und Energie, ohne Frage. Aber nur auf diese Weise wird aus Deinem Traum letztendlich ein spannender, abwechslungsreicher und gut bezahlten Beruf.


Bonusmaterial

Thorsten Schmidt: Wie werde ich Unternehmensberater bei einer großen Business Consulting? – Ehrliche Einsichten in das Berufsbilds eines Unternehmensberaters


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    6 replies to "Unternehmensberater werden – 10 Wege zum Consulting Job"

    • Andreas Stecker

      Ich kann dem zustimmen was Sie gesagt haben. Soft Skills sind notwendig für eine gute Beratung. Als Firmeninhaber finde ich, dass Unternehmensberatung für gute Firmenleitung notwendig ist. Danke für den Artikel!

      • Dr. Christopher Schulz

        Hallo Andreas,
        herzlichen Dank für Ihr Feedback. Es ist der Mix aus methodischen, fachlichen und soziale Kompetenzen die einen Top-Berater auszeichnen. Beste Grüße, Christopher

    • Luise Mikamann

      Ich muss mein Sohn so bald wie möglich schreiben! Er ist auf der Uni und er sucht nach ein Consulting-Job! Danke für den Tipp.

    • Nicci Müller

      Informativer Artikel für den direkten Einstig Uni -> Consulting.
      Welche Alternativmöglichkeit ich jedoch bei vielen Artikeln dieser Art (schmerzlich) vermisse, ist, der Einstieg über den (Um-)Weg der vorherigen Arbeit in Wirtschaft/ Industrie/ F&E/ Public.

      Bevor mich eine Unternehmensberatung angesprochen hat, habe ich fast eine Dekade in der freien Wirtschaft, oft auf Schnittstellenpositionen, gearbeitet. Retrospektive war das (für mich) goldrichtig. Meine in dieser Zeit aufgebaute Expertise sowie gesammelten Erfahrungen aus den verschiedenen Industrien & Abteilungen, ist in meiner Tätigkeit als Prozessberater mein USP. Neben dem Berater, bin ich vorallem auch Mediator zwischen den operativen Ebenen, als auch der Operativen und dem Management. Die verschiedenen berechtigten Sichtweisen / Bedürfnisse / Herausforderungen (Hierarchieebenen & Abteilungen) können entsprechend berücksichtigt, und zu einer optimalen Lösung/ Vorgehen „verarbeitet“ werden.

      Neben nachhaltigen Prozessoptimierungen beim Kunden, werden so auch das interne Verständnis der Mitarbeiter füreinander verbessert, gleichzeitig aber auch die Akzeptanz geschaffen für manchmal unangenehme, aber dringend notwendige Veränderungen im Unternehmen. Unabdingbar für den Aufbau von nachhaltigen Partnerschaften mit den Kunden, eine exzellente Reputation sowie eine herausfordernde, persönlich aber erfüllende, weil sinnvolle Arbeit.

      Ich begegne vielen potenziell guten, aber immer hochmotivierten, sehr jungen Beratern; gern auch aus den üblichen Top5. Ein Eindruck der sich regelmäßig bestätigt, es fehlt neben der altersbedingten Lebenserfahrung, eben auch die Fähigkeit die vielseitigen Herausforderungen des Kunden, aus „echter“ Praxiserfahrung beurteilen zu können sowie aus Sicht der interdependenten Abteilungen/Mitarbeiter/Industrien. Bedingt durch Alter und mangelnder Lebens-& Branchenerfahrung, werden junge Direkteinsteiger, nachvollziehbarerweise, wenig bis gar nicht ernst genommen. Dies trägt maßgeblich zum allgemein vorherrschenden negativen Beraterruf bei, ist aber auch für die Jungberater selbst äußerst frustrierend.

      Ich empfehle daher jedem der mit diesem Beruf liebäugelt, macht ein Praktikum/ Traineeprogramm bei einer Beratung, geht aber nach der Uni erstmal in die Wirtschaft/ Industrie/ F&E/ Public. Die Beratung läuft nicht weg, ganz im Gegenteil.

      Der spätere Einstieg erfolgt üblicherweise nicht mehr als Junior/Associate, sondern schon höher, und auch die Projektaufgaben sind von Beginn an deutlich anspruchsvoller bzw. man wird sofort in verantwortungsvollere Themen einbezogen. Nicht zuvergessen, der Mehrwert den man den Kunden bietet sowie die Positionierung ggü. den eigenen Kollegen.
      In einer vorwiegend männerlastigen Branche & ebensolchen Kunden, ist die Positionierung gerade für weibliche Aspiranten karriereentscheidend. Leider ist das Geschlecht, gepaart mit einem professionellen Auftreten, vernünftigem Erscheinungsbild und relativ jungem Alter (<40) oftmals immer noch ein Thema; offen oder unterschwellig. Gerade hier war meine Berufserfahrung aus der Linie der entscheidene Wettbewerbsvorteil.

      Trotz vielleicht etwas langatmigem Kommentar, hoffe ich den obigen Artikel für einige sinnvoll ergänzt zu haben, und so, dem einen oder anderen einen Alternativweg in die Beratung aufzuzeigen.

      • Dr. Christopher Schulz

        Hallo Nicci,
        herzlichen Dank für Deinen umfassenden Kommentar. Tatsächlich, auch die Rückrichtung ist eine Option. Daher: erst Industrie-Job/akademische Einstellung, anschließend Unternehmensberater. Eine Altersgrenze gibt es dabei nicht. Ich kenne selbst Berater mit 50+, die zuvor 25 Jahre in der Wirtschaft tätig waren und sich dann selbstständig gemacht haben.

        Besten Dank auch für Deine Hinweise bzgl. Juniorberater. Bereits zu meinem Zivildienstzeiten hieß es unisono „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Nach 4-5 Jahren an der Uni besitzt der Consulting Neuling die theoretischen, jedoch nicht die praktischen Erfahrungen. Die nächste halbe Dekade werden diese aufgebaut. Das schmerzt partiell, aber keiner hat versprochen, dass gute Dinge auch einfach zu erreichen sind.

        Beste Grüße + eine gute Woche,

        Christopher

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