Als UnternehmerStrategieverantwortlicher oder Innovationsprojektleiter bzw. deren Berater bist Du mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Was ist der Unterschied zwischen einer Vision und Mission eines Unternehmens?
  • Sind Leitsätze fester Bestandteil einer Geschäftsstrategie?
  • Wie grenzen sich interne Einflussfaktoren von Geschäftsregeln ab?

Unterstützung findest Du im Business Motivation Model (BMM) der Object Management Group.


Überblick

Ergebnis: einheitliches Verständnis über strategische Grundkonzepte hergestellt

Teilnehmer: mind. 1 Person (Empfehlung: gesamte Strategieteam)

Dauer: rund 10 Minuten für allgemeines Verständnis

Utensilien: Notebook mit Internetzugang

Zweck

Regelmäßig besteht in Strategie- und Innovationsinitiativen zu Beginn Unklarheit in Bezug der eingesetzten Begriffe. Die Projektteilnehmer verwenden ähnlich klingende - dennoch inhaltlich verschiedene Konzepte - synonym. Andersherum unterscheiden dieselben Personen bei zwei identischen - jedoch vom Namen her unterschiedlichen - Sachverhalten. Es herrscht buchstäblich ein Begriffswirrwarr, dass die mit Energie gestartete Initiative ausbremst und das Team demotiviert.

In einer solchen begrifflich verzwickten Situation gibt das Business Motivation Model (kurz BMM) Orientierung. Als Glossar der wichtigsten Fachbegriffe, unterstützt Dich Das Modell beim Konzipieren und Kommunizieren von Geschäftsmodellen, der Unternehmensvision, Business Plänen, Business Cases sowie der Unternehmensstrategien. Statt aneinander vorbei zu reden, nutzen Du und Deine Kollegen im Strategie- und Innovationsteam ein identisches Vokabular.

Das BMM konzentriert sich darauf…

  • eine gemeinsame Business Sprache und Begriffswelt zu motivieren,
  • Geschäftselemente und deren Eigenschaften zu definieren sowie
  • Beziehungen zwischen Geschäftselementen klarzustellen.

Das Modell nimmt dabei eine fachliche Perspektive ein. Schwerpunkt ist das strategische Business, nicht die technische Realisierung oder der operative Betrieb. Das Business Motivation Model, seine Elemente und deren Bedeutung sind rasch erlernbar. Auf Basis des konzeptionellen Modells entwickeln Du und Deine Kollegen innerhalb weniger Stunden ein einheitliches und geteiltes Verständnis, essentiell im weiteren Projektverlauf.


Aufbau

Das Business Motivation Model unterscheidet zwischen vier inneren Bereichen mit jeweils einzelnen Elementen und bereichsübergreifende Beziehungen. Nachfolgende Abbildung zeigt das von mir ins Deutsche übersetzte Modell.

Business Motivation Model
Bereiche, Elemente und Beziehungen des OMG Business Motivation Models 1.3

Zweck (engl. End)

Generell beschreibt der Zweck, was das Unternehmen sein möchte, ohne zu präzisieren, wie es dahin kommt. Die Object Management Group unterteilt den Zweck in drei Elemente:

  • die Unternehmensvision (engl. Vision) als das Zielbild eines Unternehmens
  • das Unternehmensziel (engl. Goal) als längerfristige, häufig qualitative Zielsetzung
  • das Planziel (engl. Objective) als mittel- bis kurzfristige, terminierte, häufig quantitative und damit messbare Zielsetzung

Planziele sind verfeinerte Unternehmensziele. Beide Zieltypen definieren das 'Was' eines Unternehmens und ebnen den Weg zur Unternehmensvision, wiederum dem 'Warum' einer Unternehmung. Erst die Vision und anschließend die Ziele müssen klar bestimmt sein, damit die richtigen Mittel eingesetzt werden können. Damit gleicht das Business Motivation Model dem Golden Circle Konzept von Simon Sinek. Zu Beginn steht das 'Warum', ihm folgen 'Wie' und 'Was'.

Mittel (engl. Means)

Mittel geben den Weg an, den das Unternehmen eingeschlagen hat, um seinen Zweck zu erfüllen. Sie definieren das 'Wie'. Daher: Wie können Ziele und Vision erfüllt werden? Erneut die Definitionen vom Groben ins Feine.

  • die Unternehmensmission (engl. Mission) als prinzipieller Weg, wie die Unternehmensvision erreicht wird
  • die Strategie (engl. Strategy) als längerfristiges, breit gefächertes und planvolles Vorgehen zum Erreichen der Unternehmensziele
  • die Taktik (engl. Tactics) als kurzfristiges, fokussiertes Vorgehen zum Erreichen der Planziele
  • die Geschäftsvorgabe (engl. Business Policy) als grober Rahmen in denen Strategien und Taktiken umgesetzt und kontrolliert werden
  • die Geschäftsregel (engl. Business Rule) als direkt anwendbarer Rahmen in denen Strategien und Taktiken umgesetzt und kontrolliert werden

Das Business Motivation Model fasst sowohl die Strategie als auch die Taktik im sogenannten Vorgehen (engl. Course of Action) zusammen. Wiederum werden die Geschäftsvorgaben sowie die Geschäftsregeln unter dem Bereich Direktive (engl. Directive) subsummiert. Übrigens kommt der Begriff 'Strategie' aus dem Militär, bis zur Industrialisierung und dem Aufstreben von Unternehmen die Bereiche mit den größten Organisationsverbünden. Das griechische 'strate-gos' bedeutet soviel wie 'Heerführer'.

Beeinflusser (engl. Influencer)

Beeinflusser können den Zweck und die Mittel eines Unternehmens ändern. Aber Achtung! Sie können diese ändern, müssen es aber nicht. Das Business Motivation Model unterscheidet zwischen zwei Beeinflussertypen.

  • die internen Beeinflusser (engl. Internal Influencer) liegen innerhalb der Unternehmensgrenzen
  • die externen Beeinflusser (engl. External Influencer) liegen außerhalb der Unternehmensgrenzen

Das Business Motivation Model liefert einen beispielhaften Satz von Kategorien für die Beeinflusser, beispielsweise Wettbewerber, Partner und Lieferant für externe Beeinflusser sowie Ressourcen, Gewohnheiten und Annahmen für interne Beeinflusser. Tatsächlich solltest Du für das Unternehmen selbst passende Kategorien herausarbeiten.

Einschätzung (engl. Assessment)

Ein Beeinflusser ist zunächst immer neutral. Mittels einer Einschätzung bewertet ein Unternehmen, ob und welche Auswirkungen ein spezifischer Beeinflusser auf den Zweck und die Mittel der Organisation hat. Nicht selten kommen unterschiedliche Personen im Unternehmen für einen spezifischen Beeinflusser zu einem anderen Ergebnis. Das Business Motivation Model schlägt hier die SWOT Analyse zur Bewertung vor.


Anwendung

Einsatz zum Projektstart

Gerade beim Start eines Strategie- und Innovationsprojektes entfaltet das Business Motivation Model einen hohen Nutzen. Besteht ein gemeinsames Verständnis über die Begriffe und ihre Zusammenhänge können nun...

Anschließend arbeitet das Strategieteam beispielsweise Geschäftsmodelle für verschiedene Wertangebote auf Basis des Business Model Canvas, dem Strategy Canvas bzw. dem Value Proposition Canvas aus.

Anwendung für verschiedene Zeitpunkte

Bringe das Business Motivation Model für die Beschreibung von Ist-, Ziel- und Planzuständen zum Einsatz.

  • Ist: Worin bestehen unsere aktuellen Planziele? Was sind die momentan eingesetzten Mittel?
  • Ziel: Welchen externen Beeinflussern ist unser Unternehmen zukünftig ausgesetzt? Was werden voraussichtlich interne Einflussfaktoren sein?
  • Plan: Was sind sinnvolle taktische Schritte zur Erfüllung der Unternehmensziele? Welche Geschäftsregeln sollten wir in der aktuellen Krisenphase einführen?

Dabei eignet sich das Modell sowohl für ein neues oder ein bestehendes Unternehmen.

Modellierung auf unterschiedlichen Unternehmensebenen

Das Modell lässt sich für das gesamte Unternehmen, einzelne Bereiche, Abteilungen oder Teams heranziehen. Achte auf Konsistenz zwischen den Elementen. So zahlt ein Bereichsziel auf mindestens ein Unternehmensziel ein, findet sich eine Geschäftsvorgabe in Regeln für ein Projektteam.


Beispiele

Das Business Motivation Model hilft der Lieblingspizzeria

Hast Du eine Lieblingspizzeria? Stelle Dir sich vor der Besitzer Deines favorisierten Pizza-Restaurants würde die Ausrichtung seines Unternehmens ändern wollen. Statt wie bisher vor Ort, sollte sich das Unternehmen zukünftig auf die Auslieferung von Pizzen konzentrieren. Um in der gleichen Begriffswelt zu starten, würde der Besitzer in seinem internen Strategietreffen das Business Motivation Model zu Rate ziehen.

Business Motivation Model
Das Business Motivation Model angewendet auf eine Pizzeria

Die Vision des Restaurants könnte es sein "Die Pizzeria mit den schmackhaftesten Pizzen der Stadt für zu Hause" zu werden. Als allgemeines Unternehmensziel würde das Unternehmen "Pizza-Auslieferung in angemessener Zeit" ausrufen und dieses durch das Planziel "95 Prozent aller Pizzalieferungen innerhalb 30 Minuten ab 01.01.2018" untermauern.

Die Mission könnte "Wir liefern stadtweit schmackhafte Pizzen an hungrige Kunden aus" lauten. Die abgeleitete Strategie wäre damit die "Pizza an die von Kunden gewünschte Stelle in der Stadt liefern". Eine resultierende Taktik könnte "Fahrer mit eigenem Auto einstellen, welche die Pizza liefern." sein. Als Geschäftsvorgabe ist "Sicherheit in der Küche und in den Straßen immer zuerst." möglich. Konkret in einer Geschäftsregel transferiert könnte die Pizzeria die Geschäftsregel "Falls ein Pizza-Auslieferer im Dienst Regeln der Straßenverkehrsordnung verletzt, wird dieser von seinem Manager konsultiert." aufstellen.

Zudem ist das Restaurant verschiedenen externen Beeinflussern wie beispielsweise Wettbewerb, Kundenbedarfe, Zulieferer, rechtliche Vorgaben und Technologie ausgesetzt. Auch interne Beeinflusser wie Arbeitnehmervertreter, Betriebsräte, Gewohnheiten, Kultur, Infrastruktur etc. können Auswirkungen auf den Zweck und die Mittel haben. Der Eigentümer der Pizzeria sollte auf Basis einer strukturierten Einschätzung entscheiden, inwieweit die Beeinflusser Auswirkungen auf sein Unternehmen haben.


Vor- & Nachteile

Pro

  • Das Business Motivation Model sorgt für Begriffsklarheit. Diese wiederum ist eine Grundvoraussetzung für produktive Strategiearbeit.
  • Das Konzept ist universell einsetzbar. Du kannst es für jede Branche und jeden Unternehmenstyp in jeder Entwicklungsphase auf jeder Unternehmensebene heranziehen.
  • Die Elemente und Beziehungen des Business Motivation Models sind schnell erklärt und verstanden. Nach einer kurzen Einführung kann sofort mit der Strategiearbeit begonnen werden.

Contra

  • Manchmal ist es nicht ganz einfach, sich in Projektteams und Managementrunden auf das - zumindest in Deutschland relativ unbekannte - Business Motivation Model zu einigen. Speziell wenn einige Akteure bereits alternative Strategiemodelle und -Definitionen nutzen, muss zunächst ein Konsens hergestellt werden.
  • Das Modell bildet nur einen Rahmen. Erst nach Übertragung auf das spezifische Unternehmen entfaltet es seinen Nutzen.
  • Bei mittleren und großen Unternehmen fällt die Wahl des richtigen Modellierungsniveaus oft schwer. Entweder der Abstraktionsgrad ist zu hoch oder der Detaillevel zu tief. Übung und ein schrittweises Vorgehen sind der Schlüssel.
  • Eine Strategie ist ein langfristiger Plan, um vom Ist- zum Ziel-Zustand zu gelangen. Ist-Zustand und Lücke zwischen Ist- und Ziel betrachtet das Business Motivation Modell nicht explizit.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Das Modell mit Beispielen einführen

    Am besten führst das Business Motivation Model anhand eines konkreten Beispiels ein. Liegen Dir bereits Informationen zum Kunden, seinen Zielen und Beeinflussern vor, verwendest Du diese Angaben als Grundlage. Unternehmer, Manager und Entscheider können die Struktur des Konzepts viel besser nachvollziehen, wenn dieses auf ihr Unternehmen angewendet wurde.

  • Tipp 2 - Das Modell bedarfsorientiert vertiefen

    Das Modell der OMG geht noch mehrere Schritte weiter. Es definiert, wie Geschäftseinheiten (engl. Organizational Unit) und Geschäftsprozesse (engl. Business Process) mit den Bereichen und Elementen zusammenhängen. Zudem schlüsselt es für jedes Element die Eigenschaften und Beziehungen zu Nachbarelementen auf und liefert mehrere Beispiele. Die aktuelle Fassung des Modells kannst Du kostenfrei unter diesem Link als rund 100-seitiges PDF-Dokument herunterladen. Verfeinere selektiv erforderliche Konzepte.

  • Tipp 3 - Als konzeptionelle Grundlage nutzen

    Durchbruchziele. Strategische Stoßrichtung. Bereichstaktik. Oft sind im Unternehmen Begriffe bereits besetzt und in Verwendung. Stelle diesen nicht die Konzepte des Business Motivation Model gegenüber. Stattdessen ergänzt Du, wo erforderlich. Das Wichtigste ist, dass ein gemeinsames Verständnis besteht. Ganz gleich, ob in Strategie-Meetings, Ziele-Unterlagen und Projektpräsentationen – die verwendeten Begriffe sollten konsistent und für die Empfänger verständlich sein.


Ursprung

Ursprünglich wurde das Business Motivation Model durch die Business Rules Group im Jahr 2000 für das Erstellen von Business Plänen entwickelt. Seit 2015 liegt das Modell in seiner aktuellen Fassung 1.3 vor. Verantwortlich ist inzwischen die Object Management Group (kurz OMG).


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orbussoftwaretv: Business Motivation Model in 90 Seconds - Informativer Clip mit den wichtigsten Infos zum Konzept

Zuletzt aktualisiert am 16. November 2020 durch Dr. Christopher Schulz

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