Als Projektleiter, Strategieentwickler oder Geschäftsführer bzw. deren Berater bist Du mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Wodurch schaffen wir im Strategie-Meeting Begriffsklarheit?
  • Wie können aufkommende Trends in der Unternehmensstrategie aufgegriffen werden?
  • Wie können wir von den Chancen der Zukunft profitieren und Risiken minimieren?

Unterstützung findest Du in der Eltviller Modell des Zukunftsmanagements und dem Verfahren der Szenarienanalyse.


Überblick

Ergebnis: aus Zukunft und Trends wurden Strategie und Umsetzung abgeleitet

Teilnehmer: mind. 1 (Empfehlung: gesamtes Strategieteam)

Dauer: mehrere Stunden (für Strategie-Workshops)

Utensilien: Notebook mit Office Software, Internet

Zweck

Das Eltviller Modell des Zukunftsmanagements unterstützt Dich bei der systematischen Entwicklung einer Unternehmensstrategie auf Grundlage von Zukunftsfaktoren und Trends. Das Konzept bietet Dir und Deinen Kollegen ein konsistentes Begriffs- und Ergebnismodell rund zum das Zukunftsmanagement einer Organisation.

Nutze das Eltviller Modell des Zukunftsmanagements für folgende Anwendungsfälle:

  • Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftsbild für das Unternehmen
  • Beurteilung von Zukunftsaussagen in Medien und von Zukunftsforschern
  • Identifikation von Chancen und Risiken sowie Ableitung der Auswirkungen für ein Unternehmen
  • Analyse, Diskussion und Publikation von Zukunfts- und Strategiethemen im Unternehmen
  • Bewertung der Auswirkung einer politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen etc. Krise auf eine Firma

Jedes Mal, wenn ein Unternehmen eine Entscheidung trifft, formst es seine Zukunft. Die Entscheidungen entstehen zunächst in den Köpfen der Akteure, setzen sich dann in Gespräche und schließlich in Taten um.

Mit seinen fünf Perspektiven auf die Zukunft sowie den dazugehörigen Ergebnismodell erleichtern das Eltviller Modell das professionelle Zukunftsmanagement. Der Ansatz verzahnt langfristigen Zukunftsfaktoren und Trends mit den strategischen, taktischen und operativen Elementen eines Unternehmens. Damit sorgt der stimmige Rahmen von Zukunfts- und Strategiekonzepten für die Zukunftsrobustheit einer Organisation.


Aufbau

Das Etviller Modell besteht aus zwei Komponenten: Zukunftsbrillen und Ergebnismodell.

Zukunftsbrillen (auch Prozessmodell)

Zur ganzheitlichen Betrachtung der Zukunft schlägt das Etviller Modell fünf Zukunftsbrillen vor. Die verschiedenen  Perspektiven bedienen die tief in der menschlichen Psyche verwurzelten Motive und Sehnsüchte in Sachen Zukunft. Analog der 6-Hüte Methode besitzt jede Brille eine andere Farbe.

Wahrscheinliche Zukunft (blaue Brille)
Eine passive, distanzierte, beobachtende und rationale Sicht auf das Marktumfeld, Zukunftsannahmen und Wahrscheinlichkeiten. Die Blickrichtung ist bezogen auf das Unternehmen Makroorientiert, damit von Außen nach Innen. Mögliche Annahmefragen:

  • Was kommt auf uns zu?
  • Welche Trends treten ein, welche bleiben aus?
  • Wir werden Technologien unser Unternehmen verändern?

Überraschende Zukunft (rote Brille)
Eine distanzierten, unbeteiligten und mutmaßende Sicht auf unerwartete und unvorstellbare Ereignisse bzw. Unwahrscheinlichkeiten und umgekehrte Zukunftsannahmen. Erneut ist die Blickrichtung von Außen nach Innen, damit also Makro. Relevante Überraschungsfragen:

  • Was könnte uns überraschen und wie wären die Auswirkungen?
  • Wer sind potentielle neue Wettbewerber?
  • Welche neuen Technologien könnten unser Unternehmen disruptieren?

Gestaltbare Zukunft (grüne Brille)
Eine aktive und kreative Sicht auf Ideen, Einfälle und Handlungsoptionen. Die Blickrichtung startet im Inneren des Unternehmens und geht nach Außen. Als Input dienen die Ergebnisse der blauen und roten Zukunftsbrille. Geeignete Chancenfragen:

  • Wovon lebt unser Unternehmen morgen?
  • Wie wollen wir unsere Firma und Kunden in eine bessere Zukunft führen?
  • Welche Zukunftschancen können wir ergreifen?

Erstrebte Zukunft (gelbe Brille)
Eine aktive, ergreifende und fokussierende Sicht auf die glänzende Zukunft des Unternehmens sowie die damit verbundenen Entscheidungen und Kultur. Blickrichtung ist erneut von Innen nach Außen, als Input werden die Chancen der grünen Zukunftsbrille aufgegriffen. Charakteristische Entscheidungsfragen:

  • Was wollen wir im Jahr X erreicht haben?
  • Worin besteht die gemeinsame Vision und Mission für unser Unternehmen?
  • Was ist Kunden, Geschäftsführung, Mitarbeitern und Partnern wirklich wichtig?

Geplante Zukunft (violette Brille)

Eine aktive, pragmatische und fokussierte Sicht auf die Planung, Realisierung und die nächsten Schritte. Blickrichtung ist von Innen nach Außen mit der Verknüpfung von Strategie mit operativer Umsetzung. Typische Realisierungsfragen:

  • Wie handeln wir heute zukunftsintelligent?
  • Was tun wir jetzt und bald, um die skizzierte Vision zu erreichen?
  • Worin bestehen die konkreten nächsten Schritte?
Eltviller Modell
Struktur und Elemente des Eltviller Modells

Ergebnismodell

Das Ergebnismodell ist ein konsistentes semantisches Begriffsnetz und hilft Dir bei der Analyse, Entwicklung und Aktualisierung einer Strategie. Das Konzept stellt sicher, dass die Vision, Strategie, Ausrichtung sowie die täglichen Aufgaben eines Unternehmens schlüssig mit den zugrundeliegenden Trends, Szenarien und Annahmen verknüpft sind.

Unterscheide zwischen objektiven und subjektiven Elementen. Beide werden mit den oben beschriebenen Zukunftsbrillen ermittelt. Objektive Elemente kannst Du selbst erarbeiten oder bei Marktforschungsunternehmen bzw. Wirtschaftsforschungseinrichtungen in Form von Studien erwerben.

  • Zukunftsfaktoren: Ursachen und Treiber des Wandels (z.B. Wachstum Erdbevölkerung). Sie sind primäre Voraussetzungen für die mögliche Herausbildung von Trends.
  • Trends: Gerichtete Entwicklungen des Wandels. Möglich ist eine Unterscheidung analog dem PESTEL Framework in politische, ökologische, soziale, technische, wirtschaftliche und rechtliche Trends.
  • Projektionen: Aussagen über den zukünftigen Zustand eines Beobachtungsobjektes (z.B. Land, Branche, Produkt). Definieren, wohin Trends führen könnten.
  • Szenarien: Gruppen von Projektionen.

Subjektive Elemente musst Du für das Unternehmen erarbeiten. Das Ergebnismodell schlägt folgende Unterscheidung vor:

  • Zukunftsannahmen (blaue Brille): Einschätzungen über zukünftigen Zustand (Was tritt ein?) und Nicht-Zustand (Was tritt nicht ein?) eines Unternehmens auf Basis von Projektionen und Szenarien. Sie bilden Basis von Entscheidungen.
  • Überraschungen (rote Brille): Potentielle Ereignisse und Entwicklungen, die nicht wahrgenommen werden oder als unwahrscheinlich angesehen werden. Ziel ist es, nicht von Zukunft überrascht zu werden, damit eine 'Zukunftsrobustheit' herzustellen.
  • Chancen (grüne Brille): Sinnvolle, vorteilhafte Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung und Ausrichtung eines Unternehmens. Input für die gelbe und violette Brille.
  • Überzeugungen (gelbe Brille): Motive, Werte, Anliegen, Glaubenssätze im Unternehmen. Resultieren aus der Vergangenheit und sollten kritische hinterfragt werden.
  • Mission (gelbe Brille): Das Wirkungsversprechen eines Unternehmens an seine Kunden bzw. sein Geschäftszweck.
  • Kultur (gelbe Brille): Summe aller gelebten Werte, Einstellungen, Verhaltensweisen sowie Gewohnheiten der Mitarbeiter eines Unternehmens.
  • Positionierung (gelbe Brille): Die Leitlinien für einzigartige und differenzierte Identität eines Unternehmens.
  • Vision (gelbe Brille): Das konkrete Bild einer gemeinsam erstrebten Zukunft des Unternehmens bzw. dessen Richtung.
  • Ziele (gelbe Brille): Die Etappen und Fokuspunkte auf dem Weg zur Vision. Ziele fungieren als verbindende Elemente zwischen dem Hier & Jetzt und der Zukunft.
  • Geschäftsmodell (gelbe Brille): Die Leitlinien und Vereinbarungen zur Erbringung des Wertangebots bzw. dem Generieren der Erlöse.
  • Prozesse (violette Brille): Wertkette und Routinen zur Leistungserstellung.
  • Projekte (violette Brille): Die einmalige Aktivitäten zur Erreichung von Zielen.
  • Fähigkeiten (violette Brille): Das Können der Mitarbeiter, erforderlich für die Prozesse und Projekte.
  • Ressourcen (violette Brille): Alle Mittel zur Ausführung von Prozessen und Projekten.

Anwendung

Das Eltviller Modell des Zukunftsmanagement verwendest Du Top-Down, beginnend mit den objektiven Elementen des Ergebnismodells. Sind diese präzisiert setzt Du die fünf Zukunftsbrillen nacheinander auf und entwickelst die subjektiven Elemente des Ergebnismodells. Strategiearbeit ist Teamarbeit. Initiiere eine Serie von Strategie-Workshops und durchlaufe in diesen folgende fünf Schritte.

  • 1

    Zukunftsfaktoren & Trends recherchieren

    Am Anfang steht die Zukunftsfaktoren- und Trendrecherche für das Unternehmen. Verwende dazu Methoden wie den Trendradar. Alternativ beauftragst Du ein Marktforschungsunternehmen oder erwirbst vorhandene Studien ein.

  • 2

    Projektionen & Szenarien herausarbeiten

    Leite aus Zukunftsfaktoren und Trends Projektionen ab. Diese treffen für den Beobachtungsgegenstand zu. Bündle Projektionen zu Szenarien.

  • 3

    Zukunftsannahmen, Überraschungen und Chancen identifizieren

    Nutze die mit der blauen, roten und grünen Zukunftsbrille verbundenen Fragen, um Zukunftsannahmen, Überraschungen und Chancen für den Beobachtungsgegenstand zu identifizieren.

  • 4

    Erstrebte Zukunft präzisieren

    Arbeite mit der gelben Zukunftsbrille und ihren Fragen und arbeite Mission, Positionierung, Vision, Kultur, Überzeugungen, Ziele und Geschäftsmodell heraus.

  • 5

    Geplante Zukunft entwickeln

    Leite aus der erstrebten Zukunft die erforderlichen Projekte, Prozesse, Fähigkeiten und Ressourcen ab. Definiere anschließend Änderungsprojekte, welche die Lücke zwischen geplanter Zukunft und Ist-Zustand schließen.


Beispiele

Das Eltviller Modell für ein Krankenhaus

Setze nacheinander die fünf Zukunftsbrillen für ein Krankenhaus auf und wenden diese auf das Ergebnismodell an.

  • Blaue Brille: Zukunfsannahme - Bis ins Jahr 2030 wird die Anzahl an multimorbiden Patienten von 20 auf 35 Prozent steigen.
  • Rote Brille: Überraschung - Durch eine Störung im nahegelegenen Atomkraftwerk könnte radioaktive Strahlung austreten und Patienten sowie Mitarbeiter schädigen.
  • Grüne Brille: Chancen - Die Effizienz der Patientenpflege kann durch den Einsatz intelligenter Roboter gesteigert werden.
  • Gelbe Brille: Vision - Wir wollen als erster Anbieter intelligente Roboter zur Pflege und Heilung von Patienten einsetzen.
  • Violette Brille: Projekte - Beteiligung an der Forschung von Pflegerobotern durch Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Vor- & Nachteile

Pro

  • Analog dem Business Motivation Model gibt das Etviller Modell Unternehmen einen klaren Satz von definierten Konzepten bzgl. Zukunft an die Hand. Das Denken wird vereinfacht, die Kommunikation erfolgt präziser, Missverständnisse können vermieden werden.
  • Die fünf Brillen unterstützen bei der multiperspektivischen Betrachtung der Zukunft eines Unternehmens. Strategie-Meetings und Zukunfts-Workshops erhalten mit ihnen eine klare Arbeitsstruktur.
  • Die zwei Komponenten des Etviller Modells - Zukunftsbrillen und Ergebnismodell - und ihr Zusammenspiel sind wohl durchdacht, rasch verständlich, gut einprägsam aber dennoch nicht banal.

Contra

  • Das Etviller Modell mischt bekannte Elemente aus dem Business Motivation Modell, dem Business Model Canvas, der Risikoanalyse sowie der Trendforschung zu einem Rahmenwerk zusammen. Seine Originalität darfst Du damit in Frage stellen.
  • Kunden kaufen keine Zukunftsbrillen, Fähigkeiten oder Positionierungen eines Unternehmens, sondern dessen Wertangebote. Dieses behandelt das Etviller Modell nur untergeordnet im Element Geschäftsmodell.
  • Nimmst Du es genau, sind Prozesse, Projekte, Fähigkeiten und Ressourcen zentrale Bestandteile eines Geschäftsmodells. Warum das Etviller Modell diese explizit herausstreicht, bleibt unklar.

Praxistipps


Ursprung

Zentrale Kopf hinter dem Eltviller Modell ist der in Belgrad/Serbien geborene Zukunftsforscher Pero Mićić. Mićić studierte Wirtschaftswissenschaften und promovierte 2007 an der Leeds Business School in Großbritannien zu Methodiken des Zukunftsmanagements. 1991 gründete er ein Unternehmen für Zukunftsmanagement-Beratung, die heutige FutureManagementGroup AG mit Hauptsitz im hessischen Eltville am Rhein. Laut eigenen Aussagen entwickelt und nutzt Mićić und seinen Kollegen das gleichnamige Eltviller Modell seit dieser Zeit vielfach in praktischen und wissenschaftlichen Projekten.


Bonusmaterial

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Pero Mićić/FutureManagementGroup AG: Die 5 Kern-Fragen für Ihre Zukunft - die 5 Zukunftsbrillen - 14-minütige Erklärung der fünf Brillen samt Beispiele

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Pero Mićić/FutureManagementGroup AG: Die Kern-Elemente Ihrer Strategie - das Ergebnismodell - 16-minütige Erklärung des Ergebnismodells samt Beispiele

Zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2020 durch Dr. Christopher Schulz

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