Als WissensarbeiterAnalyst oder Kreativarbeiter bzw. deren Berater bist Du mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Auf welche Weise können wir einen Sachverhalt rasch und strukturiert bewerten?
  • Was hilft uns aus einer Menge von Vorschlägen qualitativ den Aussichtsreichen herauszufiltern?
  • Wie schaffen wir im Team Einigkeit über die Vorteile und Nachteile einer Sache?

Unterstützung findest Du in der PMI Methode und der Einschätzung eines Sachverhalts aus drei verschiedenen Perspektiven.


Überblick

Ergebnis: Sachverhalt bzgl. Vorteile und Nachteile qualitativ bewertet und Analyseaufgaben herausgearbeitet

Teilnehmer: mind. 1

Dauer: 10 bis 30 Minuten (je Sachverhalt und Teilnehmerzahl)

Utensilien: Flipchart/Whiteboard/Metaplan-Wand, Kategoriekarten/Klebezettel, Klebeband/Pins & Stifte oder Notebook & Office Software

Zweck

Mit der PMI Methode bewertest Du einen Sachverhalt in kurzer Zeit bzgl. seiner Vorzüge und Defizite. Zudem unterstützt Dich die Technik weiterhin offene Aspekte explizit zu machen. Der Sachverhalt kann dabei eine Idee, ein Standpunkt, eine Handlungsoption, eine Frage, eine Lösungsalternative oder ähnliches sein.

Das Akronym PMI steht für Plus, Minus und Interessant, also die Perspektiven auf den Sachverhalt. Nutze die Technik für die Ideenbewertung, Entscheidungsfindung sowie Lösungsevaluation. Auch bei strittigen Angelegenheiten mit kontroversen Standpunkten hilft die Methode ein gemeinsames Verständnis unter den Beteiligten herauszubilden.

Synonyme sind PMI Technik, PMI Analyse, Plus-Minus-Interessantes sowie die englischsprachigen Begriffe Plus-Minus-Interesting sowie PMI Analysis.


Aufbau

Plus-Minus-Liste

Mit der PMI Methode betrachtest Du eine Sache aus den drei Perspektiven Plus, Minus und Interessant. Nutze dazu die Plus-Minus-Liste (auch Plus-Minus-Tabelle bzw. Plus-Minus-Matrix), eine Matrix mit drei gleichgroße Spalten über die Du als Titel den Sachverhalt in Form einer Aussage oder Frage notierst.

PMI Methode
Struktur und Elemente der Plus-Minus-Liste

Alle relevanten Informationen, Aspekte, Argumente bzw. Facetten zum Sachverhalt fixierst Du auf Klebe- bzw. Moderationskarten und heftest diese in die entsprechende Spalte. Karten lassen sich nachträglich verschieben, stapeln und wieder entfernen. Zudem zwingen sie zur Präzision und Kürze.

Versehe Deine Plus-Minus-Liste mit nützlichen Meta-Informationen wie den verantwortlichen Autoren sowie das Datum der letzten Aktualisierung.

Plus-Punkte (engl. Plus)

Liste in der ersten Spalte ganz links alle bestätigten Vorzüge des Sachverhalts auf.

  • Worin bestehen die Stärken der Idee?
  • Welche Alleinstellungsmerkmale (engl. Unique Selling Proposition) besitzt die Variante?
  • Was sind die Vorteile der Alternative?
  • Worin bestehen die positiven Folgen der Entscheidung?
  • Welche Eigenschaften bzw. Fähigkeiten sollten beibehalten werden?

Minus-Punkte (engl. Minus)

Notiere in der mittleren Spalte die bestätigten Defizite des Sachverhalts.

  • Was sind die Nachteile der Idee?
  • Welche Risiken besitzt die Möglichkeit?
  • Worin liegen die Nachteile der Option?
  • In welche negativen Konsequenzen mündet die Entscheidung?
  • Welche Merkmale und Kompetenzen sollten verändert werden?

Beachte, dass ein Punkt sowohl in der Plus- als auch Minus-Spalte stehen kann, damit gleichzeitig ein Vorzug und ein Nachteil ist.

Interessante Punkte (engl. Interesting)

In der dritten Spalte ganz rechts hältst Du alle erwähnenswerte Aspekte des Sachverhalts fest, die aktuell weder Plus- noch Minus-Punkte sind.

  • Welche möglichen Auswirkungen der Alternative sind noch nicht absehbar?
  • Welche Hypothesen stehen bzgl. der Option im Raum?
  • Welche Folgen könnte diese Idee haben?
  • Für welche Merkmale besteht noch Informationsbedarf?
  • Welche Teilfragen bleiben weiter offen?

Interessante Punkte bedürfen weiterer Vertiefung ("Es wäre interessant zu wissen, ob…"), um anschließend der Plus- oder Minus-Spalte zugeordnet zu werden. Zudem können sie Ausgangspunkte für ganz neue Sachverhalte sein ("Welche weiteren Ideen ergeben sich daraus?").


Anwendung

Die PMI Methode kannst Du solo oder im Team nutzen. Für die Anwendung in einer Arbeitsgruppe im Rahmen eines Workshops geht ihr wie folgt vor.

  • 1

    Sachverhalt eingrenzen

    Präzisiert zunächst den Sachverhalt.
    - Gilt es eine Idee zu bewerten?
    - Oder steht die Beurteilung einer Entscheidungsoption zur Diskussion?
    - Soll eine Lösung qualitativ analysiert werden?
    Erkläre auch, warum bisher noch keine Ergebnisse vorliegen und worin der Nutzen einer Bearbeitung besteht.

  • 2

    PMI komplettieren

    Geht die Spalten der Plus-Minus-Tabelle nacheinander durch.
    Tragt zuerst innerhalb von 3 Minuten alle Plus-Punkte für den Sachverhalt zusammen.
    Ergänzt anschließend die Minus-Punkte und dann die Interessant-Punkte, erneut jeweils im 3-Minuten-Rahmen.
    Falls Euch nach 3 Minuten weitere Aspekte einfallen, setzt ihr Eure Arbeit in der Spalte fort. Falls Euch vor Ablauf von 3 Minuten keine Ideen mehr kommen, bleibt ihr trotzdem bei der Spalte.

  • 3

    Maßnahmen verabschieden

    Interpretiert das Ergebnis.
    - Wie schneidet der Sachverhalt ab?
    - Lohnt eine weitere Nachverfolgung?
    - Welche wichtigen Aspekte in der Spalte 'Interessant' müssen vertieft werden?
    Vereinbart nächste Schritte, daher: Wer macht was bis wann?

Geht PMI mehrmals hintereinander durch, falls mehrere Sachverhalte zu bewerten sind.


Beispiele

PMI Methode in der Consulting Akquise

Stelle Dir vor ein potentieller Neukunde bittet Dich nach einem Kennenlerngespräch um ein Beratungsangebot für ein Großprojekt. Bevor Du jetzt in die Tasten greifst und eine umfassende Offerte anfertigst, schaltest Du die PMI Methode vor. Die resultierende Plus-Minus-Liste könnte nachfolgende Gestalt besitzen.

PMI Methode

Aufgrund der vielen Unbekannten in der Interessant-Spalte bittest Du den Kundenkontakt um ein zweites Gespräch. In diesem vertieft ihr neben inhaltlichen Details den Leidensdruck, den Beauftragungsprozesse sowie die Entscheider.


Vor- & Nachteile

Pro

  • Die PMI Methode bringt eine nachvollziehbare Struktur in die Bewertung eines Sachverhalts. Als Verbesserung einer einfachen Vor-/Nachteileaufzählung unterscheidet die Technik zu Aspekten, die interessant aber noch unklar sind.
  • Ob Entscheidungs-Meeting, Ideen-Workshop oder Kreativsitzung - das Werkzeug ist vielfältig in Projekt- und Linienarbeit anwendbar.
  • Die Technik ist schnell erklärt und einfach realisiert. Die Dreiteilung der Bewertung lässt sich zudem gut visualisieren.
  • Als Ergebnistyp vereinfacht und beschleunigt die Plus-Minus-Liste inhaltliche Diskussionen, speziell bei einem heterogenen Stakeholderfeld.

Contra

  • Die PMI Methode bewertet einen Sachverhalt nur auf qualitativer Basis. Ob ein Punkt positiv oder negativ ist, kann von einer subjektiven Einschätzung abhängen.
  • Auch eine Gewichtung der Aspekte, wie beispielsweise mittels der Benjamin Franklin Methode, sieht die Technik in reiner Form nicht vor.
  • Bei vielschichtigen, umfassenden und langwierigen Sachverhalten fordert die Analysetechnik ein hohes Maß an Abstraktion ab, da ansonsten die Plus-Minus-Liste sonst mit Katen überquellen würde. Mit dem Abstrahieren geht jedoch auch immer (wesentliches) Detailwissen verloren.
  • Außer der drei Analysespalten liefert die Methode keinerlei Struktur für das Aufsetzen und Nachverfolgen von Aufgaben.
  • Anders als die SWOT Analyse unterscheidet PMI nicht zwischen Innen- und Außensicht bzw. aktuellen Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken. Die Technik sieht nicht vor den Sachverhalt multiperspektivisch einzuschätzen.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Als Bindeglied für Kreativtechniken nutzen

    Als Entscheidungswerkzeug fungiert die PMI Methode als Bindeglied zwischen Vorschlag und Umsetzung.

  • Tipp 2 - Auch Solo die Plus-Minus-Liste visualisieren

    Setze auch bei der Solo-Nutzung der PMI Methode Stift und Papier ein. So kannst Du alles dauerhaft niederschreiben und Deinen Kopf frei für neue Gedanken machen. Zudem bleibt Dein Ergebnis für die Weiterarbeit erhalten.

  • Tipp 3 - Karten mit Zusatzinformationen anreichern

    Ergänze die Karten in der Plus-Minus-Liste mit zusätzlichen Infos und erhöhe damit die Aussagekraft. Einige Anregungen:

    • Farbe – Relevanz eines Aspekts (z.B. rot – wichtig, blau – unwichtig)
    • Autor – Wissensträger zu einem Aspekt
    • Zahl – Wichtung eines Aspekts (z.B. 1 – hoch, 5 – gering)
    • Sortierung – Priorität eines Aspekts (z.B. oben – wichtig,  unten – unwichtig)

    Füge eine Legende ein, falls die Gefahr besteht, dass die Inhalte missverstanden werden können.

  • Tipp 4 - Für Ja-Nein-Entscheidungen heranziehen

    Gewichte die Karten in Deiner Plus-Minus-Liste und schaffe auf diese Weise eine Grundlage für eine Ja-Nein-Entscheidung.

    1. Versehe alle Karten nacheinander mit einem ganzzahligen Gewicht von 1 (geringster Wert) bis 5 (höchster Wert). Die Gewichtige in der Plus-Spalte sind positiv, die in der Minus-Spalte negativ und die in der Interessant-Spalte positiv oder negativ.
    2. Zähle positive und negative Gewichte aus der Plus-, Minus- und Interessant-Spalte zusammen.

    Ist die Gesamtsumme positiv, dann lautet die Entscheidung ‘Ja’. ist das Ergebnis negativ, dann ‘Nein’. Möchtest Du Dich zwischen mehreren Sachverhalten entscheiden, dann für die Variante mit der höchsten Endpunktzahl. Beachte, dass eine Gewichtung immer subjektiv ist und zusätzliche Arbeitszeit einfordert.


Ursprung

Als Entwickler der PMI Methode gilt der Mediziner, Kognitionswissenschaftler und Schriftsteller Edward de Bono. Der Brite beschreibt in seinem Buch De Bonos neue Denkschule* ausführlich die Technik für die Bewertung von Ideen.


Bonusmaterial

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DEWAOfficial: Plus ..Minus ..Interesting (1,5 min) - englischsprachiger Kurzclip zur Kernidee der PMI Methode

Zuletzt aktualisiert am 9. September 2021 durch Dr. Christopher Schulz

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