Sie besitzen Abkürzungen wie PMP, CPRE Foundation oder TOGAF Level 1 – Zertifikate für Einzelpersonen. Mit ihnen weist Du als Unternehmensberater Dein Fachwissen, Methodenkompetenzen und soziales Knowhow nach.

Fakt ist: seit den 1990er Jahren hat sich Umfang und Anzahl an Zertifizierungsprogrammen und den einhergehenden Schulungsoptionen drastisch erhöht. Macht es da überhaupt noch Sinn, Zeit und Geld in eine offiziell anerkannte Qualifizierung zu stecken? Oder ist Deine Energie in individuelle Weiterbildungsmaßnahmen besser investiert? Im Beitrag beleuchte ich das Thema Zertifikate im Consulting.


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Zertifikate in der Unternehmensberatung

Mit Deiner Unterschrift unter den Arbeitsvertrag hast Du Dich auch nach Deiner Ausbildung bzw. dem Consulting Studium dem fortwährenden Lernen verpflichtet. Um Deine Kunden auch im nächsten Jahr erfolgreich zu beraten, benötigst Du immer wieder neues Wissen, Kompetenzen und Erfahrungen.

Eine Möglichkeit Deine Fähigkeiten systematisch auf- und auszubauen, besteht im Erwerb von offiziellen Zertifikaten. Diese stellen Unternehmen, Institutionen sowie gemeinnützige Vereine als Teil von Weiterbildungs- und Zertifizierungsprogrammen aus. Am Markt üblich sind Personen- und Produktzertifizierungen.

Personenzertifizierungen weisen Dein Knowhow in fachlichen, methodischen und sozialen Gebieten nach. Beispielsweise ist der Project Manager Professional (PMP) des Project Management Instituts (PMI) ein bekanntes Zertifikat für die Fähigkeiten in der Leitung von Projekten. Der Certified Management Consultant (CMC) des Instituts der Unternehmensberater (IdU) wiederum zählt zu den wenigen in Deutschland existierenden Beraterzertifikaten.

Produktzertifizierungen demonstrieren Deine Kenntnisse bzgl. einer bestimmten Technologie, Anwendungsproduktes oder IT-Systems. So betreibt der US-Softwareriese Microsoft ein großes (und sicherlich auch lukratives) Zertifizierungsprogramm für seine digitalen Produkte.


Vor- & Nachteile von Zertifikaten

Über die Jahre als Berater habe ich mich kontinuierlich in den Themen Requirements Engineering, Enterprise ArchitectureIT Service Management und Business Analyse weiterqualifiziert und in diesen Gebieten auch mehrere aufeinander aufbauende Personenzertifikate erworben. Ist dieser Aufwand im Nachhinein gerechtfertigt?

Nähern wir uns der Frage aus drei Sichten:

Sichtweise #1: Unternehmensberater

Aus Deiner Consultant Sicht bedeutet eine Zertifizierung ein mehr oder weniger großer Wissenszuwachs. Dabei ist der Erhalt des Zertifikates nicht entscheidend, sondern der Weg dorthin. Dieser führt häufig entlang von Trainings, Selbststudium und Projektarbeit. Das aus meinen Erfahrungen Positive an einer Zertifizierung: Du erlernst qualitätsgesichertes Wissen welches von einer Vielzahl von Personen strukturiert, zusammengestellt und geprüft worden ist. Oft existiert auch eine Gemeinschaft rund um die Zertifizierung mit der Du online wie offline in Kontakt treten und Dich austauschen kannst.

Ein weiterer Vorteil von Zertifikaten: unternehmensintern und -extern besteht Transparenz über Deinen Ausbildungsstand und Deinen Fähigkeiten. Diese lassen sich ebenfalls mit Kollegen und Wettbewerbern vergleichen und gegeneinander abwiegen. Das ist wie bei einem Studien- und Berufsabschluss. Bewerber übertreiben gerne ein bißchen in ihrem Lebenslauf. Da werden Projekte umfangreicher, Verantwortungsbereiche breiter und Erfolge größer. Ein Zertifikat kann nicht lügen. Es attestiert Schwarz-auf-Weiß Deine theoretischen bzw. praktischen Erfahrungen, sorgt beim Arbeitgeber für Glaubwürdigkeit.

Bist Du stolz auf Deinen Studienabschluss? Dein Bachelor, Master, Diplom oder gar Doktor? Auch auf ein Zertifikat kannst Du stolz sein. Immerhin hast Du Dich freiwillig weitergebildet, bist Du Prüfungen gegangen und hast Projektarbeit absolviert. Je größer die Bekanntheit, desto höher auch die professionelle Anerkennung.

Gegenüber einen ebenbürtigen Kollegen besitzt Du dank Deines Zertifikates noch einen letzten Vorteil. Du wirst nicht nur bei der Jobwahl bevorzugt, auch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du ein höheres Gehalt mit nach Hause bringst. Das mit der Zertifizierung erworbene quantiative und qualitative Wissen erhöht Deinen Wert. Beim Job Interview und Mitarbeitergespräch hast Du ein gewichtiges Argument zusätzlich im Köcher.

Sichtweise #2: Arbeitgeber

Aus Perspektive Deines Arbeitsgebers – dem Consultingunternehmen – sind Zertifizierungen zunächst Investitionen in den Personalstand. Diese sind nicht unerheblich, addieren sich Trainings- und Prüfungsgebühren, Reiseaufwände sowie Opportunitätskosten schnell zu mehreren Tausend Euro. Als Belohnung erlangt die Firma einen qualifizierten, am Markt meist attraktiveren Mitarbeiter, der Kunden zu höheren Tagessätzen bzw. Festpreis in Rechnung gestellt werden kann und Dank seines Wissens fast immer auch mit einer gesteigerten Produktivität  (schneller, qualitativ hochwertiger, fehlerfreier, etc.) zu Werke geht.

Doch es gibt noch weitere Argumente für Zertifizierungen. Der Mitarbeiter bringt Wissen zurück ins Unternehmen, beherrscht nach der Qualifikation ein Standardrepertoire an Begriffen und Konzepte, spricht eine gemeinsame Sprache. Gerade für das Recruiting* eigenen sich Zertifikate prima, relevante Kandidaten zu selektieren. Die Zertifizierung wirkt dann wie ein Filter. Dieser reduziert das Risiko einer falschen Einstellung.

Zudem lassen sich Zertifikate exzellent in Jahresgesprächen verzielen und der Erfolg im Anschluss messen. Darüberhinaus erlauben Zertifikate dem Unternehmen den Mitarbeiter an sich zu binden. So kenne ich mehrere Beratungen, die eine Zusatzausbildung, (Master of Business Administration, Systemischer Coach, etc.) ihrer Mitarbeiter finanzieren, falls sich diese für 6 oder mehr Monate für die Beratung verpflichten.

Sichtweise #3: Beratungskunde

Kundenunternehmen geben Zertifikate bei der Auswahl eines Beraters Sicherheit. Schließlich hat der externe Mitarbeiter den formalen Nachweis erbracht, dass er den zertifizierten Stoff kennt und auch für die Problemlösung anwenden kann. In der Praxis kann das Zertifikat auch zum Zünglein an der Waage werden. Hat ein Projektleiter zwei fast identische Beraterprofile vor sich liegen, verfügt jedoch einer der Consultants über ein Zertifikat, wird der Leiter mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Kandidaten mit dem Zertifikat votieren.

Kunden schätzen Zertifikate, speziell bei Jungberatern. Die offiziellen Nachweise kompensieren den zum Teil den mangelnden Praxishintergrund und die fehlenden Projekterfahrung der Junior Consultants. Schließlich profitieren Kunden wie bereits der Arbeitgeber von dem mit dem Zertifikat verbundenen Knowhow und einer geschätzten höheren Produktivität. Bei Trainern erwarten sie schlichtweg, dass diese in ihrem Fach nachweisbares Wissen erworben haben.


Was ist die wichtigste Kompetenz eines Beraters?

Ergebnisse

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Mit 7 Fragen die richtige Zertifizierung wählen

Wie oben gezeigt besitzen Zertifikate aus Sicht des Kundens, Arbeitgebers und Consultants eine Vielzahl von Vorteilen. Aber: sie generieren für Dich bzw. Dein Beratungsunternehmen auch finanzielle und zeitliche Aufwände.

Bevor Du Dich also einem x-beliebigen Zertifizierungsprogramm verschreibst, solltest Du Dir folgende sieben Fragen stellen.

Frage #1: „Unterstützt die Zertifizierung meine beruflichen Ziele als Unternehmensberater?“

Möchtest Du zum Beispiel als Spezialist im Requirements Engineering positionieren, bringt Dir ein CPRE Foundation Zertifikat mehr als ein Nachweis über Softskills im Konfliktmanagement.

Frage #2: „Welche alternativen Zertifizierungsprogramme bestehen am Markt?“

So bietet zum Beispiel für das agile Projektvorgehensmodell Scrum sowohl die Scrum Alliance als auch Scrum.org einen Curriculum an.

Frage #3: „Welchen Stellenwert geniest das aus Training, Prüfung und/oder nachgewiesener Praxisarbeit resultierende Zertifikat?“

Je renommierter und verbreiteter eine Zertifizierung, desto größer ihr wahrgenommener Mehrwert für den Kunden und Dein Unternehmen.

Frage #4: „Wie hoch sind die Kosten zum erzeugten Nutzen?“

Besitzt Du bereits umfangreiche Erfahrung im Thema, wird Dein Wissenszuwachs mit der Zertifizierung wahrscheinlich sehr gering ausfallen. Manche Programme erfordern nach einer bestimmten Zeit auch eine Neuzertifizierung, die wiederkehrend Zeitaufwände und Kosten generiert.

Frage #5: „Auf welche Weise kann die Zertifizierung erworben werden?“

Beispielsweise bevorzuge ich Selbststudium vor Pflichtpräsenztraining. Für Ersteres benötigst Du Disziplin und gute Materialien, kannst Zeit und Ort aber selbst bestimmen. Ein Präsenztraining kostet meist mehr als 500 Euro pro Tag bzw. kannst Du in dieser Zeit keinem Kunden beraten.

Frage #6: „Wie hoch ist die Bestehensquote der Abschlussprüfung?“

Viele Zertifizierungen beinhalten eine Prüfungen in der der Kandidaten sein erlerntes Wissen nachweisen muss. Einige Programme veröffentlichen die Bestehensquote dieser Abschlusstests. Liegt diese Quote nahe 100 Prozent ist das ein Indikator, für eine zu einfache Prüfung. Offenbar will der Anbieter viele Teilnehmer anziehen und an diesen Geld verdienen. Eine Quote unter 60 Prozent wiederum ist ein Signal für ein hartes Auswahlverfahren. Hier musst Du mit einer intensiven Vorbereitungszeit rechnen.

Frage #7:Welche Gültigkeit besitzt das Zertifikat?“

Insbesondere Produktzertifikate in der Informationstechnik unterliegen einer kurzen Lebensdauer. Wechselt die Softwareversion oder wird die IT-Applikation gar eingestellt, ist das Zertifikat deutlich weniger Wert.


Fazit

Zertifizierungsprogramme bilden für Traininingshäuser und Zertifizierungsinstitute ein lukratives Geschäftsmodell. Umso wichtiger für Dich, durch etwas Recherchearbeit die Spreu vom Weizen zu trennen um das richtige Programm für Deine Wissens- und Karriereziele zu identifizieren. Nutze dazu die hier vorgestellten 7 Fragen. Viel Erfolg bei Deiner Qualifikation.


Bonusmaterial

Klaus Haller: IT Certificates: Blessing or Curse? – Dr. Klaus Haller diskutiert die Relevanz von Zertifikaten für IT-Professionals


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