Als ProjektleiterManager oder Wissensarbeiter bzw. deren Berater bist Du mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Welche Treiber führen zu unseren Zielen und worin besteht deren konkreter Nutzen?
  • Was sind die für die Zielerreichung erforderlichen Maßnahmen und Ermöglicher?
  • Wie bringen wir Struktur in das ‘Warum’, ‘Was’, ‘Wie’ und ‘Womit’ eines Projektes?

Unterstützung findest Du im Benefits Depedency Network und dem Verfahren der Netzwerkmodellierung.


Überblick

Ergebnis: Zusammenhang zwischen Zielen, Mittel und Nutzen eines Sachverhalts visualisiert

Teilnehmer: mind. 1 Person

Dauer: 30-90 Minuten (je Sachverhalt und Zahl der Teilnehmer)

Utensilien: Whiteboard/Flipchart/Metaplan-Wand & Stifte oder Notebook & Office

Zweck

Mit einem Benefits Depedency Network erarbeitest, dokumentierst und analysierst Du die Wirkungszusammenhänge zwischen Zweck, Ansatz und Mitteln eines Sachverhalts. Der Sachverhalt kann ein neues Wertangebot, ein abgeschaltetes IT-System, eine verbesserte Unternehmenskultur, ein modifizierter Geschäftsprozess etc. sein.

Stelle Dir bei einem Benefits Depedency Network ein Netzdiagramm vor, dass für ein spezifisches Thema fünf Aspekte schrittweise herausarbeitet:

  • Im welchen Umfeld ist der Sachverhalt angesiedelt?
  • Welche Ziele sollen mit diesem erreicht werden?
  • Welchen Nutzen haben die Stakeholder davon?
  • Auf welche Weise werden die Ziele erreicht?
  • Worin bestehen die Hilfsmittel?

Mit dem Modell verknüpfst Du visuell das 'Warum', 'Weshalb', 'Was', 'Wie' und 'Womit' einer Sache. Das übersichtliche und kompakte Diagramm eignet sich insbesondere für Managementrunden. Bei genügend Details passt das Netzwerk immer noch auf eine Präsentationsfolie. Auch für eigene Vorhaben - wie beispielsweise eine berufliche Neuausrichtung - kannst Du das Planungs- und Entscheidungsvorbereitungswerkzeug heranziehen.

Alternative Bezeichnungen für das Benefits Dependency Network sind sein Akronym BDN sowie der deutsche Begriff Nutzen-Abhängigkeits-Netzwerk.


Aufbau

Benefits Dependency Network

Ein Benefits Depedency Netzwerk ist ein Netzwerk, welches sich in fünf Bereiche untergliedert: Treiber, Ziele, Nutzen, Maßnahmen und Ermöglicher. Jeder dieser Bereich enthält Knotenpunkte zwischen denen ungerichtete Kanten verlaufen.

Versehe Dein Benefits Depedency Network mit Meta-Informationen wie einem aussagekräftigen Titel, dem Änderungsdatum sowie den Namen der verantwortlichen Autoren.

Benefits Dependency Network
Struktur und Elemente des Benefits Dependency Network

Treiber (engl. Driver)

Grund für ein oder mehrere Ziele. Er reicht von persönlich und latent bis gesamtunternehmerisch und dringend. Ermittle Umfeldtreiber mit dem PESTEL Framework, Branchentreiber mit dem Five Foces Modell und Systemtreiber mit dem Kontextdiagramm. Typische Fragen:

  • Was bewegt uns zu handeln?
  • Welche Umfeldbedingungen beeinflussen uns?
  • Warum sollten wir etwas tun?

Typische Geschäftstreiber sind neue Technologien, Gesetzesanpassungen und Änderungen im Kundenverhalten.

Ziel (engl. Objective)

Konsequenz aus mindestens einem Treiber. Ziele können relevant für eine Person sein, die Abteilung oder das ganze Unternehmen betreffen. Ziele sollten SMART sein, d.h. spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert.

  • Was möchten wir erreichen?
  • Welchen Soll-Zustand streben wir an?
  • Was soll sich verändern?

Beachte den engen Zusammengang zwischen Treibern und Zielen. So werden einige Ziele Deines Vorgesetzten Treiber für Dich und übersetzen sich schließlich in Deine Ziele. Diese wiederum sind Treiber für Deine Mitarbeiter etc..

Nutzen (engl. Benefit)

Resultiert aus der Erreichung von einem oder mehreren Zielen. Klassische Nutzenelemente im Geschäftsleben sind Zeitersparnis, Aufwandsreduktion oder Umsatzerhöhung.

  • Worin liegt der Mehrwert für uns, die Mitarbeiter, Kunden etc.?
  • Welche unangenehmen Dinge vermeiden wir?
  • Was gewinnen wir, wenn wir das Ziel erreicht haben?

Identifiziere den Nutzen mit Tools wie den Value Proposition Canvas und der Pyramide der Nutzenelemente.

Maßnahme (engl. Activity)

Dient Dir zu Erreichung von mindestens einem Ziel. Sie kostet Energie, Zeit sowie Geld und bindet Aufmerksamkeit. Eine Maßnahme kann in einer Abteilung, als Querschnittsaufgabe oder zusammen mit Partnern umgesetzt werden. Sie reicht von einer Einzelaufgabe bis zum ganzen Projektprogramm.

  • Was müssen wir tun?
  • Wie können wir das Ziel erreichen?
  • Auf welche Weise erreichen wir den Ziel-Zustand?

Wenn Du das Netzwerk genau betrachtest wirst Du feststellen, dass es eine kleine Schwäche hat. Eigentlich müssten die Maßnahmen mit dem Ziel und nicht den Nutzenelementen verbunden sein.

Siehe über dieses Manko am besten hinweg. Frage Dich dazu, welche Maßnahme ergriffen werden müsste, um ein spezifisches vom Ziel abgeleitetes Nutzelement zu realisieren.

Ermöglicher (engl. Enabler)

Befähiger oder Hilfsmittel, der eine Maßnahme unterstützt. Das kann eine Person, ein Prozess oder eine Technologie sein, die sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens liegt.

  • Welche Werkzeuge, Tools, Personen, Ressourcen etc. brauchen wir?
  • Welche Weichen müssen zuvor gestellt werden?
  • Wer kann uns bei der Zielerreichung helfen?

Verbindungen (engl. Connections)

Treiber, Ziele und Nutzen definieren zusammen den Zweck. Die Maßnahmen stehen für die Herangehensweise und die Ermöglicher für die eingesetzten Mittel.

Treiber sind mit Zielen, Zielen mit Nutzen, der Nutzen mit Maßnahmen und diese wiederum mit den Ermöglichern auf Basis von ungerichteten Kanten verbunden.


Anwendung

Ein Benefits Dependency Network kannst Du nach zwei Varianten entwickeln:

  • Von links beginnend mit den Treibern nach rechts endend mit den Ermöglichern
  • Von recht beginnend mit den Ermöglichern nach links endend mit den Treibern

Variante 1: Start mit den Treibern

Zunächst überlegst Du Dir, welche Treiber Dich dazu veranlassen, ein spezifisches Ziel zu formulieren. Nutze für die Treiberanalyse, beispielsweise das PESTEL Framework oder das Porter's Five Forces Modell. Sorge dafür, dass die Ziele SMART sind, also spezifisch, attraktiv, realistisch und terminiert.

Anschließend leitest Du den resultierenden Nutzen ab und überlegst, welche Maßnahmen eingeleitet werden müssen.

Schließlich bestimmst Du die notwendigen Ermöglicher. Je nachdem, wie konkret Maßnahmen und Ermöglicher sind, kannst Du nun bereits einen Projektsteckbrief bzw. eine Aufgabenliste aufsetzen.

Variante 2: Start mit den Ermöglichern

Alternativ beginnst Du mit den Dir verfügbaren Ermöglichern und überlegst Dir, welche Aufgaben bzw. Jobs diese unterstützen. Von diesen Maßnahmen leitest Du den Mehrwert ab und fragst Dich, mit welchen Zielen dieser Nutzen verknüpft ist. Im letzten Schritt bestimmst Du, auf welche Treiber die Ziele einzahlen.

Wende Variante 1 an, wenn die Treiber klar sind und auch schon vage Ziele (Produktidee, Erfüllung neuer Gesetze etc.) im Raum stehen. Strukturiert leitest Du nun Nutzen, Aktivitäten und Hilfsmittel ab. Bringe hingegen Variante 2 zum Einsatz, wenn Dir ein bestimmter Ermöglicher zur Verfügung steht (Technologie, Kundenzugang etc.) und Du herausfinden möchtest, welchen Zielen dieser dient. In meiner Consulting Praxis kommt in vier von fünf Fällen Variante 1 zum Tragen. Variante 2 nutze ich für kreative Sitzungen, beispielsweise bei einer Brainstorming Sitzung oder in Kombination mit der SCAMPER Methode.

Für beide Ansätze ist ein iteratives Vorgehen der Schlüssel zum Erfolg. Das heißt: Prüfe und verfeinere Dein Benefits Depedency Network in mehreren Arbeitswellen. Meist haben der Erste und Dritte Entwurf nur noch wenige Gemeinsamkeiten, außer vielleicht, dass die jüngste Fassung fast immer die sehr viel Bessere ist.


Beispiele

Halbmarathon in unter 2 Stunden

Ein Freund schlägt Dir vor, mit ihm am 15. Juni den City Halb-Marathon zu bestreiten.

Er appelliert an Deinen sportlichen Ehrgeiz (Treiber 1). Zudem rät Dir Dein Hautarzt zu mehr Bewegung (Treiber 2). Schließlich planst Du einige Kilos abzuspecken, im Sommer geht es nämlich an den Strand (Treiber 3).

Dein Ziel ist die Absolvierung von rund 21 Kilometern in unter 2 Stunden (Ziel). Neben körperlicher Fitness (Nutzen 1), versprichst Du Dir Anerkennung im Freundes- & Bekanntenkreis (Nutzen 2) sowie Ausgleich zum Job (Nutzen 3).

Um die komplette Distanz auch laufen zu können, trainierst Du fortan 4x die Woche mindestens 1 Stunde (Maßnahme 1). Zudem beschließt Du, zwei Testläufe von je 15 Kilometern in unter 1:30 Stunden zu absolvieren (Maßnahme 2).

Für die beiden 15 Kilometerrunden verabredest Du Dich mit Deinem Sportsfreund zum Jogging (Ermöglicher 1), deckst Dich zudem mit Laufbekleidung ein (Ermöglicher 2) und legst Dir eine Pulsuhr zu (Ermöglicher 3).

Benefits Dependency Network
Beispiel für ein Benefits Depedency Network "Halbmarathon in unter 2 Stunden laufen"

Vor- & Nachteile

Pro

  • Ein Benefits Depedency Network sorgt für Begriffsklarheit. Stringent trennt es zwischen Konzepten zu Zweck, Herangehensweise und Mittel.
  • Schnell erlernt, kannst Du das Tool für strategische Aufgaben wie einer Markteintrittsbetrachtung oder einer Neuproduktentwicklung heranziehen.
  • Aber auch bei nachgelagerten taktischen und operativen Aufgaben , beispielsweise der Erstellung eines Business Case oder der Plausibilisierung des Projektnutzens, unterstützt Dich ein BDN.

Contra

  • Beachte, dass Dir das Netzwerk weder beim Finden noch beim Formulieren von Knoten und ihren Verbindungen hilft.
  • Auch garantiert das Modell nicht, dass Du die identifizierten Knoten den richtigen Kategorien zuordnest bzw. das der Detaillierungsgrad für jedes Element identisch ist.
  • Bei sehr vielen Knoten stößt ein BDN an seine Grenzen. Zwar kannst Du 20 Treiber, 25 Ziele, 37 Nutzenargumente, 34 Maßnahmen und 28 Ermöglicher auf eine Folie packen, wirklich übersichtlich und lesbar ist das Modell bei dieser Fülle von Infos jedoch nicht mehr.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Knoteninhalte einheitlich formulieren

    Notiere die Knotenpunkte uniform und sorge damit für eine bessere Lesbarkeit und Verständlichkeit Deines Benefits Depedency Networks. Dazu notierst Du die Treiber als Zustände (z.B. ‘Kundenunzufriedenheit hält an’), die Ziele als Aufforderung (z.B. ‘Die Zufriedenheit der Kunden um 10 Prozent erhöhen’), den Nutzen als Adjektiv-Substantiv Wortgruppe (z.B. ‘Gesteigerte Kundenloyalität’), die Maßnahmen als Aktivität (z.B. ‘Kundenumfrage durchführen’) und die Ermöglicher als Substantiv (z.B.: ‘Online Umfrage-Tool’).

  • Tipp 2 - An den Bedarfen der Stakeholder ausrichten

    Projekten werden von Menschen für Menschen gestartet und umgesetzt. Verliere bei der Arbeit mit dem Benefits Depedency Network daher nicht die Stakeholder aus dem Auge. Welche Wirkung haben die Akteure auf die Ziele? Welche Stakeholder-Gruppen profitieren wie von der Zielerreichung? Wer ist an der Maßnahmenrealisierung beteiligt? Kombiniere die Ergebnisse des BDN mit Deiner Stakeholderanalyse bzw. einem Zieldiagramm.

  • Tipp 3 - Knotenangaben quantitativ formulieren

    ‘Lange Wartezeiten’, ‘Reduktion der Fehler’, ‘Zeitersparnis’ – dieser Treiber, dieses Ziel bzw. dieses Nutzenversprechen sind korrekt, jedoch sehr allgemein. Reichere die Elemente Deines BDN im zweiten bzw. dritten Arbeitsgang mit spezifischen Mengenangaben an. ‘Lange Wartezeiten > 10 Minuten’, ‘Reduktion der Fehler um 5 Prozent bis 2020’ oder ‘Zeitersparnis von 2 Stunden / Tag’ sind viel spezifischer und nützlicher für die Weiterarbeit.

  • Tipp 4 - Für einen Business Case heranziehen

    Ein Benefits Depedency Network eignet sich prima zur strukturierten Ableitung eines Business Cases. Bestimme den Nutzen, die Maßnahmen und Ermöglicher für ein Ziel und quantifiziere diese, soweit dies natürlich geht. Stelle anschließend aus dem Nutzen generierten Gewinn den Kosten aus Maßnahmen und Ermöglichern gegenüber.

  • Tipp 5 - Netzwerk auf mehreren Ebenen entwickeln

    Droht Dein Business Dependency Network zu unübersichtlich zu werden, hast Du zwei Möglichkeiten.

    Variante 1: Trenne das Netzwerk in mehrere Abschnitte gleichen Abstraktionsniveaus auf, vorzugsweise entlang der Ziele. Jede Folie enthält ein Ziel, die dazugehörigen Treiber, Nutzenelemente, Maßnahmen und Ermöglicher.

    Variante 2: Führe eine zusätzliche Abstraktionsstufe ein. Ebene 1 enthält auf einer Seite die Übersicht, das Big Picture. Ebene 2 widmet sich detailliert einem aus dem Ziel abgeleiteten Teilziel. Oft sind die Maßnahmen von Ebene 1 die Ziele von Ebene 2.

  • Lesetipp

    Bist Du in der IT bzw. wie ich an der Schnittstelle zur IT angesiedelt, dann ist das Buch Benefits Management: How to Increase the Business Value of Your IT Projects* von John Ward und Elizabeth Daniel einen Blick Wert. Das Werk vertieft den BDN Ansatz und seine Anwendung für IT-Projekte.


Ursprung

Ursprünglich geht das Benefits Dependency Network auf die Cranfield School of Management und ihren Benefits Management Ansatz zurück. 2006 publizierten die US-Amerikaner John Ward und Elizabeth Daniel das Buch Benefits Management: How to Increase the Business Value of Your IT Projects*, das ebenfalls das Modell als einen Ansatz der Wertuntersuchung vorstellte.


Bonusmaterial

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John Chapmann: Benefit Dependency Maps and Improving Decision Making (6 min) - Aufbau und die Anwendungsweise eines BDN. Beachte, dass die Struktur etwas von meiner Erklärung abweicht und der Sprecher mit den Ermöglichern auf der linken Seite startet.

Christopher Schulz/Consulting-Life.de: Das Benefits Dependency Network (25 min) - Mitschnitt der Consulting Methodenschmiede mit weiteren Tipps sowie Fragen & Antworten der Teilnehmer

Zuletzt aktualisiert am 25. Februar 2021 durch Dr. Christopher Schulz

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