Hand aufs Herz: Hast Du in Deinen Projekten einmal eine Aufgabe übernommen, für welche Dir nicht klar war, wer eigentlich der Ergebnisempfänger ist? Noch schlimmer: Auf welches Geschäftsziel diese Tätigkeit überhaupt einzahlt? Nein? Glaube ich Dir nicht! Dabei ist eigentlich ganz einfach den Überblick zu behalten. Für Klarheit sorgt das Impact Mapping.


Überblick

Ergebnis: Klarer Zusammenhang zwischen Geschäftszielen, Anforderungen, Aktivitäten, Ergebnisse und Maßnahmen

Teilnehmer: Mind. 1 Person

Dauer: 30-90 Minuten

Utensilien: Whiteboard/Flipchart und Stifte

Zweck

Im Kern geht es beim Impact Mapping (zu Deutsch: Auswirkungs-Zuordnung) um die Zuordnung von Aktivitäten, Ergebnissen, Maßnahmen und Anforderungen zu einem konkreten Geschäftsziel. Diese Verknüpfung visualisierst Du explizit mittels einer Mind-Map. Dir und Deinen Teamkollegen werden damit die Gründe klar, bestimmte Tätigkeiten im Projekt zu erfüllen bzw. Aktivitäten ohne Ziel kurzerhand abzubrechen. Mittels Impact Mapping arbeitest Du an genau den Dingen, die einem Ziel zuträglich sind. Hinter jeder Aktivität steckt eine klare Absicht. Effektivität pur!


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Hinter der Methode steckt der Serbe Gojko Adžić. 2012 verfasste der inzwischen nach England emigrierte Softwareberater das Buch Impact Mapping: Making a Big Impact with Software Products and Projects*. Ursprünglich konzipierte Adžić Impact Mapping für die Softwareentwicklung. Sein Hauptanliegen war es, den Graben zwischen Fachabteilungen und IT zu schließen. Informatiker sollten nicht nur technisch denken, sondern auch den wirtschaftlichen Mehrwert ihres Tuns im Blick haben. Durch und durch agil, hilft die Methode, Fachexperten und Technikern ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.


Aufbau

Eine Impact Map umfasst genau ein Ziel, welches mit einem oder mehreren Aktoren direkt verknüpft ist. Die Aktoren sind wiederum mit Auswirkungen, diese schließlich mit Ergebnissen verbunden. Damit ergibt sich eine Kette.

Impact Mapping
Struktur und Elemente einer Impact Map

Ziel (engl. Goal)

Definiert das ‚Warum‘, daher das SMARTe – zumindest messbare und terminierte – Geschäftsziel das erreicht werden soll. Typische Fragen, um an das Ziel zu gelangen sind beispielsweise:

  • „Warum tun wir das?“
  • „Was ist unser Bedarf?“
  • „Welches Problem wollen wir lösen?“

Aktoren (engl. Actors)

Beschreibt das ‚Wer‘, daher die möglichen Stakeholder, die die Ergebnisse beeinflussen können. Schlüsselfragen sind:

  • „Wer setzt die Zielerreichung um?“
  • „Wer profitiert/verliert vom Zielzustand?“
  • „Wer wird durch das Ziel positiv/negativ beeinflusst?“

Auswirkungen (engl. Impacts)

Legt das ‚Wie‘ fest, daher verknüpft die Aktoren mit dem Geschäftsziel. Mögliche Fragen sind:

  • „Wie können die Aktoren helfen, dass Ziel zu erreichen?“
  • „Wie könnten die Aktoren die Zielerreichung verhindern?“
  • „Wie sollte sich das Verhalten der Aktoren ändern?“

Ergebnisse (engl. Deliverables)

Fixiert das ‚Was‘, daher welche Anforderungen, Aktivitäten, Ergebnisse etc. und in welchem Umfang getan werden müssen, um das Ziel zu erreichen. Typische Fragen sind:

  • „Was kann getan werden, um die Auswirkung zu erreichen?“.
  • „Was für ein Ergebnis führt zu einer Auswirkung?“
  • „Was für eine Anforderung muss für eine Auswirkung erfüllt werden?“

Das liest sich einfach. Doch Vorsicht! Bei den Aktoren, Auswirkungen und Ergebnissen sowie den Verknüpfungen handelt es sich um testbare Hypothesen. Bevor Du sicher gehen kannst, dass diese Annahmen tatsächlich auf ein Ziel einzahlen, musst Du sie zunächst validieren, das heißt bestätigen oder wiederlegen.


Anwendung

Impact Mapping kannst Du allein oder im Team zum Einsatz bringen. Besser ist aus meiner Erfahrung die Gruppenarbeit mit Personen aus unterschiedlichen Bereichen. Diese bringen ihre individuelle Sichtweise auf Ziele, Aktoren, Auswirkungen und Ergebnisse ein. Durchlaufe folgende fünf Schritte, um zur perfekten Impact Map zu gelangen.

  • 1

    Ziele definieren

    Fixiere ein messbares Ziel und lege dessen zeitlichen Rahmen fest. Am besten Du definierst auch gleich einen ersten Projektmeilenstein, um dieses Ziel zu erreichen. Achte in allen Fällen darauf, dass das Ziel einen Geschäftsbezug hat und die Messmethoden klar sind.

  • 2

    Aktoren verknüpfen

    Überlege Dir Aktoren, die mit diesem Ziel im Zusammenhang stehen. Verknüpfe Ziel und Aktor wie bei einer Mind-Map mit einer simplen Linie.

  • 3

    Auswirkungen finden

    Finde nun Auswirkungen, daher Handlungen der Aktoren, die Dir helfen, das Ziel zu erreichen. Ordne die Auswirkungen den Aktoren zu.

  • 4

    Ergebnisse erarbeiten

    Erarbeite anschließend konkrete Ergebnisse, Aktivitäten und Anforderungen, die erledigt werden müssen, damit der Aktor zur zielführenden Handlung veranlasst wird. Priorisiere Deine Ergebnisse, beispielsweise anhand der Umsetzungskosten und der wahrgenommene Nutzen für den Kunden.

  • 5

    Annahmen validieren

    Überprüfe schließlich die Top-Prio Ergebnisse und entscheide dann, ob der Zweig Ergebnis-Auswirkung-Aktor dem Ziel tatsächlich zuträglich ist und daher weiter verfolgt werden sollte. Mit jedem dieser Tests lernst Du dazu, erkennst, ob sich das Aktorenverhalten zum positiven (Ziel hin) verändert.

Durchlaufe die Schritte 2 bis 5 iterativ (daher wiederholend) und ergänze nach und nach Alternativen. Um noch mehr Ideen zu erhalten, kannst Du Impact Mapping gerne mit Kreativitätstechniken wie dem Brainstorming, der 6-3-5 Methode oder der 6-Hüte-Methode kombinieren. Die aufgestellten Hypothesen testest Du anschließend mit Hilfe der Testkarte.


Beispiele

Die Abbildung zeigt eine unvollständige Impact Map am Beispiel Consulting-Life.de. Das Ziel ‚Erhöhe Blogleser um 10 Prozent in 2016‘ kann unter anderem durch Blogstammleser, andere Blogautoren sowie Websuchende erreicht werden. Damit diese ein bestimmtes Verhalten zeigen, das heißt eine Auswirkung hinzukommt, sind verschiedene Ergebnisse in Betracht zu ziehen.

Als Arbeitshypothese nimmst Du beispielsweise an, dass das Ziel mit Hilfe des (wen hätte es gewundert) Aktors ‚Blogstammleser‘ erreicht werden kann. Den Beweis musst Du jedoch durch die Fertigstellung der entsprechenden Ergebnisse noch antreten. Testkarten helfen hier.

Impact Mapping
Beispiel einer Impact Map für eines der Blog-Ziele von Consulting-Life.de

Nicht jeder Pfad muss umgesetzt werden. Die Auslieferung eines Ergebnisses kostet Zeit und Geld. Wäge ab, wie viel Du und Dein Team bereit sind für ein Resultat und damit in ein Ziel zu investieren.


Vor- & Nachteile

Pro

  • Das Impact Mapping rückt das Ziel in den Vordergrund. Eigenschaften, Merkmale, Anforderungen etc. stehen hinten an.
  • Die große Stärke von Impact Mapping ist es, einen Lösungsraum aufzuspannen aus dem Du Dich dem Ziel aus verschiedenen Richtungen her annähern kannst.
  • Ein Neuling erlernt die Grundzüge der Methode innerhalb von fünf Minuten. Zudem halten Videoplattformen wie YouTube kostenfreie Einführungsvideos bereit.
  • Die grafische Herangehensweise unterstützt die rasche Variation neuer Ideen, ob nun auf einer reinen operativen oder strategischen Ebene.

Contra

  • Da Impact Mapping eine relativ junge Methode ist, die zudem aus dem Software Engineering kommt, kann es sein, dass bei Anwendung im Team zunächst Vorbehalte bzgl. der Anwendung existieren. Trete diesen mit einem konkreten Beispiel und dem damit verbundenen Nutzen entgegen.
  • Die Methode ist etwas komplizierter als das QHAR Prinzip oder das Zieldiagramm. Gerade die Verbindungen zwischen Aktoren und Auswirkungen bzw. Auswirkungen und Ergebnissen liegen Anfängern nicht sofort auf der Hand.
  • Die Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen sind nur qualitativer Natur. Wie stark ein Stakeholder auf ein Ziel einzahlt bzw. ein Ergebnis eine Auswirkung beeinflusst, kann aus einer Impact Mapp nicht abgelesen werden.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Ergebnisse ohne Zielbezug fallenlassen

    Scheue Dich nicht davor, Ergebnisse mit geringer Aussicht auf Beitrag zu einem Ziel fallen zu lassen. Ein Ergebnis ist eine Option. Es verursacht zeitlichen Aufwand und finanzielle Kosten, hält Dich von der Entwicklung anderer nützlicher Ergebnisse ab.

  • Tipp 2 - Stakeholder früh einbinden

    Binde die durch eine Stakeholderanalyse aufgespürten Fach- und IT-Experten frühzeitig in die Entstehung Deiner Impact Map ein. Diese betrachten das Ergebnis dann als ‚ihr Baby‘, teilen zudem ein gemeinsames Verständnis bzgl. Begriffe und Zusammenhänge.

  • Tipp 3 - Bezeichnungen einheitlich formulieren

    Ziel, Aktor, Auswirkung und Ergebnisse sollten immer auf die gleiche Weise formuliert werden. Beispielsweise kannst Du ein Ziel sowie die Auswirkungen in imperativer Form beschreiben (zum Beispiel „Erhöhe Blogleser um 10 Prozent in 2020“). Für Aktoren und Ergebnisse nutzt Du hingegen ein Substantiv.

  • Tipp 4 - Methode zur Ergebnispriorisierung nutzen

    Ebenfalls möglich ist eine inverse Anwendung der Methode mit dem Zweck, effektive von weniger effektiven Aufgaben zu trennen (siehe Eisenhower Methode). Hast Du spezifische auszuliefernde Ergebnisse vor der Brust, kannst Du Dich umgekehrt fragen, bei welchen Aktoren diese zu einer spezifischen Wirkung führen und was für ein Ziel damit (wenn überhaupt) erfüllt wird. Falls ein Ergebnis ein offizielles Ziel nur mäßig unterstützt, solltest Du darüber nachdenken die Arbeit an diesem zu verschieben.

  • Lesetipp

    Am besten Du surft auf der Webseite von Gojko Adžić unter www.impactmapping.org vorbei. Dort bietet Dir der Erfinder von Impact Mapping weiterführende Infos und Material für Workshops.


Zusammenfassung

Arbeitest Du und Dein Projektteam regelmäßig an Aufgaben, deren geschäftliches Ziel für Dich im Nebel liegen?

Hast Du ein Ziel und möchtest herausfinden, welcher Stakeholder, welche Auswirkungen und welche Ergebnisse Dir bei dessen Erreichung helfen?

Rasch und einfach hilft Dir Impact Mapping, qualitative Antworten auf beide Fragen zu erhalten. Dabei ist die resultierende Impact Map ein modernes Instrument strategischer Planungstechnik.


Bonusmaterial

Skyscanner Growth: The art of Impact Mapping – der 6-Minuten Clip erklärt Impact Mapping

Gojko Adžić: Impact Mapping with Innovation Games – englischsprachiger Vortrag vom Erfinder zu seinem Konzept

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