Als Vortragssprecher, Manager oder Wissensarbeiter bzw. deren Berater bist Du mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Wie kann ich meine mündlichen und schriftlichen Botschaften schlüssig, überzeugend und belastbar gestalten?
  • Welche Argumentationsstruktur hilft mir in Meetings, Workshops und Präsentationen?
  • Auf welche Weise kann ich Ideen, Vorschläge und Aussagen in Dokumenten, Präsentationen und E-Mails systematisch kommunizieren?

Unterstützung findest Du im SEEC Modell und der Zerlegung eines Argumentes in vier Bestandteile.


Überblick

Ergebnis: Argument überzeugend, verständlich und belastbar formuliert

Teilnehmer: mind. 2 (Sender und Empfänger)

Dauer: ab 1 Minute (je Thema, Zeit und Empfänger)

Utensilien: Flipchart/Whiteboard/Meta-Planwand & Stifte oder Notebook & Office Software

Zweck

Das SEEC Modell unterstützt Dich bei der mündlichen und schriftlichen Argumentation. Nutze die Struktur, sobald Du Informationen systematisch, überzeugend und klar kommunizieren möchtest. Das englischsprachige Akronym SEEC steht für Statement, Explanation, Example und Conclusion, zu Deutsch Statement, Erklärung, Exempel und Konklusion.

Mit dem SEEC Modell untergliederst Du ein Argument in vier Bestandteile, machst es für den Empfänger damit glaubhaft, verständlich und merkbar. Dir als Sender hilft SEEC Deine Behauptungen stabil, klar und einprägsam zu formulieren.

Gebräuchliche Synonyme für das SEEC Modell sind SEEC Methode, SEEC Prinzip, SEEC Technik, SEEC Struktur, SEEC Formel oder SEEC Argumentation wahlweise auch mit Bindestrich nach SEEC oder in englischer Sprache.


Aufbau

Mit dem SEEC Modell zerlegst Du Deine Argumente in vier Bestandteile: Statement, Erklärung, Exempel und Konklusion.

SEEC Modell

Statement (Behauptung, Aussage, These)

Ein zentraler deklarativer Satz, der entweder wahr oder falsch ist. Jeder Foliensatz, jede E-Mail, jedes Dokument oder jeder Vortrag von Dir sollte mindestens ein Statement enthalten.

  • "Wir brauchen neue Flugzeuge."
  • "Australien ist ein schönes Land."

Achte darauf, dass Dein Statement dem Empfänger klar verständlich und für ihn auch bedeutsam ist. Es sollte sich zudem auf einen konkreten Sachverhalt beziehen und über die Zeit nicht von der Meinung und den Befindlichkeiten des Empfängers verwässert werden.

Je kürzer und prägnanter Dein Statement, desto besser.

Explanation (Erklärung, Beleg, Begründung)

Die Erklärung begründet Dein Statement, zeigt also, weshalb Deine Kernaussage wahr und für den Empfänger relevant ist. Nutze für die Begründung Bindeworte wie 'weil', 'da', 'vor dem Hintergrund' oder 'im Hinblick auf'.

  • "Wir brauchen neue Flugzeuge. Die alten Flugzeuge stellen ein Sicherheitsrisiko dar."
  • "Australien ist ein schönes Land, weil es dort so Korallenriffe gibt."

Ein Statement von Dir sollte mindestens eine Erklärung besitzen. Bei mehreren verfügbaren Belegen wählst Du diejenigen aus, die für den Empfänger am zutreffendsten und einfachsten verständlich sind.

Example (Exempel, Beispiel, Beweis)

Ein Beispiel unterlegt Dein Statement mit konkreten Fakten und erhöht damit dessen Wahrheitsgehalt und Stellenwert. Ohne ein Beispiel muss ein Empfänger nur Deiner Erklärung widersprechen, um Deine Behauptung anzuzweifeln. Führe Dein Beispiel mit Wortgruppen wie 'Beispielsweise...', 'Wie kürzlich von XY berichtet...', 'Nehmen wir als Beispiel...' oder 'Wie XY zeigt...' ein.

  • "Wir brauchen neue Flugzeuge. Die alten Flugzeuge stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Sechs von zehn Flugzeugen wiesen bei der letzten Überprüfung Mängel auf."
  • "Australien ist ein schönes Land, weil es dort so Korallenriffe gibt. Das Magazin National Geographic hat diese Korallenriffe als beste Tauchorte der Welt gekürt."

Ein sehr plastisches und für den Empfänger bedeutendes Exempel macht Dein Statement anschaulich und verständlich. Nutze offizielle Zahlen, Daten und Fakten sowie bekannte Namen und Zitate.

Conclusion (Konklusion, Folgerung, Ergebnis)

Die Konklusion erinnert den Empfänger an Dein Statement, indem sie dieses 1:1 wiederholt oder in ähnlichen Worten widergibt.

  • "Wir brauchen neue Flugzeuge. Die alten Flugzeuge stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Sechs von zehn Flugzeugen wiesen bei der letzten Überprüfung Mängel auf. Last uns die Flugzeugflotte erneuern."
  • "Australien ist ein schönes Land, weil es dort so Korallenriffe gibt. National Geographic hat diese Korallenriffe als beste Tauchorte der Welt gekürt. Gerade aus diesem Grund ist Australien wunderschön."

Bei mehreren ausführlichen Erklärungen und Beispielen besteht das Risiko, dass Dein Empfänger Dein ursprüngliches Statement vergisst. Mit der Konklusion weist Du erneut auf den zentralen Punkt hin und ermunterst zur Tat.


Anwendung

Jede Argumentation kannst Du mit dem SEEC Modell strukturieren. Gehe dazu wie folgt vor:

  • 1

    Statement formulieren

    Werde Dir als Erstes im klaren, welchen zentrale Botschaft Du absetzen möchtest.
    - Worin besteht die Essenz Deines Argumentes?
    - An was soll sich der Empfänger nach Interaktion mit Dir erinnern?
    - Wir würdest Du Deine Botschaft in einem einzigen Satz zusammenfassen?
    Ermittle ebenfalls die Randbedingungen der Kommunikation, also verfügbare Zeit, Situation des Empfängers, vor- und nachgelagerte Aufgaben etc..

  • 2

    Erklärungen entwickeln

    Finde zu Deinem Statement 2 bis 5 stichfeste Erklärungen. Strukturiere beispielsweise nach...
    - zeitlichen (z.B. Verkaufsjahr, Zukunft)
    - geographischen (z.B. Vertriebsland, Standort)
    - organisatorischen (z.B. Unternehmensbereich, Prozessschritt)
    Aspekten.
    Deine Belege sollten gleichartig, überschneidungsfrei, treffend und erschöpfend sein.

  • 3

    Exempel finden

    Sammle nun passende Beispiele für Dein Statement. Je nach verfügbarer Zeit und Interesse des Empfängers musst Du dabei mehr oder weniger tief bzw. breit werden.
    Auch die Beispiele sollten gleichartig, überschneidungsfrei, treffend und erschöpfend ausfallen.

  • 4

    Konklusion formulieren

    Fasse Dein Statement erneut zusammen. Gerne kannst Du es etwas fesselnder, dramatischer oder appellierender artikulieren.


Beispiele

Anwendung des SEEC Modells im Consulting

Die Beratung von Unternehmen hält viele Einsatzfelder für das SEEC Modell bereit. Eine Auswahl:


Vor- & Nachteile

Pro

  • Ob Konferenzpräsentation oder Projekt-E-Mail - das SEEC Modell ist sowohl für synchrone und asynchrone Kommunikation vielfältig nutzbar.
  • Die vom Modell vorgeschlagene Kommunikationsstruktur stellt eine belastbare und in sich schlüssige Argumentation sicher. Zudem zwingt sie Dich zur Auseinandersetzung mit den Kernaussagen.
  • Durch die Preisgabe der Behauptung direkt zu Beginn, weiß ein Empfänger immer, worauf Du mit Deinen weiterführenden Erklärungen und Beispielen hinaus möchtest. Er bleibt fokussiert. Auch ist seine Neugier auf zusätzliche Hintergrundinfos geweckt.
  • Der Aufbau von SEEC stellt sicher, dass Dein Argument auch platziert wird. Das Kondensat steht am Anfang, also zu dem Zeitpunkt, wo die Aufmerksamkeit des Empfängers am höchsten ausfällt.
  • Auch erleichtert der rote Faden des SEEC Modells das Nachvollziehen der Zusammenhänge. Durch den klaren Aufbau lassen sich die Informationen für den Empfänger besser einordnen und memorisieren.
  • Das SEEC Modell ist sehr flexibel. Hast Du nur wenig Redezeit bzw. Schreibfläche, beschränkst Du Deine Kommunikation auf ausgesuchte Erklärungen und Beispiele. Steht Dir mehr Zeit und Raum zur Verfügung, verästelst Du Deine Ausführungen breiter und tiefer.

Contra

  • Die Anwendung des SEEC Modells erfordert Disziplin und Klarheit. Argumente nach der Strukturtechnik aufzubereiten kostet Dich Zeit und Energie.
  • Für kurzfristige oder zeitkritische Kommunikation ist das Modell ungeeignet. Passende Belege und Beispiele zu finden und auszuarbeiten bedarf Zeit.
  • Die gleichförmige Anordnung von Argumenten entlang der vier Elemente von SEEC kann den Empfänger bzw. Dich als Sender ermüden.
  • Im Business setzt sich das Erzählen von Geschichten - neudeutsch Story Telling - immer stärker durch. Menschen behalten emotional ausgestaltete und aufeinander aufbauende Informationen besser im Kopf als nach dem SEEC Prinzip angeordnete Argumente.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Angriffsfläche durch Grenzen reduzieren

    Grenze optional Dein Statement zeitlich, geographisch, fallspezifisch etc. mit einer Beschränkung (englisch: Constraint) direkt vor der Konklusion ein. Ein Beispiel für das resultierende SEECC Modell:

    • “Wir brauchen neue Flugzeuge. Die alten Flugzeuge stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Sechs von zehn Flugzeugen wiesen bei der letzten Überprüfung Mängel auf. Wir müssen nur diejenigen Flugzeuge ersetzen, die älter als 30 Jahre sind. Last uns die Flugzeugflotte erneuern.”
    • “Australien ist ein schönes Land, weil es dort so Korallenriffe gibt. National Geographic hat diese Korallenriffe als beste Tauchorte der Welt gekürt. Gerade zur Urlaubssaison, also zwischen Oktober und April eines Jahres, sollen die Riffe malerisch sein. Gerade aus diesem Grund ist Australien wunderschön.”

    Auf diese Weise bietest Du Kritikern Deines Statements weniger Angriffsfläche. Außerdem wirken Deine Erklärungen und Beispiele transparenter.

  • Tipp 2 - Argumentationsformel zu BBB einkürzen

    Noch einfacher zu merken als die vier englischsprachigen Buchstaben des SEEC Modells ist das deutsche BBB, daher:

    • Behauptung – die Kernaussage Deines Argumentes
    • Beleg – Begründungen für die Kernaussage
    • Beispiel – zutreffende Beispiele

    Beachte das BBB (auch 3-B genannt) das Statement nicht noch einmal wiederholt.

  • Tipp 3 - Beispiele durch Geschichten ausschmücken

    Zahlen, Daten und Fakten geben Deinem Statement stabilen Halt, können den Empfänger aber auch langweilen. Erwäge deswegen ab und zu kleine Anekdoten, Metaphern oder Späße als Beweise für Deine Behauptungen einzuflechten. Je besser Du den Empfänger kennst, desto einfacher fällt Dir die Abwägung.


Ursprung

Bereits der griechische Universalgelehrte Aristoteles beforschte Sprache, Logik und Wissen und damit auch die Theorie der Argumentation. Vermutlich verwendete Aristoteles ebenfalls bereits das SEEC Modell, wenn auch sicherlich unter einem anderen Namen.


Bonusmaterial

"If you can’t win the argument, correct their grammar.
If you can’t do that, insult their typography."

- unbekannt

Zuletzt aktualisiert am 5. Februar 2021 durch Dr. Christopher Schulz

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