Als Projektleiter, Innovationsmanager oder Kreativarbeiter bzw. deren Berater bist Du mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Mit welcher Kreativitätstechnik können wir eine bestehende Sache optimieren?
  • Welche alternative Ideenmethode hilft uns bei der Findung von realisierbaren Geistesblitzen?
  • Auf welche Weise können wir die Innovationsfindungsprozess strukturieren?

Unterstützung findest Du in der SIT Methode und die mit ihr realisierten kreativen Denken in einem definierten Rahmen.

Überblick

Ergebnis: Ideen für die (Weiter-)Entwicklung eines Sachverhalts entwickelt

Teilnehmer: mind. 1 Person (empfohlen: Team)

Dauer: 15-60 Minuten

Utensilien: Whiteboard/Flipchart und Stifte

Zweck

Systematic Inventive Thinking (SIT), zu deutsch systematisches erfinderisches Denken, ist eine Kreativitätsmethode zum

  • Finden innovativer Ideen und
  • dem Lösen von herausfordernden Problemen.

Wie bei der SCAMPER Methode ist ein Geschäftsmodell, ein Wertangebot, ein Service oder ein anderes definiertes System Dreh- und Angelpunkt des Ansatzes. Erst nachgelagert werden die Kundenwünsche, der Technologiesprung oder das Wettbewerbsverhalten betrachtet.

Nach der SIT Methode sind kreative Einfälle das Resultat wiederholbarer Innovationsmuster. Anders als populäre Kreativitätstechniken wie das Brainstorming oder die 6-3-5 Technik gibt SIT dem Denken durch Ansätzen und Prinzipien einen festen Rahmen. Zudem fokussiert die Denkschule auf das Bestehende und Bekannte. Die Einfälle und Lösungsvorschläge liegen buchstäblich direkt vor der Nase bleiben im Rahmen des realisierbaren.


Aufbau

Grundsäulen der Systematic Innventive Thinking Methode sind ihre Ansätze und Prinzipien. Nachfolgend die Essenz nebst exemplarischen Fragen.

SIT Prinzipien (auch Denkprinzipien)

Prinzip 1: Im bekannten Rahmen denken (engl. Thinking inside the box)

Die Denkwelt ist bekannt und geschlossen (engl. closed World). Die Lösung beruht auf verfügbaren Ressourcen, die Ideen auf vertrauten Elementen.

Prinzip 2: Funktion folgt Form (engl. Function follows form)

Startpunkt sind die bestehenden Ressourcen, nicht das Problem, die gewünschte Funktion oder der Bedarf des Marktes.

Prinzip 3: Qualitative Änderung (engl. Qualitative change)

Der Kern eines jeden Problems lässt sich entfernen oder in etwas positives umwandeln.

Prinzip 4: Der Pfad des größten Widerstands (engl. Path of most resistance)

Statt die einfachste (und meist bekanntesten) Idee bzw. Lösung, wird bewusst der schwierigste Weg eingeschlagen.

Prinzip 5: Kognitive Starrheit (engl. Cognitive fixedness)

Die gesamte Konzentration wird auf die Idee bzw. Lösung verwendet.

Prinzip 6: Nah entfernt süß (engl. Near Far Sweet)

Viele Ideen und Lösungen sind für die Ausgangsfrage bzw. das Ursprungsproblem ungeeignet. Dennoch sollten sie für andere Situationen in Betracht gezogen werden.

Die fünf Denkansätze der SIT Methode

SIT Denkansätze (auch Innovationsmuster, Denkvorlagen, Ideentechniken)

Methode 1: Subtraktion (engl. Subtraction)

Ein wichtiger Bestandteil einer Lösung wird separat genutzt bzw. angeboten.

  • Welcher Teil des Services stiftet in sich allein bereits einen Mehrwert?
  • Welche Komponente des Produktes würden Kunden auch separat kaufen?

Alternativ wird ein essentieller Lösungsbestandteil entfernt und überlegt, wie die verlorene Funktion ersetzt werden könnte.

  • Womit lässt sich die Nicht-Erbringung eines Service-Teils ausgleichen?
  • Auf welche Weise könnte der Wegfall einer Produktkomponente kompensiert werden?

Bei einer dritten Sichtweise wird ein ebenfalls ein relevanter Teil einer Lösung entfernt und anschließend geprüft, inwieweit die abgespeckte Lösung andere Tätigkeiten unterstützen kann.

  • Wo kann der um einen Teil maßgeblich gekürzte Service genutzt werden?
  • Wie lässt sich das um eine wesentliche Komponente reduzierte Produkt einsetzen?

Methode 2: Multiplikation (engl. Multiplication)

Ein Bestandteil einer Lösung wird modifiziert in vielfacher Form zur Lösung hinzugefügt.

  • Welcher Teil des Service entfaltet bei vielfacher Ausführung einen hohen Mehrwert?
  • Welche Komponente des Produktes erhöht in mehrfacher Ausführung den Gesamtnutzen ?

Methode 3: Division (engl. Divison)

Ein Lösung wird in ihre Bestandteile zerlegt. Diese Einzelteile werden modifiziert und zu einer neuen Lösung kombiniert.

  • Welcher Teile eines Services lassen sich kombiniert am Markt anbieten?
  • Mit welcher alternativen Struktur könnten die Komponenten des Produktes verknüpft werden?

Methode 4:  Vereinigung (engl. Task Unification)

Neue und vorhandene Aufgaben einer Lösung werden vorhandenen Bestandteilen zugewiesen.

  • Welche weiteren Teilaktivitäten des Services können unsere Partner noch leisten?
  • Welche Aufgabe kann die bestehende Komponente des Produktes noch übernehmen?

Methode 5: Abhängigkeit (engl. Attribute Dependency)

Zwei bisher unabhängige Bestandteile einer Lösung werden durch Modifikation ihrer Eigenschaften voneinander abhängig. Die resultierende Lösung erzeugt einen höheren Nutzen.

  • Welche Teile des Services entfalten bei wechselseitiger Abhängigkeit einen höheren Wert für unsere Kunden?
  • Welche Komponenten sollten für ein besseres Produkt voneinander abhängig gemacht werden?

Alternativ werden zwei bisher abhängige Bestandteile einer Lösung durch Anpassung ihrer Eigenschaften voneinander unabhängig.

  • Was passiert, falls bisher selbstverständliche Kombinationen des Produktes aufgelöst werden?
  • Wie ändert sich der Service, falls die Verknüpfung zwischen zwei abhängigen Teilen beseitigt wird?

Anwendung

Bette die Systematic Inventive Thinking Methode in ein Workshop Format ein. Als Organisator gestaltet Du diesen wie folgt aus:

  • 1

    Welt präzisieren

    Definiere zu Beginn für die Lösung die zu betrachtende Welt. Typische Beispiele:
    - Geschäftsprozesse für Bereich XY
    - Servicemodell für Wertangebot Z
    - Geschäftsmodell für Tochteruntnernehmen XYZ
    Anders als übliche Kreativitätstechniken geht es bei der SIT Methode nicht darum zum Beginn das Problem bzw. die Fragestellung zu definieren. Vielmehr beginnt ihr mit einer abstrakten Lösung und arbeitet Euch von dieser zum Problem zurück (Prinzip 'Funktion folgt Form').

  • 2

    Ansätze anwenden

    Entwickle nun für jede der fünf SIT Denkansätze systematisch mindestens drei Ideen. Diese beleuchten die existierende Lösung kritisch, fordern sie heraus bzw. hinterfragen das Bestehende.

  • 3

    Ideen diskutieren

    Diskutiert anschließend Eure Ideen. Notiert resultierende Veränderungen, obsolete Aspekte und neue Elemente an der Lösung.

  • 4

    Ergebnisse nachbearbeiten

    Eine bloße Sammlung von Fragen und Impulsen bringen keinen weiter. Eine Nachbereitung der SIT Sitzung ist daher unerlässlich. Erfasse die Verbesserungsideen zur Lösung, gruppiere und priorisiere sie, definiere Aufgaben bzw. Projekte und verfolge diese nach.


Beispiele

SIT Denkansätze in der Praxis

Think outside the box. Auf den Kunden und seine Bedarfe fokussieren. Die Form der Funktion unterordnen. Kommen Dir solche Kreativtätsgrundsätze bekannt vor?

Das Problem: Wenn jeder so denkt, dann sind die resultierende Einfälle und Lösungsvorschläge höchstens Mittelmaß. Einen Gegenentwurf tritt die SIT Methode an. Ihr Motto: Think inside the box.

Nachfolgend mehrere Beispiele für die fünf SIT Denkansätze.

1. Subtraktion

  • Das insbesondere von Journalisten genutzte Ton-Aufnahmegeräte wurde als Teilkomponente von Sonys Walkman abgeleitet.
  • Bei einem Anästhesie-Gerät wird der Bildschirm entfernt. Die Anzeige erfolgt fortan über den Hauptbildschirm im Operationssaal.
  • Ein Elektronikkonzern verzichtet auf das Display seines neuen DVD-Abspielgeräts. Nutzer können das kompakte und preisgünstige Gerät nun direkt per Fernbedienung auf dem Bildschirm steuern.

2. Multiplikation

  • Hunderte Akkumulatorenzellen werden zu einem Pack zusammengefasst welches ein gesamtes Fahrzeug elektrisch antreibt.
  • Ein Rasierapparat wird mit mehreren Klingen ausgestattet, die den Bart noch sorgfältiger schneiden.

3. Division

  • Statt eines gesamten Kühlschranks werden Hotelzimmer mit einer Bar inklusive einem kleinen Kühlschrankfach ausgestattet.
  • Die Motoren einer Klimaanlage werden bei Einsatz in einem Raum draußen im freien montiert, die Lärmbelästigung damit reduziert.
  • Statt Kaffee in 500 Gramm Paketen zu verkaufen, verteilen Nahrungsmittelkonzerne das Pulver auf einzelne Kapseln und vertrieben diese dann zu hohen Preisen am Markt.

4. Aufgabenvereinigung

  • Neben dem Transport nutzen die Beduinen ihre Kamele für viele weiteren Aufgaben: Schatten, Währung, Zeltwände, Milch und Windschutz.
  • Der Aufbau von Möbelstücken wird an den Kunden übertragen. Dieser begrüßt die geringeren Produktkosten sowie die Möglichkeit das Möbel sofort mitnehmen zu können.
  • Heizdrähte in der Heckscheibe eines Fahrzeugs übernehmen die Sende- und Empfangsfunktion einer Antenne.

5. Eigenschaftsabhängigkeit

  • Eine Sonnenbrille erhält fotochrome Gläser. Sobald die Sonne scheint, verdunkeln sich diese.
  • Die intelligenten Frontscheinwerfer eines Fahrzeugs blenden bei Gegenverkehr automatisch ab.
  • Bei Happy Hour erhalten Gäste einer Bar während einer bestimmten Zeitspanne die Getränke zu Sonderpreisen.

Vor – & Nachteile

Pro

  • Mit seinen bewusst radikal anders formulierten Denkansätzen & -prinzipien generiert die System Inventive Thinking Methode oft ganz neue Ideen und Lösungsansätze.
  • Das Prinzip 'Think inside the box' sorgt dafür, dass tatsächlich umsetzbare Ideen und Lösungen entwickelt werden.

Contra

  • Bei der Anwendung der SIT Methode besteht die Gefahr des 'Habe Lösung, suche Problem'-Phänomens. So wird Zeit und Energie für potentiell nützliche Antworten und Konzepte investiert, die eigentlich gar nicht erforderlich wären.
  • Das Kreativitätsteam muss im Vorfeld die Ansätze und Prinzipien verstehen und sich auf diesen einlassen wollen. Gerade in traditionellen Umfeld kann die Methode daher auf Ablehnung stoßen.
  • Wie die SCAMPER Methode spielt das Systematic Inventive Thinking seine Stärken bei der Weiterentwicklung von bestehenden Sachverhalten aus. Für Neukreationen ist die Technik weniger geeignet.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Mit anderen Methoden kombinieren

    Das System Inventive Thinking lässt sich gut mit anderen Kreativitätsmethoden kombinieren. Verpasse einer Brainstorming Ideensitzung bzw. einem 6-3-5 Problemlösungsmeeting mit SIT eine Struktur. Analysiere die Ideen mit Hilfe der KJ Methode sowie der Ideenbewertung. Bringe schließlich Testkarten zum Plausiblisieren der Ideen zum Einsatz.

  • Tipp 2 - Ideenvolumen vor Ideenqualität stellen

    Wie bei der Brainstorming Methode gilt: Versuche nicht die Vorschläge zu bewerten. Denkt frei und schränkt die Gedanken nicht unnötig ein. Die besten Optimierungen einer Lösung kommen oft von Ideen, die auf den ersten Blick abwegig erscheinen.

  • Tipp 3 - Team mit verschiedenen Personen bestücken

    Innovative Ansätze entstehen meist an der Schnittstelle. Lade daher zu Deinem SIT Meeting Kollegen aus anderen Unternehmensbereichen ein.

    • Welche Ideen hat der kundenorientierte Vertriebler?
    • Was kann der technisch-versierte Ingenieur einbringen?
    • Worin bestehen die Ideen des jüngst eingestellten Werkstudenten?

    Je breiter das Wissen der Teilnehmer gefächert ist, desto besser.

  • Lesetipp

    Alle SIT Denkansätze und Prinzipien nebst Beispielen findest Du im Buch Inside the Box: Warum die besten Innovationen im Geschäftsleben direkt vor Ihren Füßen liegen* von Drew Boyd, Jacob Goldenberg und Philipp Gasteiger.


Ursprung

Die Systematic Inventive Thinking Methode wurde in den 1990er Jahren in Israel durch Ginadi Filkovsky, Jacob Goldenberg und Roni Horowitz ersonnen. Als Vorbild diente die Analyse-, Lösungs- und Vorhersagetechnnik TRIZ des Russen Genrich Altshuller. Heute kommt SIT sowohl in der Industrie als auch auch der Wissenschaft zum Einsatz. Die 1996 gegründete gleichnamige Unternehmensberatung – Systematic Inventive Thinking – mit Sitz in Tel Aviv, Israel begleitet Kunden mit Hilfe von SIT in Innovations- und Entwicklungsprojekten.


Bonusmaterial

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Alon Harris: About SIT – Kurzpräsentation der Technik sowie des gleichnamigen Unternehmens

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SITBlog: SIT’s Innovative Problem Solving Case Study – Oversubscribing Antibiotics – 3.5-minütige Fallstudie zur Anwendung der Methode im Gesundheitsumfeld

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Erez Tsalik/TEDxKlagenfurt: The Advantage of Thinking Inside the Box – 11-minütige englischsprachige Präsentation zur Methode und ihren Vorzügen

Zuletzt aktualisiert am 14. November 2020 durch Dr. Christopher Schulz

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