Ishikawa? Wie wird das denn ausgesprochen? Vielleicht bist Du in Deiner beruflichen Laufbahn schon einmal über den Begriff gestolpert. Mit Sicherheit ging es da um Probleme und mögliche Ursachen. Ein Ishikawa Diagramm – auch genannt Fischgrätendiagramm – hilft Dir genau dabei. Mit ihm spürst Du für ein gegebenes Problem mögliche Ursachen auf.  Doch das Consulting Tool kann noch viel mehr.


Überblick

Ergebnis: mögliche Ursachen eines Problems gruppiert nach Kategorien

Teilnehmer: Mind. 1 Person (Team empfehlenswert)

Dauer: 30-90 Minuten

Utensilien: Whiteboard/Flipchart und Stifte oder Mindmap Software

Zweck

Ein Ishikawa Diagramm nutzt Du zur Identifikation von Ursachen für ein spezifisches Problem. Du visualisierst systematisch und übersichtlich die (potentielle) Kausalbeziehungen zwischen verschiedenen Ursachen (engl. Causes) und einer Wirkung – dem Problem (engl. Effect).


Keinen Lösungsansatz? Hilfe im Consulting Methodenkoffer!

  • Problemlösungs-Knowhow digital und überall abrufbar
  • Über 100 erprobte Methoden und nützliche Vorlagen
  • Kompakt erklärt, einfach anzupassen und sofort umsetzbar
  • Monatlich neue Methoden, Vorlagen und Updates

Doch das Werkzeug lässt sich nicht nur für das Identifizieren von (möglichen) Gründen für ein Problem einsetzen. Mit seiner eingängigen und rasch verständlichen Struktur unterstützt es Dich auch bei Ideen- und Kreativitätstechniken.

Oft wird ein Ishikawa Diagramm als ein Fisch mit sechs Hauptgräten dargestellt. Vor diesem Hintergrund bezeichnen einige Personen die Visualisierungsform auch gern als ‚Fischgrätendiagramm‘ bzw. englisch ‚Fishbone diagram‘. Alternative Bezeichnungen sind ‚Ursache-Wirkungs-Diagramm‘ bzw. ‚Cause and effect diagram‘ sowie ‚4M-Methode‘, ‚6M-Methode‘ bzw. ‚8M-Methode‘, wobei die voranstehende Nummer für die Anzahl der Ursachenkategorien steht und ‚M‘ der Anfangsbuchstabe der Ursache ist.

Übrigens trägt das Ishikawa Diagramm den Namen seines gleichnamigen Schöpfers Ishikawa Kaoru. Der japanische Chemiker konzipierte in den 1940er und 50er Jahren ein ganzes Arsenal von Qualitätswerkzeugen, darunter 1943 auch der heute noch bekannte Diagrammtyp.


Aufbau

Das Ishikawa Diagramm besteht aus genau drei Bestandteilen:

Diagrammkopf

Als Ishikawa Kaoru den Diagrammtyp ersann, kannte er sicherlich das Sprichwort „Der Fisch stinkt vom Kopf„. Im Ishikawa Diagramm trägt der Kopf das zu analysierende Problem, die Schwachstelle bzw. die Anomalie. Formuliere ihn so präzise und spezifisch wie möglich. Der Kopf wird von den einzelnen Gräten bestimmt bzw. definiert diese. Er ist damit gleichzeitig Bezeichner für bzw. Resultat von den Gräten.

Hauptgräten

Die mit dem Kopf verbundenen Hauptgräten repräsentieren die möglichen Ursachenkategorien für das Problem. Als kleine Hilfe schlug der Erfinder Ishikawa Kaoru vier, später sechs Kategorien vor:

  • Mensch (z.B. Kommunikation, Zusammenarbeit, Rollen, Hierarchien)
  • Maschine (z.B. Bauart, Leistung, Wartungszustand)
  • Mitwelt (z.B. Arbeitsklima, Arbeitsvereinbarungen, Gesetze)
  • Material (z.B. Zustand, Kennwerte, Lagerung)
  • Methode (z.B. Vorgehensweisen, Geschäftsprozesse, Arbeitsanweisungen)
  • Messung (z.B. Kalibrierung, Kennzahlen, Kontrollprozesse)

Weitere verbreitete Ursachentypen sind ‚Management‘ (z.B. Ziele, Entscheidungen, Strategie) und ‚Money‘ (z.B. Investition, Verbindlichkeiten, Vermögen). Bitte beachte, dass es sich hier nur um eine Anregung handelt. Wähle zusätzliche bzw. alternative Kategorien, die nicht zwangsläufig mit dem Buchstaben ‚M‘ beginnen müssen.

Verzweigungen

In Form von Verzweigungen hängen an den Hauptgräten die spezifischen Problemursachen. Definiere diese so konkret wie möglich. Ursachen können sich auch weiter in Unterursachen verzweigen, diese in Unterunterursachen, etc.. Unterscheide zwischen tatsächlichen und potentiellen Ursachen. Tatsächliche Ursachen lassen sich durch Beispiele, Beobachtungen, Befragungen und Messungen belegen. Potentielle Ursachen sind vermutete Gründe für das Problem. Ihr Beleg steht noch aus.

Gerne kannst Du das Ishikawa Diagramm mit weiteren Meta-Informationen wie den Autoren, das Datum der letzten Aktualisierung sowie einer prägnanten Überschrift versehen.


Anwendung

Ein Ishikawa Diagramm entwickelst Du am besten im Team. Mittels Kreativitätstechniken wie dem Brainstorming, der 6-Hüte-Methode oder SCAMPER kommt ihr rasch zu den verschiedenen Ursachen. Unterschätze als Leiter einer Ishikawa-Sitzung nicht den Vorbereitungsaufwand. Fixiere die Problembeschreibung, überlege Dir problemrelevante Fragen und wähle passende Kategorien. Kommuniziere zudem einen Zeitbedarf von mindestens 30 Minuten an Deine Kollegen.

  • 1

    Ishikawa Diagramm vorbereiten

    Notiere das Diagramm auf einem Whiteboard, Flipchart, Metaplanwand oder Brownpaper. Ergänze im Kopf das Problem und wähle anschließend fachlich vertraute Ursachenkategorien, die zum Problem passen. Formuliere prägnant und eindeutig. Als Anzahl hat sich in meinen Anwendungen ein Wert zwischen mindestens 4 und maximal 8 Kategorien als optimal herausgestellt.

  • 2

    Problemursachen sammeln

    Identifiziert im Team die (potentiellen) Ursachen des Problems. Achtung: Ursachen, nicht Symptome. In der Hitze des Treffens passiert es regelmäßig, dass sich die Diskussionen an den Symptomen festbeißen.
    Notiert die Symptome auf selbstklebende Karten, die ihr im Nachhinein auch verschieben könnt. Haltet Euch beim Sammeln an die Brainstorming Regeln. Zuerst zählt die Quantität, erst im Anschluss wird bewertet. Stelle offene Fragen nach dem Warum und motiviere damit Deine Kollegen weniger offensichtliche Ursachen ans Tageslicht zu fördern.

  • 3

    Ergebnis prüfen

    Überprüft anschließend, ob ihr den Großteil der Ursachen finden konntet bzw. diese auch korrekt verzweigt wurden. Stelle hier erneut Fragen, um letztlich die Grundursache (engl. Root Cause) aufzudecken. Nützlich dabei ist die mehrfache Frage nach dem 'Warum' mittels der Five-Why-Fragetechnik.

  • 4

    Hauptursachen auswählen und bewerten

    Nun ist es an der Zeit, die Hauptursachen für ein Problem herauszufinden. Falls ihr sehr viele Gründe gefunden habt und die Meinungen auseinandergehen, kannst Du die Teilnehmer auch abstimmen lassen. Lasse im Zweifel kleine orangene Punkte kleben. Jeder Teilnehmer darf die ihm zugeteilten drei Punkte auf die seiner Meinung nach wichtigsten Ursachen verteilen. Ihr bewertet dann diejenigen Ursachen, die die meisten Punkte abbekommen haben.

  • 5

    Maßnahmen beschließen

    Im finalen Schritt entscheidet ihr Maßnahmen um die identifizierten Hauptursachen abzustellen bzw. zumindest die Schadensausmaße bzw. Eintrittswahrscheinlichkeiten abzusenken. Je nach Problem können das kleine Aufgaben oder auch ganze Mini-Projekte werden. Nutze eine Aufgabenliste, um zu fixieren, welche Person bis wann eine Tätigkeit zu erledigen hat. Typischer Fehler in der gelebten Praxis ist das Überspringen dieses Schrittes. Was nützt eine tiefgründige Ursachenanalyse, wenn im Nachgang dann keiner etwas unternimmt.


Beispiele

Beispiel: Fehlerhafter Datenexport

Das Problem ist typisch in einem IT-Ablöseprojekt: Die Daten eines abzulösenden Altsystems werden nicht korrekt exportiert.

Untere Abbildung illustriert beispielhaft ein Ishikawa Diagramm für einen fehlerhaften Datenexport. Die Liste von Ursachen ist weit davon entfernt vollständig zu sein. Aber es ist ein Anfang auf dessen Grundlage Analysemaßnahmen am Quellesystem, Exportlogik, Quelldaten etc. eingeleitet werden können.

Ishikawa-Diagramm
Beispielhaftes Ishikawa Diagramm für einen fehlerhaften Datenexport

Vor – & Nachteile

Pro

  • Das Ishikawa Diagramm illustriert ein Problem visuell und ganzheitlich. Statt sich auf ausschließlich eine Ursachenkategorie zu beschränken, beleuchtest Du eine Fragestellung aus mehreren Perspektiven und schaffst mit dem Fischgrätendarstellung eine Gesamtsicht.
  • Wissenslücken, daher nicht tiefgründig bekannte Ursachenfelder, lassen sich mit Hilfe des Diagrammtyps direkt identifizieren.
  • Beides - Methode und Visualisierung - sind rasch erlernbar. In 5 Minuten hast Du die Technik Kunden, Partnern und Kollegen erklärt. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
  • Die gemeinsame Arbeit im Team an einem Ishikawa Diagramm inspiriert. Bereits nach 15 Minuten steht eine erste übersichtliche und nachvollziehbare Darstellung möglicher Ursachen-Wirkungszusammenhänge.
  • Ein Ishikawa Diagramm lässt sich flexibel den jeweiligen Zielen und Randbedingungen anpassen. Füge beispielsweise Hauptgräten dazu, tausche bestehende aus oder entferne nicht benötigte Ursachenkategorien.

Contra

  • Bei komplexen, vielschichtigen Problemen mit einer hohen Menge von Ursachen, Unterursachen und Wechselbeziehungen wird die Fischgräten-Visualisierung unübersichtlich.
  • Kategorieübergreifende Zusammenhänge zwischen Ursachen lassen sich nicht darstellen. Zwar können Linien ergänzt werden, schnell wird das Diagramm jedoch dadurch unübersichtlich
  • Bei zeitlichen Abhängigkeiten versagt der Darstellungstyp. Er bietet ausschließlich eine statische Sicht auf den aktuellen Zustand.
  • Das Ishikawa Diagramm hilft Dir weder ein Problem-Ursachen-Zusammenhang zu belegen noch eine passende Ursachenabstellungsmaßnahme zu definieren.

Praxistipps

  • Tipp 1 - Alternativ für Zielefindung einsetzen

    Das Ishikawa Diagramm unterstützt Dich nicht nur beim Finden von Problemursachen. Auch beim Brainstormen von Ideen, Diskussion von Zielen und Strukturierung von Prozessen hilft Dir der Visualisierungstyp. Notiere beispielsweise im Kopf ein (SMARTes) Ziel und finde Wege (Gräten) dieses zu erreichen.

  • Tipp 2 - Große Gräten in Zusatzdiagramm auslagern

    Falls Du bereits zu Beginn der Arbeiten absehen kannst, dass für eine Ursachenkategorie sehr viele Ursachen zusammenkommen, visualisierst Du diesen Zweig besser in einem separaten Diagramm mit geeigneten Kategorien.

  • Tipp 3 - Potentielle Ursachen zunächst nachweisen

    Du vermutest eine Ursache, bist aber nicht ganz sicher? Bevor eine Maßnahme zur Abstellung aufgesetzt wird, muss zunächst der Wirkungszusammenhang zwischen Ursache und Problem nachgewiesen werden. Erst dann kann die Ursache eingedämmt bzw. ganz eliminiert werden.

  • Tipp 4 - Das Diagramm auf Problemstellung anpassen

    Zahl und Ausprägung der Ursachenkategorien hängt von der Problemstellung ab. Stecke etwas Zeit in die vorbereitende Konzeptionsarbeit und lege ein Fischgrätendiagramm vor, welches zur betrachtenden Fachdomäne passt. Spielt für IT-Systeme oft Speicher, Schnittstellen und Funktionslogik eine Rolle, ist es bei einem Problem im Marketing eher Preis, Produkt, Platzierung und Promotion.

  • Tipp 5 - Sitzung mit Maßnahmenverteilung beenden

    Versehe am Ende das Ishikawa Diagramm mit einer zusätzlichen Karte mit dem Datum sowie den Teilnehmer und halte das Ergebnis als Fotoprotokoll fest. Versende die resultierende Aufgabenliste zusammen mit der Aufnahme als Gesamtergebnis Eurer Investition in die Lösungsfindung für ein Problem.

  • Tipp 6 - Verdeckt zur Anwendung bringen

    Falls ein Kunde Kreativmethoden wie dem Ishikawa Diagramm ablehnend gegenübersteht, bringst Du die Visualisierung am besten implizit zur Anwendung. Schnell ist die charakteristische Grätenstruktur am Whiteboard oder Flipchart skizziert und im Gespräch diskutiert. Die meisten Kunden sind im Nachhinein dankbar über das klare Ergebnis an ihrer Zimmerwand.

  • Lesetipp

    Roland Schnur geht auf seiner Webseite www.sixsigmablackbelt.de ausführlich auf die Anwendung des Ishikawa Diagramms ein. Ebenfalls stellt er passende Software vor und liefert Tipps bei der Befüllung der Hauptgräten.

  • Tooltipp

    Hast Du und Dein Team keinen Meeting-Raum zur Verfügung, könnt ihr das Ishikawa Diagramm alternativ am Laptop modellieren. Nutze dazu Microsoft PowerPoint, Visio oder eine Mindmap-Software. So hast Du mit PowerPoint in wenigen Minuten eine Ishikawa Struktur zusammengeklickt.

    Alternativ nutzt Du die dieser Methode angehängten Vorlage. Online helfen Dir Tools wie Creately ein Fischgrätendiagramm zu erstellen.


Zusammenfassung

Das Ishikawa bzw. Fischgrätendiagramm ist eine gängige Form, um die zentralen Ursachen zu einem vorgegebenen Problem zu identifizieren. Gerade bei komplizierten Fragestellungen lohnt es sich im Team systematisch die Wirkungszusammenhänge zu visualisieren und aufzudecken.


Bonusmaterial

Zum Fachwirt: Ishikawa Diagramm Erklärung & Beispiel – In 7 Minuten erklärt Dir der Clip das Ishikava Diagramm noch einmal samt Beispiel

PDFDrucken

Zuletzt aktualisiert:

Hinterlasse ein Kommentar

Your email address will not be published.