Ishikawa? Wie wird das denn ausgesprochen? Vielleicht bist Du in Deiner beruflichen Laufbahn schon einmal über den Begriff gestolpert. Mit Sicherheit ging es da um Probleme und mögliche Ursachen. Ein Ishikawa Diagramm – auch genannt Fischgrätendiagramm – hilft Dir genau dabei. Für ein gegebenes Problem mögliche Ursachen aufzuspüren.  Systematisch und effizient.


Überblick

Ergebnis: mögliche Ursachen eines Problems gruppiert nach Kategorien

Teilnehmer: 2-12 Personen

Dauer: 30-90 Minuten

Utensilien: Whiteboard/Flipchart und Stifte

Zweck

Ein Ishikawa-Diagramm nutzt Du zur Identifikation von Ursachen für ein spezifisches Problem. Du visualisierst systematisch und übersichtlich die Kausalbeziehungen zwischen verschiedenen Ursachen (engl. Causes) und einer Wirkung – dem Problem (engl. Effect). Das Werkzeug lässt sich nicht nur für das Identifizieren von Gründen für ein Problem nutzen. Mit seiner eingängigen und rasch verständlichen Struktur unterstützt es Dich auch beim Brainstorming zu definierten Themenstellungen.

Übrigens trägt das Konzept den Namen seines Schöpfers Ishikawa Kaoru. Der japanische Chemiker konzipierte in den 1940er und 50er ein ganzes Arsenal von Qualitätswerkzeugen, darunter auch das heute noch bekannte Ishikawa Diagramm. Oft wird ein Ishikawa-Diagramm als ein Fisch mit sechs Hauptgräten dargestellt. Vor diesem Hintergrund bezeichnen viele die Visualisierungsform auch gern als „Fischgrätendiagramm“.


Aufbau

Im Einzelnen besteht das Diagramm aus drei Bestandteilen:

Der Kopf trägt das zu analysierende Problem,die Schwachstelle oder Anomalie. Formuliere hier so präzise und spezifisch wie möglich. Der Kopf wird von den einzelnen Gräten bestimmt, ist damit das Resultat der Gräten.

Die mit dem Kopf verbundenen Hauptgräten repräsentieren die möglichen Ursachenkategorien für das Problem. Als kleine Hilfe schlägt der Erfinder Ishikawa Kaoru sechs Kategorien vor:

  • Mensch (z.B. Kommunikation, Zusammenarbeit, Rollen, Hierarchien)
  • Maschine (z.B. Bauart, Leistung, Wartungszustand)
  • Mitwelt (z.B. Arbeitsklima, Arbeitsvereinbarungen, Gesetze)
  • Material (z.B. Zustand, Kennwerte, Lagerung)
  • Methode (z.B. Vorgehensweisen, Geschäftsprozesse, Arbeitsanweisungen)
  • Messung (z.B. Kalibrierung, Kennzahlen, Kontrollprozesse)

Weitere verbreitete Ursachentypen sind ‚Management‘ und ‚Money‘. Bitte beachte, dass es sich hier nur um eine Anregung handelt. Wähle zusätzliche bzw. alternative Kategorien, die nicht zwangsläufig mit dem Buchstaben ‚M‘ beginnen müssen.

In Form von Verzweigungen hängen an den Hauptgräten die spezifischen Problemursachen. Definiere diese so konkret wie möglich. Ursachen können sich auch weiter in Unterursachen verzweigen, diese in Unterunterursachen, etc..


Anwendung

Ein Ishikawa-Diagramm entwickelst Du am besten im Team. Mittels Brainstorming, der 6-Hüte-Methode oder SCAMPER kommt ihr gemeinsam rasch zu den verschiedenen Ursachen.

  • 1

    Ishikawa Diagramm vorbereiten

    Notiere das Diagramm auf einem Whiteboard, Flipchart, Metaplanwand oder Brownpaper. Ergänze im Kopf das Problem und wähle anschließend fachlich vertraute Ursachenkategorien, die zum Problem passen. Formuliere prägnant und eindeutig. Als Anzahl hat sich in meinen Anwendungen ein Wert zwischen mindestens 4 und maximal 8 Kategorien als optimal herausgestellt.

  • 2

    Problemursachen sammeln

    Identifiziert im Team potentielle Ursachen des Problems. Achtung: Ursachen, nicht Symptome. In der Hitze des Treffens passiert es regelmäßig, das sich die Diskussionen an den Symptomen festbeißen.
    Notiert die Symptome auf selbstklebende Karten, die ihr im Nachhinein auch verschieben könnt. Haltet Euch beim Sammeln an die Brainstorming Regeln. Zuerst zählt die Quantität, erst im Anschluss wird bewertet. Stelle offene Fragen nach dem Warum und motiviere damit Deine Kollegen weniger offensichtliche Ursachen ans Tageslicht zu fördern.

  • 3

    Ergebnis prüfen

    Überprüft anschließend, ob ihr den Großteil der Ursachen finden konntet bzw. diese auch korrekt verzweigt wurden. Stelle hier erneut Fragen, um letztlich die Grundursache (engl. Root Cause) aufzudecken. Nützlich dabei ist die mehrfache Frage nach dem ‚Warum‘, oft auch 5-Why-Methode genannt.

  • 4

    Hauptursachen auswählen und bewerten

    Nun ist es an der Zeit, die Hauptursachen für ein Problem herauszufinden. Falls ihr sehr viele Gründe gefunden habt und die Meinungen auseinandergehen, kannst Du die Teilnehmer auch abstimmen lassen. Ich lasse hier oft kleine orangene Punkte kleben. Jeder Teilnehmer darf die ihm zugeteilten drei Punkte auf die seiner Meinung nach wichtigsten Ursachen verteilen. Wir bewerten dann diejenigen Ursachen, die die meisten Punkte abbekommen haben.

  • 5

    Maßnahmen beschließen

    Im finalen Schritt entscheidet ihr gemeinsam Maßnahmen um die identifizierten Hauptursachen abzustellen. Je nach Problem können das kleine Aufgaben oder auch ganze Mini-Projekte werden. Nutze eine Aufgabenliste um zu fixieren, welche Person bis wann eine Tätigkeit zu erledigen hat. Typischer Fehler in der gelebten Praxis ist das Überspringen dieses Schrittes. Was nützt eine tiefgründige Ursachenanalyse, wenn dann im Nachgang dann nichts unternommen wird?


Beispiele

Das Problem ist typisch in einem IT-Ablöseprojekt: die Daten eines abzulösenden Altsystems werden nicht korrekt exportiert. Untere Abbildung illustriert beispielhaft ein Ishikawa-Diagramm für einen fehlerhaften Datenexport. Die Liste von Ursachen ist weit davon entfernt vollständig zu sein. Aber es ist ein Anfang auf dessen Grundlage Analysemaßnahmen am Quellesystem, Exportlogik, Quelldaten, etc. eingeleitet werden können.

Ishikawa-Diagramm
Beispielhaftes Ishikawa-Diagramm für einen fehlerhaften Datenexport

Vor – & Nachteile

Pro

  • Das Ishikawa Diagramm illustriert ein Problem visuell und ganzheitlich. Statt sich auf ausschließlich eine Ursachenkategorie zu beschränken, beleuchtest Du eine Fragestellung aus mehreren Perspektiven.
  • Wissenslücken, daher nicht tiefgründig bekannte Ursachenfelder, lassen sich direkt identifizieren.
  • Methode und Visualisierung sind rasch erlernbar. In 5 Minuten hast Du die Technik Kunden, Partnern und Kollegen erklärt.
  • Die Arbeit im Team inspiriert. Bereits nach 15 Minuten steht eine erste übersichtliche und nachvollziehbare Darstellung der Ursachen-Wirkungszusammenhänge.

Contra

  • Bei komplexen, vielschichtigen Problemen mit einer hohen Menge von Ursachen, Unterursachen und Wechselbeziehungen wird die Fischgräten-Visualisierung unübersichtlich.
  • Kategorieübergreifenden Zusammenhänge zwischen Ursachen lassen sich nicht darstellen.
  • Bei zeitlichen Abhängigkeiten versorgt der Darstellungstyp. Er bietet ausschließlich eine statische Sicht auf den aktuellen Zustand.

Praxistipps

  • Tipp 1 – Vielfältig einsetzen

    Das Ishikawa-Diagramm unterstützt Dich nicht nur beim Finden von Problemursachen. Auch beim Brainstormen von Ideen, Diskussion von Zielen und Strukturierung von Prozessen hilft Dir der Visualisierungstyp. Notiere beispielsweise im Kopf ein (SMARTes) Ziel und finde Wege (Gräten) dieses zu erreichen.

  • Tipp 2 – Bedarfsorientiert abspalten

    Falls Du bereits zu Beginn der Arbeiten absehen kannst, dass für eine Ursachenkategorie sehr viele Ursachen zusammenkommen, visualisierst Du diesen Zweig besser in einem separaten Diagramm mit geeigneten Kategorien.

  • Tipp 3 – Gründlich vorbereiten

    Bereite Dich gut für Deine Rolle als Moderator und Zeitnehmer vor. Überlege Dir dazu problemrelevante Fragen, wähle passende Kategorien und kommuniziere Deinen Kollegen, dass für eine gründliche Bearbeitung mindestens 60 Minuten erforderlich sind.

  • Tipp 4 – Ergebnisse sichern

    Versehe am Ende das Ishikawa Diagramm mit einer zusätzlichen Karte mit dem Datum sowie den Teilnehmer und halte das Ergebnis als Fotoprotokoll fest. Versende die resultierende Aufgabenliste zusammen mit der Aufnahme als Gesamtergebnis Eurer Investition in die Lösungsfindung für ein Problem.

  • Tipp 5 – Software einsetzen

    Hast Du und Dein Team keinen Meeting-Raum zur Verfügung, könnt ihr das Ishikawa Diagramm alternativ am Laptop modellieren. Nutze dazu Microsoft PowerPoint, Visio oder eine Mindmap-Software.

  • Lesetipp

    Roland Schnur geht auf seiner Webseite www.sixsigmablackbelt.de ausführlich auf die Anwendung des Ishikawa Diagramms ein. Ebenfalls stellt er passende Software vor und liefert Tipps bei der Befüllung der Hauptgräten.

  • Tooltipp

    Mit Microsoft PowerPoint hast Du wenigen Minuten eine Ishikawa Struktur zusammengeklickt. Alternativ nutzt Du die dieser Methode angehängten Vorlage. Online helfen Dir Tools wie Creately ein Fischgrätendiagramm zu erstellen.


Zusammenfassung

Das Ishikawa- bzw. Fischgrätendiagramm ist eine gängige Form um die zentralen Ursachen zu einem vorgegebenen Problem zu identifizieren. Gerade bei komplizierten Fragestellungen lohnt es sich im Team systematisch die Wirkungszusammenhänge zu visualisieren und aufzudecken.

Falls ein Kunde Kreativmethoden wie dem Ishikawa Diagramm ablehnend gegenübersteht, bringe ich die Visualisierung implizit zur Anwendung. Schnell ist die Grätenstruktur am Whiteboard oder Flipchart schematisch skizziert und im Gespräch diskutiert. Die meisten Kunden sind im Nachgang dankbar über das klare Ergebnis an ihrer Zimmerwand.


Bonusmaterial

Zum Fachwirt: Ishikawa Diagramm Erklärung & Beispiel – In 7 Minuten erklärt Dir der Clip das Ishikava Diagramm noch einmal samt Beispiel

Hinterlasse ein Kommentar

Your email address will not be published.